Libanons zurückgetretener Regierungschef in Paris eingetroffen

1 / 2
Hariris Fahrzeug-Konvoi in Paris

Der zurückgetretene libanesische Regierungschef Saad Hariri ist in Paris eingetroffen. Nach Angaben aus seinem Umfeld und einem Bericht des der Hariri-Familie gehörenden Fernsehsenders Future TV erreichte Hariri am Samstagmorgen aus Saudi-Arabien kommend die französische Hauptstadt. Eine Quelle am Flughafen Le Bourget bei Paris bestätigte, dass Hariri gegen 07.00 Uhr gelandet sei. Der libanesische Fernsehsender LBCI zeigte Livebilder von der Ankunft des Ehepaars Hariri vor seiner Pariser Wohnung. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Hariri nach Paris eingeladen.

Kurz vor dem Abflug hatte Hariri im Kurzbotschaftendienst Twitter mitgeteilt: "Ich bin auf dem Weg zum Flughafen." Er hob hervor: "Zu sagen, dass ich in Saudi-Arabien festgehalten werden und es mir verboten sei, das Land zu verlassen, ist eine Lüge."

Der libanesische Regierungschef hatte am 4. November in der saudiarabischen Hauptstadt überraschend seinen Rücktritt erklärt, wobei er schwere Vorwürfe gegen die proiranische Hisbollah-Bewegung erhob, mit der er eine Koalitionsregierung gebildet hatte. Die Umstände seines Rücktritts führten zu Spekulationen, dass Riad ihn zum Rücktritt gezwungen habe. Libanons Präsident Michel Aoun erhob auch den Vorwurf, dass Hariri in Saudi-Arabien festgehalten werde. Er forderte dessen Rückkehr in den Libanon.

In seiner Twitter-Botschaft wandte sich Hariri auch direkt an Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), wobei der Grund dafür unklar war. Gabriel hatte am Donnerstag den libanesischen Außenminister Gebran Bassil in Berlin getroffen. Danach warnte er vor einer weiteren Destabilisierung des Libanon. Es gebe bereits "zu viele Konflikte" in der Region.

Der Rücktritt Hariris droht das fragile Gleichgewicht im Libanon zu zerstören und die seit dem Ende des blutigen Bürgerkriegs 1990 ohnehin nie gelösten Konflikte zwischen den Volksgruppen erneut zu verschärfen. Einige Beobachter befürchten, dass der Staat zum Schauplatz eines neuen Stellvertreterkonflikts zwischen den rivalisierenden Regionalmächten Iran und Saudi-Arabien werden könnte.