Lewis Hamilton: Jetzt hat auch er seinen Tränen-Moment!

Maria Reyer
·Lesedauer: 3 Min.

"Das ist für alle Kinder da draußen, die vom Unmöglichen träumen. Ihr könnt das auch schaffen. Ich glaube an euch. Vielen Dank an alle für eure Unterstützung", funkte Lewis Hamilton den Tränen nahe nach der Zieldurchfahrt in der Türkei. Er hatte soeben seinen siebten WM-Titel mit dem 94. Sieg fixiert.

"Ich verliere sehr selten die Kontrolle über meine Emotionen", schilderte er nach dem Rennen erschöpft, aber glücklich. In den letzten Runden des Grand Prix in Istanbul kämpfte aber auch der sonst so coole Champion. "Wir hatten in den letzten Runden noch darüber diskutiert, ob ich noch einmal stoppen soll."

Doch er fuhr das Rennen schließlich auf 50 Runden alten Intermediates zu Ende. "Ich musste mir immer wieder sagen, 'reiß' dich zusammen, Lewis, du hast es!'." Er kam seinem Kindheitstraum mit jeder Führungsrunde näher. "Ich wusste, dass, wenn ich das so ins Ziel bringe, ich die Weltmeisterschaft in der Tasche habe."

Daher erlebte Hamilton vor allem in den letzten Rennrunden ein Gefühlschaos. "Ich habe über meine ganze Karriere nachgedacht. Als ich mit fünf Jahren im Kart gefahren bin, über den Sieg in der britischen Meisterschaft. Damals bin ich mit meinem Vater nach Hause gefahren und wir sangen 'We Are the Champions'."

Den Queen-Klassiker durfte Hamilton auch nach 58 Rennrunden in Istanbul erneut anstimmen. "Damals träumte ich davon, hier zu stehen. Und plötzlich war [der Triumph] nur noch Minuten weg. Das war ein wenig viel." Daher kämpfte der Brite am Boxenfunk hörbar mit den Tränen.

"Als ich dann über die Ziellinie gefahren bin, hat es mich erwischt. Ich bin in Tränen ausgebrochen." Die gesamte Auslaufrunde musste er verarbeiten, was soeben geschehen war. Auch im Parc ferme blieb der neu gekrönte Weltmeister noch ein paar Minuten lang sitzen.

"Ich wollte das Visier nicht hochschieben, damit alle sehen, wie die Tränen runterkullern. Weil ich immer gesagt habe, dass ihr mich nie weinen sehen werdet. Ich erinnere mich daran, in der Vergangenheit andere Fahrer weinen gesehen zu haben. Da sagte ich mir: 'Ich werde das nie machen'."

Eine mittlerweile legendäre Szene: Als Michael Schumacher in Monza 2000 den Siegrekord von Ayrton Senna egalisierte, brach er in der Pressekonferenz danach ebenso in Tränen aus. "Auch im Leben von Supermännern gibt es Momente, in denen sie wieder menschlich werden", schrieb damals die 'Corriere della Sera'.

Auch Hamilton wurde von seinen Emotionen übermannt. "Ich bin nicht sofort ausgestiegen, weil ich es nicht glauben konnte." In diesem Moment habe er an seinen Vater gedacht, der in guten und schlechten Zeiten zu ihm gehalten habe. "Er stand mir immer bei." Auch an seine Mutter, Stiefmutter und seinen Bruder.

"Sie alle standen an meiner Seite, gingen mit mir durch dick und dünn." Nun war er am Zenit angekommen. Gratuliert hat ihm direkt danach gleich Sebastian Vettel. Der Deutsche verriet später, was er Hamilton gesagt hat: Dass er dankbar sei, diesen historischen Moment miterleben zu dürfen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.