Liberias Wähler bestimmen Nachfolger für Präsidentin Johnson Sirleaf

Warten vor Wahlbüro in Monrovia

In Liberia habe die Wähler am Dienstag über die Nachfolge der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf abgestimmt. Mehr als zwei Millionen Bürger in dem westafrikanischen Land waren aufgerufen, eine Wahl unter 20 Präsidentschaftskandidaten zu treffen. Auch das Unterhaus des Parlaments in der Hauptstadt Monrovia sollte neu gewählt werden.

Johnson Sirleaf hatte das frühere Bürgerkriegsland zwölf Jahre lang regiert. Nach zwei Amtszeiten durfte sie nicht erneut kandidieren. Unter ihrer Präsidentschaft kam Liberia zur Ruhe, auch der Wahlkampf lief friedlich. Das Votum vom Dienstag sollte den ersten demokratischen Machtwechsel in Liberia seit mehr als 70 Jahren einleiten.

Der Ausgang der Präsidentschaftswahl galt als völlig offen. Gute Chancen wurden dem früheren Profi-Fußballer George Weah eingeräumt, der bei den Wahlen 2005 und 2011 gegen Johnson Sirleaf verloren hatte. Als aussichtsreich galten auch Vizepräsident Joseph Boakai, der langjährige Oppositionspolitiker Charles Brumskine und der ehemalige Coca-Cola-Manager Alexander Cummings.

Ergebnisse sollen erst am Donnerstag verkündet werden. Sollte kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen, wird es am 7. November eine Stichwahl der beiden Bestplatzierten geben.

"Die Zukunft liegt in Eurer Hand", sagte die scheidende Präsidentin in ihrem Wahlaufruf am Montag. Sie rief die Wähler in dem Vielvölkerstaat auf, nicht nach "Volkszugehörigkeit, Religion oder Stammesgruppierung" abzustimmen.

Johnson Sirleaf war die erste Frau in Afrika, die zur Staatschefin gewählt wurde. Der scheidenden Präsidentin wird zugute gehalten, das verarmte und kriegszerstörte Land stabilisiert zu haben. Für ihre Aufbau- und Versöhnungspolitik wurde sie 2011 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Allerdings zählt Liberia immer noch zu den ärmsten Ländern der Erde. Die schwere Ebola-Epidemie zwischen 2014 und 2016 hat die Wirtschaft stark belastet. Auch die Korruption konnte unter Johnson Sirleaf nicht ausgemerzt werden.