Li Shufu: Wer ist der Mann, der 10 Prozent der Daimler-Aktien hält?

Vor wenigen Tagen erst wurde bekannt, wer der größte Aktionär beim Stuttgarter Autobauer Daimler ist: der chinesische Milliardär Li Shufu, Gründer des Autoherstellers Geely und Käufer der schwedischen Traditionsmarke Volvo. Doch wer ist der Mann genau, womit hat er sein Geld gemacht und was könnte sein Coup für Daimler bedeuten?

Li Shufu, der größte Aktionär bei Daimler

Mit etwas mehr als 7 Milliarden Euro ist der Mann an Daimler beteiligt, über den in der Autobranche gerade wohl am meisten gesprochen wird. Damit hält der Chinese Li Shufu 10 Prozent Aktienanteile des Traditionsunternehmens und ist der wichtigste Einzelaktionär der Stuttgarter. Dass der Mann weiß, was er tut, steht außer Frage.

Li ist der Mann hinter der chinesischen Automarke Geely, der einzig nicht-staatlichen übrigens, die im vergangenen Jahr laut “FAZ“ 1,2 Millionen Fahrzeuge unter die Landsleute brachte und damit den größten Absatz aller heimischen Autobauer aufweist. Die Amerikaner mit ihren bislang begehrten Buicks hat Geely damit überholt, nur Volkswagen mit seinen 3 Millionen in China verkauften Autos liegt noch in weiter Ferne.

Nach eigenen Angaben ist der Unternehmer vor allem auch deswegen bei Daimler eingestiegen, um eine kräftige Allianz der Autobauer gegen “Eindringlinge von außen“ aufzubauen. Gemeint sind damit Technikkonzerne wie Google und Tesla, die der Autoindustrie mit autonom fahrenden Fahrzeugen die Käufer abspenstig machen wollen. Eine weitere Stütze in diesem Wettbewerb hat er sich bereits 2010 mit dem Kauf der schwedischen Traditionsmarke Volvo gesichert.

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Volvo war damals am Ende, galt unter Experten als nicht reformierbar und praktisch chancenlos, in Zukunft wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Acht Jahre später hat hat Li Shufu bewiesen, dass seine Strategie aufgegangen ist. Mit 570.000 verkaufter Autos und einem Betriebsergebnis von 1,43 Milliarden Euro hat der Konzern im vergangenen Jahr Rekordergebnisse eingefahren. Geklappt hat das mit folgender Strategie: Einem eigens entwickelten Baukasten für alle Modelle der Ober- und Mittelklasse, einer Plattform für kleinere Modelle, an der Geely und Volvo Hand in Hand arbeiten und deren erster Ableger, das Kompakt-SUV XC40 in Kürze auf den Markt kommen wird. Und die Konzentration auf Autos mit Elektroantrieb, die bei anderen Autobauern noch immer vernachlässigt werden.

Bezüglich der fortschreitende Digitalisierung hat Li Shufu auch schon erfolgreich eigene Wege beschritten: Seine Marke Lynk&Co vertreibt die Fahrzeuge allein über das Internet, Händler gibt es keine. Zudem hat der Unternehmer 2013 die London Taxi Company gekauft und daraus die London Electric Vehicle Company LECV gemacht, die sich mit der Volvo-Technik ihren Platz auf dem Markt der leichten E-Nutzfahrzeuge sichern will.

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Um zu ahnen, dass dieser Mann noch Einiges auf dem Kasten hat, muss man sich nur seine Vita anschauen. 1963 als drittes von vier Kindern in der Provinz Zhejiang geboren, lieh sich Li Shufu als junger Mann Geld von seinem Vater, einem Bauern, um sich einen Fotoapparat zu kaufen und ein Fotostudio zu eröffnen.

Auf das Studio folgte eine illegale Fabrik für Kühlschrankteile. Illegal deshalb, weil die Produktion damals noch fest in staatlicher Hand und für alle anderen verboten war. Als der Staat ihm den Laden dicht machte, verlegte sich der Chinese kurzerhand auf den Bau von Motorrädern, danach produzierte er Autos. Diesmal hatte er mehr Glück: Sechs Jahre ging die Chose ohne Lizenz gut, dann bekam er eine. Wo Geely heute steht, ist bekannt.

In der “Wirtschaftswoche“ nimmt der Analyst Frank Schwope von der NordLB eine Einschätzung über die Konsequenzen vor, die Li Shufus Einstieg bei Daimler nach sich ziehen könnten. Während der Vorstand bedingt begeistert auf den tatkräftigen Aktionär reagieren könnte, könnten die Aktionäre seiner Ansicht nach profitieren. Vor allem, “falls der Einstieg von Li Shufu den Ausbau der Elektromobilität im Konzern beschleunigt. Schließlich gelten ab 2019 verbindliche Elektroauto-Quoten im Reich der Mitte“, meint er. “Zudem könnte die Expansion von Daimler in China in den nächsten Jahren mit Hilfe des chinesischen Eigners leichter fallen.“