Von der Leyen gedenkt toter Soldaten in Mali

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einem Feldgottesdienst im Camp Castor in Mali. Foto: Britta Pedersen

Nach dem tödlichen Hubschrauberabsturz in Mali sucht Verteidigungsministerin von der Leyen vor Ort das Gespräch mit der Truppe. Und weist Zweifel an der Professionalität der beiden toten Piloten zurück.

Gao (dpa) - Bei dem Absturz eines Bundeswehrhubschraubers in Mali sind nach Angaben von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sehr erfahrene Soldaten ums Leben gekommen.

Es handle es sich um «zwei Kameraden, die hochgeschätzt waren, professionell, erfahren. Die Soldaten haben zu ihnen aufgeschaut», sagte sie am Sonntag im Camp Castor in Gao. «Dieser Verlust wiegt schwer.»

Seit Jahren ist kein Soldat der Bundeswehr mehr im Einsatz gestorben - am Mittwoch waren zwei Deutsche mit einem Kampfhubschrauber vom Typ Tiger abgestürzt und ums Leben gekommen. Die Ursache ist noch unklar, Ermittlungen deuten auf technische Probleme hin. Mittlerweile wurden beide Flugschreiber entdeckt. Weil sie stark beschädigt sind, sollen die Geräte nach Deutschland gebracht werden, um zu versuchen, sie noch auszulesen.

Von der Leyen hatte die Särge der toten Soldaten am Samstagabend in Köln feierlich in Empfang genommen - und sich danach direkt auf in das Krisenland gemacht. Die Reise der Ministerin nach Mali war schon mehrere Wochen lang geplant - allerdings wurde sie wegen des Unglücks vorgezogen und verlängert. Sie nahm am Sonntag im Camp Castor an einem Feldgottesdienst teil. Sie sei nach Mali geflogen, «weil ich nah bei ihnen sein wollte nach dem schrecklichen Absturz». Sie sprach auch mit den Luftfahrtexperten, die die Unfallursache erforschen.

Sie hätten ihre «volle Rückendeckung bei ihrer schwierigen Aufgabe, sich die notwendige Zeit zu nehmen, um mit der gebotenen Sorgfalt auch nach der Ursache des Absturzes zu forschen.» Es wäre nicht richtig, Zeitdruck auf die Experten auszuüben. Das Team ist seit Donnerstag vor Ort, um die Ursache des tödlichen Unglücks zu erforschen. «Die Experten untersuchen akribisch Millimeter für Millimeter der Absturzstelle, um Wrackteile zu bergen, die gegebenenfalls Aufschluss über die Absturzursache geben können.»

Von der Leyen sagte, beim Gespräch mit den Soldaten in Gao habe sie Verärgerung gespürt, dass «von außen Zweifel hereingetragen worden sind an der Erfahrung und dem Training der Piloten. Das Gegenteil ist der Fall - beide Piloten waren hocherfahren und kompetent.» Die Piloten-Gemeinschaft der Bundeswehr hatte kritisiert, dass die Tiger-Hubschrauber nicht ausreichend für den Einsatz in Mali getestet seien und den Piloten die vorgeschriebene Routine fehle.

Der Kommandeur der umgekommenen Bundeswehrsoldaten hat Spekulationen über eine mangelnde Ausbildung der Piloten scharf zurückgewiesen. «Unsere Besatzungen sind gut ausgebildet, sind auf den Einsatz gut vorbereitet, haben sich hier mit den Bedingungen entsprechend auseinandergesetzt», sagte Thomas Blum, Kommandeur der deutschen Hubschrauberpiloten in Mali, am Sonntag. «Und deswegen halte ich es derzeit auch für hochgradig unprofessionell, jetzt schon über Dinge zu spekulieren. Das wird weder den beiden Kameraden, die gefallen sind, noch den Besatzungen, die hier sind, geschweige denn ihren Angehörigen gerecht.»

Die Hitze in Mali sei zwar eine Herausforderung für den Flugbetrieb, sagte Blum, aber derzeit seien die Temperaturen in der Regenzeit kein Problem für die Maschinen. Der Hubschrauber sei aus 500 Metern Höhe beim normalen Flug abgestürzt. Die Ursache müsse schnell erforscht werden, um wieder den Flugbetrieb aufnehmen zu können.

Von der Leyen sagte, sie wolle in Mali mit den Soldaten aber nicht nur über das Unglück, sondern auch über die Mission Minusma sprechen. «Ich bin hier um ihnen auch den Rücken zu stärken.» Mali ist mittlerweile nach Afghanistan der zweitgrößte Einsatz der Bundeswehr. Mehr als 890 Soldaten der Bundeswehr sind in der ehemaligen Rebellenhochburg Gao stationiert.

Der UN-Einsatz sei entscheidend für die Stabilität in Afrika, habe aber auch Auswirkungen auf die Stabilität in Deutschland und Europa, sagte von der Leyen. «Es ist eine der wichtigsten, aber auch eine der gefährlichsten Missionen der Vereinten Nationen. Der deutsche Beitrag ist ein wichtiger Pfeiler, unverzichtbar.»

Der Norden des armen westafrikanischen Landes geriet 2012 nach einem Militärputsch vorübergehend in die Hände islamistischer und anderer Rebellengruppen. Sie konnten erst nach einer Intervention französischer Streitkräfte zurückgedrängt werden. Die UN-Mission soll nun zur Umsetzung eines Friedensabkommens zwischen Regierung und Rebellen von 2015 beitragen. Deutschland stellt hochwertiges Gerät wie Drohnen und Hubschrauber samt Personal.

Nach dem Besuch im Camp will von der Leyen am Montag zahlreiche politische Gespräche in Niger unter anderem mit dem nigrischen Staatspräsidenten und dem Verteidigungsminister führen. Auch die französische Verteidigungsministerin Florence Parly will sie treffen.