Libanons Präsident wirft Riad "Inhaftierung" von Saad Hariri vor

Saad Hariri im Interview

Libanons Präsident Michel Aoun hat den Ton gegenüber Saudi-Arabien verschärft und dem Königreich vorgeworfen, den libanesischen Regierungschef Saad Hariri als "Häftling" festzuhalten. "Es ist durch nichts gerechtfertigt, dass Herr Hariri nach zwölf Tagen nicht zurückkehrt", erklärte Aoun am Mittwoch. Auch Frankreich drang auf eine rasche Rückkehr Hariris in den Libanon, während Außenminister Jean-Yves Le Drian zu einem Besuch in Riad erwartet wurde.

Aoun schrieb am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter, er betrachte den libanesischen Ministerpräsidenten als "gefangen und inhaftiert", was gegen die Wiener Konvention über die diplomatischen Beziehungen verstoße. Es handele sich nicht um einen Rücktritt, sondern "einen Angriff auf den Libanon, seine Unabhängigkeit und Würde", kritisierte er.

Es gibt schon seit Tagen Spekulationen, dass Hariri in Riad inhaftiert sei. Der libanesische Regierungschef hatte am 4. November in der saudiarabischen Hauptstadt überraschend seinen Rücktritt erklärt, wobei er schwere Vorwürfe gegen die proiranische Hisbollah-Bewegung erhob, mit der er im Oktober 2016 eine Koalitionsregierung gebildet hatte.

Die Umstände seines Rücktritts, über die angeblich selbst seine engsten Berater nicht informiert waren, führten zu Spekulationen, dass ihn der mächtige saudiarabische Kronprinz Mohammed bin Salman dazu gezwungen habe, der ein erklärter Gegner der Hisbollah ist. Hariri ist in Saudi-Arabien aufgewachsen und besitzt auch die Staatsbürgerschaft des Königreichs.

Hariri versicherte am Wochenende in einem Interview, sich frei bewegen zu können und bald nach Hause zurückzukehren. Am Mittwoch bekräftigte er auf Twitter, dass er wie versprochen in den Libanon reisen werde. Präsident Aoun erklärte am Mittwoch erneut, dass er Hariris Rücktritt nicht annehmen werde, bevor der Ministerpräsident nicht in den Libanon zurückgekehrt sei.

Am Mittwochabend wurde der französische Außenminister Le Drian in Riad erwartet. Er wollte dort neben Kronprinz Salman auch Hariri treffen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drang am Mittwoch erneut auf die Rückkehr Hariris und erklärte, er wünsche sich, dass Hariri "im Libanon seinen Willen zum Rücktritt bestätigen könne, wenn er dies wünscht".

Am Donnerstag wurde der libanesische Außenminister Gebran Bassil in Berlin erwartet. Bei den Gesprächen mit Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sollte es um die Lage im Libanon und in der Region gehen. Auch in Berlin besteht die Sorge, dass der Rücktritt Hariris das fragile Gleichgewicht im Libanon zerstört.

Im Libanon besteht derzeit seltene Einigkeit zwischen den Parteien und Volksgruppen bei der Forderung nach der raschen Rückkehr Hariris. Beim Marathon in Beirut am Wochenende trugen Teilnehmer Schilder zur Unterstützung des Regierungschefs und in der Hauptstadt wurden Poster mit Hariris Bild und dem Slogan "Wir stehen alle hinter Ihnen" aufgehängt.

Im Internet wurde eine Website freesaadhariri.com eingerichtet, die über die Zeit seit seiner Rücktrittserklärung informiert. Während einige Nutzer humorvolle Fotomontagen verbreiteten, zeigten sich andere empört über die mutmaßliche Inhaftierung Hariris. "Es ist traurig, dass man sich über uns lustig macht. Es ist demütigend für alle Libanesen", schrieb Nadschib Mitri auf dem BlogBaladi.