Kurz vor der Weltklimakonferenz wächst die Angst vor einem möglichen Scheitern

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Kraftwerk in China (AFP/STR)

Einen Tag vor Beginn der Weltklimakonferenz in Glasgow wächst die Angst vor einem möglichen Scheitern der Verhandlungen. 

"Wenn wir uns nicht mehr anstrengen, werden die Folgen dramatisch sein", sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen der "Augsburger Allgemeinen" (Samstagsausgabe). "Die Lage ist sehr ernst." Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) warnte indes vor übertriebenen Erwartungen an den Gipfel.

 Ab Sonntag verhandeln die Regierungen auf der UN-Klimakonferenz COP26 darüber, wie sie die Ziele des Pariser Abkommens von 2015 konkret einhalten können. Dieses sieht eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf deutlich unter zwei und möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vor.

 Sie erwarte, dass die Länder ihre Ziele ehrgeiziger formulierten und plausibel erklärten, wie sie diese erreichen wollen, erklärte von der Leyen. "Wir haben nur noch diese Dekade, um die Weichen richtig zu stellen und zu vermeiden, dass wir irreversible Kipppunkte erreichen." Notwendig sei eine weltweite Übereinkunft über klare Regeln, wie Länder ihre nationalen Fortschritte beim Emissionsrückgang transparent und nachvollziehbar messen können. Zudem müssten die reichen Staaten solidarisch mit den Entwicklungsländern sein.

Deutsche Industrie sei "in Sorge"

 Auch David Sassoli, Präsident des Europaparlaments, erklärte: Wenn es der Weltgemeinschaft mit dem 1,5-Grad-Ziel ernst sei, müssten "aus netten Ambitionen klare und realisierbare Maßnahmen werden". Den G20-Staaten, die für 80 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind, komme dabei eine Vorreiterrolle zu. "Wir müssen sehen, dass jeder von ihnen dem Beispiel der EU folgt und sich verpflichtet, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen."

 Die deutsche Industrie wies ebenfalls auf dringenden Handlungsbedarf hin. Die Industrie sei "in Sorge", dass auf der Konferenz der "dringend notwendige globale große Wurf für den Klimaschutz erneut nicht gelingt", sagte der Präsident des Industrieverbands BDI, Siegfried Russwurm, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er warnte zudem vor "nationalen Alleingängen". Ein globales Problem wie der Klimawandel lasse sich nur global lösen.

 Auch Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon sieht in dem Treffen in ihrer Heimat "die größte, wenn nicht letzte Chance für die Welt, die Klimakatastrophe abzuwenden", wie sie der "Welt" und anderen europäischen Medien sagte.

Warnung vor "massiven Flüchtlingsströmen" durch den Klimawandel

 Bundesumweltministerin Schulze dämpfte hingegen die Erwartungen an den Gipfel. "Es wäre ein Fehler, von Weltklimakonferenzen die spontane Weltrettung zu erwarten – dafür ist die Herausforderung zu komplex", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Klimakonferenzen funktionierten nicht nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip. "Das ist ein Langstreckenlauf, bei dem jede Etappe ihre Bedeutung hat."

 Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) warnte derweil vor "massiven Flüchtlingsströmen" durch den Klimawandel. Die Folgen einer starken Erderwärmung "wären dramatisch, vor allem für die ärmsten und verwundbarsten Länder", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. In den am härtesten betroffenen Ländern würden erst die Pflanzen, dann das Vieh und dann die Menschen sterben. Deshalb müsse die Weltgemeinschaft "konsequent global gegensteuern".

 Bereits im Jahr 2020 wurden nach Angaben der Kinderrechtsorganisation Save the Children 30 Millionen Menschen – etwa ein Drittel davon Kinder – durch klimabedingte Katastrophen aus ihrer Heimat vertrieben. Dies seien drei Mal so viele Menschen wie durch Konflikte und Gewalt - Tendenz steigend. "Das Ausmaß der Krise ist enorm und wächst schnell an. Es ist ein perfekter Sturm, den wir aufhalten müssen - bevor es zu spät ist", erklärte Steve Morgan von Save the Children.

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