Die Verteidigungsministerin will ihre Soldaten schnell fit machen für den Kampf gegen die Bedrohung aus dem Cyberspace.


Ein Eurofighter besteht vor allem aus Computern. Es ist nicht leicht, den Kampfjet abzuschießen. Feindlichen Angreifern könnte es aber gelingen, ihn zu hacken und so zum Absturz zu bringen.

Das Szenario beschreibt am Donnerstagabend die deutsche Verteidigungsministerin. Ursula von der Leyen (CDU) steht am Vorabend der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) auf der Bühne der Komödie im Bayrischen Hof und eröffnet die „MSC Innovation Night“ der Bundeswehr.

„Die Bundeswehr muss ein Unternehmen für Innovation werden. Sie muss Freiräume schaffen für Kreativität und Experimente. Wir brauchen den Mut zu Versuch und Irrtum“, ruft sie in den plüschigen Theatersaal.


Und weil bisher die Bundeswehr im Bewusstsein der Deutschen für all dies eher nicht steht, sondern eine Armee der straffen Hierarchien ist, und zu kämpfen hat mit ihrem fahrenden, schwimmenden und fliegenden Gerät – „wenn es denn fliegt“, so von der Leyen – und oft veralteter IT, wirbt die Ministerin offensiv um Start-ups.

Bereits im Wahlkampf hatte von der Leyen stets beteuert, die seit der Annexion der Krim durch Russland begonnenen Bundeswehrreformen als Ministerin abschließen zu wollen. Seit den Sondierungen von Union und SPD startet sie durch, mit Truppenbesuchen und Cyberwar-Tagungen in ihrem Ministerium. Die Zusage von Kanzlerin Angela Merkel, dass sie Ministerin bleibt, sie scheint zu stehen.

Den ersten Start-up-Gründer hat sie im letzten März ins Ministerium geholt. Marcel Otto Yon ist „Head of the Cyber Innovation Hub of the German Ministry of Defence“ und wird später in der Uniform eines Fregattenkapitäns zur Paneldiskussion auf der Bühne sitzen.

Yon war Investmentbanker und gründete ab 1999 mehrere IT-Firmen, die er an der Börse verkaufte. Seine neue Aufgabe: Start-ups finden, deren Technologie der Bundeswehr nutzt, und diese davon überzeugen, dass auch sie aus der Kooperation mit der Bundeswehr Vorteile ziehen.

Ingo Seebach betritt die Bühne, Gründer der Firma Dedrone: Er hat eine Software entwickelt, die Drohnen sicher aufspüren kann. Großen Firmen mit hohem Sicherheitsbedarf hat er sein System angeboten.

„Alle waren begeistert, nur niemand hat gekauft“, erzählt Seebach. Denn: Immer sagte der Leiter des jeweiligen Beschaffungswesens, er habe noch nie eine Drohne im Anflug auf das Firmengelände gesehen.

So erging es Seebach anfangs auch beim Heer. Bis er in der neuen Abteilung Cyber auf unkonventionelle Soldaten traf, die mit ihm erst einmal Daten über entdeckte Drohnen sammelten: Denn sehr wohl spielen kleine Drohnen eine Rolle beim Auskundschaften von Firmen und Kasernen. Erst die Datensammlung brachte Seebach schließlich auch kommerziell Erfolg.


Weitere Gründer treten auf, darunter ein israelischer Raumfahrtspezialist und ein Spieleentwickler. Sie berichten über gute Erfahrungen mit der Bundeswehr. Der frühere „Bild“-Zeitungschef Kai Diekmann als Moderator des Abends wagt schließlich doch etwas Skepsis: „Es suchen doch alle Unternehmen IT-Spezialisten, und Firmen zahlen doch viel mehr als die Bundeswehr.“

Yon, privat ein Nachbar Diekmanns in Potsdam, nahm das als Stichwort, von den Bundeswehrsoldaten zu schwärmen, die motiviert seien „für unser Land“. Bereits als Unternehmer habe er lieber Idealisten eingestellt als jene, die vor allem Geld wollten. „Die Bundeswehr will zur Speerspitze des Fortschritts werden. Und mal ehrlich: Wir können doch alle gut leben von den Beamtenbezügen“, sagte er.

Nur die Beamtenmentalität, die soll der Innovationskultur weichen. Es sei ja nicht so, dass die Deutschen Technologie nicht könnten, sagt von der Leyen. Selbstfahrende Autos etwa habe die Bundeswehr mit der deutschen Autoindustrie schon vor Jahren entwickelt - nur glaubte eben niemand an ihren Erfolg - anders als der Tesla-Gründer Elon Musk.

Ein Amerikaner, Alex Karg, Gründer des Big-Data-Softwarehauses Palantir, nennt denn auch eine Schwäche, die Deutsche dringend überwinden müssten: Ihre chronischen Selbstzweifel.