Lewis Hamilton: vom Bad-Boy zum Mega-Champion

Now a four-time world champion, Lewis Hamilton is an undoubted Formula One great. We look back on his multiple title successes.

Einst ein schüchterner Junge, der aus dem Nirgendwo kam, sorgte er als Rookie bereits in der Formel 1 für Furore. Mittlerweile hat Lewis Hamilton sein Bad-Boy-Image abgelegt und seinen vierten WM-Titel in der Formel 1 eingefahren. Bis dahin war es aber ein beschwerlicher Weg.

Denn der Brite musste in den letzten Jahren des öfteren zusehen, wie ausgerechnet sein Erzrivale Sebastian Vettel Titel um Titel gewann und ihn hinter sich ließ. Doch jetzt hat der Mercedes-Pilot im direkten Duell mit dem Ferrari-Piloten es geschafft, seinen vierten WM-Titel zu holen.

Gleichzeitig zog der Brite damit mit dem Heppenheimer sowie dem Franzosen Alain Prost gleich. Ein Meisterstück. “Lewis hat in diesem Jahr brillante Leistungen gezeigt, ganz besonders seit der Sommerpause”, so Mercedes-Chef Toto Wolff. “Seitdem fuhr er in einer eigenen Liga.”

Vettel und Rosberg stachelten ihn an

Nach der schmerzhaften Niederlage 2016 gegen seinen Teamkollegen Nico Rosberg war er in dieser F1-Saison besonders dank seiner fahrerischen Klasse erfolgreich. Von den Launen vergangener Zeiten war kaum etwas zu sehen. Vielmehr machte ihm sein Silberpfeil zu schaffen. Umso bemerkenswerter ist daher sein vierter WM-Titel, da er diesen gegen Vettel im direkten Duell herausgefahren hat.

Trotzdem war die Saison eine Achterbahn der Gefühle für Hamilton: In der ersten Saisonhälfte fand die Feindschaft in Baku ihren negativen Höhepunkt, als Vettel ihm nach einer unglücklichen Kollision am Ende der Safety-Car-Phase mit voller Absicht ins Auto fuhr.

Wende in Ungarn

Dieser Vorfall sollte Hamilton aber mehr beflügeln, als lähmen. Es war ein regelrechter Weckruf für den Briten: “Er braucht einen Feind, manchmal mehr als einen. So tickt er eben”, gab Wolff damals zu verstehen. Diese Situation nahm Hamilton als willkommene Gelegenheit, um sein Bad-Boy-Image aus den Rosberg-Duellen endlich abzulegen.

Nur zwei Piloten sind erfolgreicher als Hamilton

Dabei spielte dem Weltmeister vor allem eine Szene aus Ungarn in die Karten: Kurz vor der Zielflagge ließ Hamilton seinem Teamkollegen Valtteri Bottas vorbei. Und damit hatte wirklich keiner gerechnet. Allerdings hatte der Finne den Briten nach einer Mercedes-Order vorbeiziehen lassen müssen, damit auch Hamilton sein Glück gegen die Ferrari versucht. Als das nicht gelang, ließ er Bottas wieder an sich vorbei.

Image-Wandel und “Entscheidung des Herzens”

Was viele aber nicht bedachten, war, dass Hamilton dabei sogar riskierte, von Max Verstappen überholt zu werden. Diese Fairness-Aktion war auch dem Mercedes-Aufsichtsratvorsitzenden Niki Lauda zu viel des Guten: “Das Punkte herschenken muss aufhören, denn jeder Zähler kann am Ende entscheiden”, motzte der Österreicher.

Hamilton rechtfertigte nach dem Rennen seinen Entschluss wie folgt und punktete damit bei vielen Fans: “Das war eine Entscheidung des Herzens. Und ich stehe zu meinem Wort. Außerdem will ich die WM auf die richtige Art und Weise gewinnen.” Dieses ungewohnte Bild des Briten war den meisten fremd und kam völlig unerwartet zum Vorschein. Einst nannte ihn sogar Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger einen “Straßenköter”, weil Hamilton im Duell mit Rosberg stets gerne austeilte – und verwies dabei auf seine raues Umfeld, aus dem der 32-Jährige stammte.

Schumacher war nie so

“Ich weiß, was Härte bedeutet – auf der Strecke und im Leben”, verteidigte sich Hamilton gegenüber der “Welt”. “Wissen Sie eigentlich, wie hart ich und meine Familie kämpfen mussten, um da hinzukommen, wo wir jetzt sind? Ich komme aus dem Nirgendwo. Auf diesem Weg gab es eine Menge Probleme und Schwierigkeiten.”

“Glauben Sie doch nicht, dass ich auch nur ein einziges Rennen mit der Vorstellung gehe, ich sei ein lieber, netter Junge. Muhammad Ali war nie so. Tiger Woods nicht. Schumacher oder Senna oder Lauda auch nicht. Alle großen Sportler, die ich bewundere, haben sich genommen, was sie wollten. So musst du sein. Aber du musst es mit Stil und Anstand machen.”

Siegesserie zum 4. WM-Titel

Und diesen Sinneswandel vollzog Hamilton aber in der zweiten Saisonhälfte: Die Siegesserie, die er vor Spa angekündigt hatte, setzte der Brite wirklich um. Er gewann nacheinander in Belgien, in Italien, wo Hamilton ausgerechnet die WM-Führung zum ersten Mal in der Saison übernahem, und in Singapur. Selbst der zweite Platz in Malaysia hinter Verstappen war ein Erfolg, wenn man bedenkt, wie viele Probleme Mercedes eigentlich hatte.

Diese Siegesserie ging an Erzrivale Vettel nicht spurlos vorbei, wie der teaminterne Unfall in Singapur, die Defekte im Qualifying von Sepang und im Rennen von Suzuka zeigten. Der Druck auf den Ferraristi wurde größer und kam Hamilton umgekehrt zugute. Doch das war beim Briten nicht immer so.

Außenseiter, gehänselt und schikaniert

Als Kind war er ein Außenseiter, der von seinen Schulkameraden gehänselt und schikaniert wurde. Sein Vater dagegen wollte aus ihm unbedingt einen Top-Athleten formen und arbeitete dafür für drei verschiedene Arbeitgeber, nur um die Rennkarriere seines Sohnes zu finanzieren. Dieser Drill war nicht ohne. Aber Anerkennung bekam Lewis lediglich mit seinen Siegen auf der Rennstrecke.

“Ich ging an den Wochenenden nicht mit Freuden aus, sondern fuhr Kart – jedes Wochenende”, erzählt Hamilton aus seiner Jugend. “Ich konnte nicht die Dinge mit meinen Freunden machen, die ich gerne gemacht hätte. Ich verlor einen großen Teil meiner Kindheit. Soziale Kontakte konnte ich nur schwer aufbauen. Ich blühte erst viel später auf, ich machte ja keine normalen Dinge.”

Immense Erwartungshaltung

Nicht viel leichter machte es Hamilton Ron Dennis. Der McLaren-Teamchef war berüchtigt als Control-Freak. Trotzdem nahm er den damals Zehnjährigen als Ziehsohn auf. Und wieder musste sich der Brite wie schon daheim anpassen oder vielmehr in ein Schema packen lassen.

Hamilton ist zum vierten Mal Weltmeister 

Allerdings konnte das nicht lange gutgehen: Bereits in der Rookie-Saison begehrte Hamilton gegenüber Nummer-1-Pilot Fernando Alonso auf. Die Leistungen des britischen Shooting-Stars waren viel zu gut, um sich hinten anzustellen. Der Stallkrieg endete im Desaster für McLaren. Alonso suchte das Weite und Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen staubte den WM-Titel ab. Im Jahr darauf beglich Hamilton aber seine Schuld und wurde erstmals Weltmeister.

Aus den Schuhen entwachsen

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Hamilton seinen eigenen Weg fand und ging. Nach der Abnabelung von seinem Vater, der jahrelang sein Manager war, folgte auch der Absprung von Dennis’ Leine. Hamiltons Freiheitsdrang wurde immer größer, sodass er 2013 zu Mercedes wechselte. Doch dieser Prozess kostete den Briten viel Kraft und viele Nerven.

Bei den Silberpfeilen wurde alles anders und er konnte sich endlich selbst entfalten. Zum Ausdruck kam das unter anderem mit seinen Tattoos, die immer mehr zunahmen, oder seinem modisch, extravaganten Style.  “Das ist Teil des Erwachsenwerdens und der letzte Schritt in die Unabhängkeit”, sagte er damals nach seiner Vertragsunterschrift.

“Heute kann ich sein, wie ich möchte”

Diese Freiheit lebte Hamilton auch großzügig aus: “Mein erstes Tattoo zu bekommen war ein unglaubliches Gefühl. Heute kann ich sein, wie ich möchte. Das wurde am Anfang nicht akzeptiert, aber jetzt kann ich sagen: Ihr habt keine andere Wahl! Ich fühle mich jetzt in meiner Haut wohl”, so der Brite.

Dennoch stand der viermalige Weltmeister immer wieder in der Kritik, zu sehr den Glamour-Boy herauszuhängen und sich gerne mit Promis und Models zu zeigen. “Als Fahrer ist er vom Kopf her 40 oder 50, bei anderen Sachen eher 15”, monierte einst die britische Rennlegende Stirling Moss.

Lewis braucht die lange Leine

Wolff ist dagegen davon überzeugt, dass man Hamilton die lange Leine geben muss. “Lewis weiss genau, welches Umfeld er braucht”, so der Mercedes-Chef. “Solange das Gezeigte stimmt, muss man ihn leben lassen.”

Und solange der Brite die Silberpfeile zum Glänzen bringt wie in der Formel1-Saison 2017 und Titel einfährt, werden all seine Kritiker verstummen. Und am meisten Freude bereitet Hamilton eh dem neuen Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey.

“Die Ingenieure haben die Formel 1 unter Kontrolle”, zog Carey sein Fazit nach seinem ersten Jahr an der Spitze der Formel 1. “Wir müssen dafür sorgen, dass die Fahrer wieder im Vordergrund stehen. Lewis hat einen Stil, der die Leute anzieht, er kann ganz alleine einen Raum füllen. Wir wollen, dass sie alle solche Stars sind.”

Carey kann sich nächstes Jahr schön die Hände reiben, wenn Hamilton und Vettel das heiße Duell ausfahren, wer als erster fünf WM-Titel auf dem Konto hat. Und damit sind hohe Einschaltquoten auf jeden Fall garantiert.