Libanesen empört über angebliche Nominierung von neuem Regierungschef

Angebliche Wahl von Geschäftsmann stößt auf Protest

Die Demonstranten im Libanon haben am Freitag mit Empörung auf Berichte über die angebliche Nominierung eines reichen Geschäftsmanns als neuen Regierungschef reagiert. Libanesische Medien berichteten, der frühere Minister und reiche Geschäftsmann Mohammed Safadi solle nach dem Rücktritt von Saad Hariri mit der Bildung der nächsten Regierung beauftragt werden. Hohe Regierungsvertreter bestätigten die Berichte.

Der Bauunternehmer Hariri war am 29. Oktober unter dem Druck landesweiter Proteste zurückgetreten, bleibt aber bis zur Bildung einer neuen Regierung geschäftsführend im Amt. Präsident Michel Aoun hat sich für eine neue Regierung unter Einschluss von Experten ausgesprochen, jedoch noch nicht offiziell Gespräche mit den Parteien aufgenommen. Eine offizielle Bestätigung für die Nominierung von Safadi gab es am Freitag nicht.

Zahlreiche Demonstranten versammelten sich aber vor seinem Wohnhaus in der nordlibanesischen Küstenstadt Tripoli. Ein Demonstrant sagte, der Geschäftsmann und frühere Minister sei die Verkörperung genau jener politischen Elite, die sie loswerden wollten. "Er ist integraler Bestandteil der Führungsstruktur", sagte der Universitätsprofessor Samer Anus. "Safadi genügt nicht den Erwartungen des Volksaufstands im Libanon."

"Die Wahl von Mohammed Safadi als Ministerpräsident zeigt, dass die regierenden Politiker in einem tiefen Koma sind, als wären sie auf einem anderen Planeten", sagte auch der 60-jährige Dschamal Badawi bei der Kundgebung in Tripoli. Die Großstadt ist eines der Zentren der Proteste gegen die als korrupt und unfähig verschrieenen Eliten. Am Nachmittag waren weitere Proteste vor dem Yachthafen von Safadis Firma im Zentrum von Beirut geplant.