Titan on Fire! Kahns furioser Auftritt im Doppelpass

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Titan on Fire! Kahns furioser Auftritt im Doppelpass
Titan on Fire! Kahns furioser Auftritt im Doppelpass

Es herrscht Unruhe beim FC Bayern. Seit dem überraschenden Aus in der Champions League gegen den FC Villarreal wird rund um den deutschen Rekordmeister über alles und jeden diskutiert.

Ein Name, der immer wieder genannt wird: Oliver Kahn. Ist der ehemalige „Titan“ in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender zu leise? Muss er gemeinsam mit Hasan Salihamidzic jetzt dringend einen Umbruch im Kader einleiten, warum wurde noch nicht mit Robert Lewandowski verlängert? (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Am Ostersonntag war Kahn im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1 zu Gast und lieferte Antworten zu den wichtigsten Fragen.

Oliver Kahn über...

... Robert Lewandowski: „Stand heute hat Robert bei uns einen Vertrag für die nächste Saison. Wir sind im Austausch mit Robert und wollen, dass er möglichst lange beim FC Bayern bleibt. Scheinbar glauben dann einige, es sei bei solchen Gesprächen und Vertragsverhandlungen wie beim Online-Managerspiel, wo ich irgendwo draufklicke und er dann seinen Vertrag verlängert hat. Man muss auch die Situation der Spieler sehen. Spieler, die bei diesem Klub seit vielen Jahren Top-Leistungen bringen, überragend sind. Robert bei uns Weltfußballer geworden. Robert ist ein Spieler, der das Potenzial hat, jedes Jahr 30,40 Tore zu schaffen. Natürlich kommen solche Spieler irgendwann mal auf den Gedanken: Ich habe hier alles erreicht und alles gewonnen. Dann braucht es Zeit, ihn zu überzeugen, hier zu bleiben.

Schauen wir uns die Beispiele an, von Spielern, die den Verein gewechselt haben. Mit was identifizieren wir denn Ronaldo? Für seine Zeit bei Real Madrid. Für was identifizieren wir Messi? Für seine Zeit bei Barcelona. Das ist bei Robert ganz genauso. Und ganz nebenbei geht es bei solchen Gesprächen auch um finanzielle Dinge. Wir alle wissen, dass wir zwei ganz schwierige Jahre hinter uns haben. Da muss man sich als Verein Gedanken machen, wie man das alles in der jetzigen Situation noch hinbekommt. Denn auch der FC Bayern hat unter diesen letzten zwei Jahren gelitten.“

„Wann der FC Bayern Vertragsgespräche führt, entscheiden wir. Wir wissen ganz genau, was wir diesem Spieler zu verdanken haben. Da geht es auch darum, einen respektvollen Austausch mit dem Spieler zu haben. Da lassen wir uns von keinem unter Druck setzen. Bei Müller bin ich sehr zuversichtlich, dass wir auch kurzfristig da etwas zu sagen können. Auch bei Manuel sind wir in einem sehr guten Austausch. Unter Druck setzen lassen wir uns ganz bestimmt nicht, was diese zentralen wichtigen Entscheidungen anbelangt.“

... ob die Diskussionen um Lewandowski störend ist: „Das sehe ich überhaupt nicht. Das gab es beim FC Bayern München schon immer. So eine Diskussion kann ja auch ein bisschen Reibung in der Mannschaft erzeugen, die ja gar nicht so schlecht sein muss. Ein bisschen Kabbelei und Unruhe ist für das Betriebsklima gar nicht so schlecht. Aber die Spieler sind viel zu professionell, um sich davon beeindrucken zu lassen. Damit kommen die Spieler problemlos zurecht.“

... Erling Haaland: „Es wird ja oft vom Haaland-Paket gesprochen. Matthias Sammer hat das gar nicht so schlecht ausgedrückt, als er sagte, da wird einem ein bisschen schwindlig. Das sind Bereiche, das ist sehr weit weg von dem, was wir uns vorstellen. Wir würden unserem Job nicht gerecht werden, wenn wir uns mit einem jungen Stürmer nicht beschäftigen würden. Natürlich ist er ein ganz exzellenter Stürmer und für die Zukunft ein hochinteressanter Spieler. Das sind finanzielle Dimensionen, die sind außerhalb unserer Vorstellungen.“

... die Situation bei den Bayern: „Ich wüsste nicht, wo ich etwas schöngefärbt habe. Ich bin der erste, den es immer noch richtig ankotzt, dass wir gegen Villarreal ausgeschieden sind. Ich weiß aber auch, dass es in diesem Geschäft relativ wenig Sinn macht, sich da in ein Jammertal zu begeben und alles zu beklagen. Ich bin in der Verantwortung und muss sofort in so einem Moment nach vorne schauen und alles aufrichten. Einlullen lassen wir uns schon gar nicht. Natürlich ist die Mannschaft enttäuscht, das sieht man nach so einem Spiel auch im Training. Natürlich zieht sich das über die nächsten Tage hin. Aber wir haben jetzt in Bielefeld ein extrem wichtiges Spiel für die Meisterschaft. Und es ist mein Job, daran zu denken. Natürlich war ich auch zutiefst enttäuscht. Manchmal muss man sehr schnell diese Trotzreaktion zeigen.“

... Serge Gnabry: „Wir sind im Austausch. Serge weiß, was wir als Verein von ihm verlangen, auch leistungsmäßig. Er ist in einem Prozess des Nachdenkens. Sobald die Dinge klarer werden, werden wir es vermelden.“

... Gespräche mit Trainer Julian Nagelsmann: „Es ist für mich extrem wichtig, sich mit Hasan und dem Trainer immer wieder zusammenzusetzen und zu diskutieren. Was ist die Meinung vom Trainer? Wie sieht er bestimmte Spieler? Mit welchen Spielern können wir uns verbessern? Das muss ein permanenter Austausch sein. Der Transfer- und Spielermarkt ist heute so schnell und beweglich. Heute macht man sich Gedanken und morgen kann die Situation schon wieder ganz anders sein. Es geht nicht anders, als dass wir ständig im Austausch sind. Natürlich sind Hasan und ich gemeinsam mit dem Aufsichtsrat, die dann entscheiden, welchen Spieler wir holen, in der Verantwortung. Dass der Trainer da miteinbezogen wird und mitspricht, versteht sich von selbst.“

... über Julian Nagelsmann: „Natürlich haben wir immer die größten Ansprüche und wollen mindestens ins Halbfinale der Champions League kommen, diese am besten gewinnen. Aber in der Champions League spielen viele Dinge eine Rolle, sie zu gewinnen ist nicht planbar, weil zu viele Dinge passieren können. Wenn man sich die Saison aber mal anschaut, haben wir auch in der defensiven Arbeit schon einige Fortschritte zur letzten Saison. Wir haben im Vergleich zur letzten Saison zehn Gegentore weniger, zum jetzigen Zeitpunkt fast schon die gleiche Anzahl an Toren erzielt, wie in der kompletten letzten Saison. Wir haben Spieler wie David Alaba, der sehr stark auch Führung gezeigt hat, verloren. Allerdings haben wir in der vergangenen Saison auch 44 Gegentore bekommen. Das ist eine enorme Anzahl. Also war es unser Ziel, erstmal wieder stabiler zu werden. Das haben wir auch geschafft. Wir sind sehr flexibel geworden, können mit Vierer- und Dreierkette spielen. Viele Spiele waren hochattraktiv. Diese Mannschaft ist jederzeit fähig, Spitzenleistungen abzurufen. Natürlich diskutiert man immer über die Breite. Der FC Bayern kann es sich im Gegensatz zu englischen Klubs nicht leisten, dass Spieler, die 80, 90 oder 100 Millionen kosten, auf der Bank sitzen. Da müssen wir kreativer sein. Das war auch in der Vergangenheit. Da hat man bei bestimmten Verpflichtungen mal mehr, mal weniger Glück. Es gibt Spieler, die die Erwartungen mal nicht erfüllen.“

... über die Morddrohungen gegen Nagelsmann: „Wir wissen, wie es zugeht, wenn es bei Bayern solche Niederlagen gibt. Da muss man Kritik aushalten können und wegstecken können. Das gehört dazu, wenn man beim FC Bayern spielt. Hier allerdings werden Grenzen weit überschritten. Was geht in Menschen vor, die aus der Anonymität heraus anderen Menschen Morddrohungen schicken? Es gibt nichts Feigeres, als aus der Anonymität heraus andere Menschen zu diskreditieren und sie herabzuwürdigen. Wir werden uns jetzt Gedanken machen, ob man da nicht mal einen Riegel vorschieben kann und muss.“

... über die Rückrunde der Bayern: „Man muss auch sehen, was sich in der Rückrunde alles abgespielt hat. Im ersten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach hatten wir elf Infizierte und mussten mit unserer B-Mannschaft antreten. So haben wir gleich das erste Spiel verloren. Das wird dann schnell vergessen. Das soll keine Rechtfertigung sein. Ständig waren Spieler nicht verfügbar oder in Quarantäne, Spieler wie Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Alphonso Davies langfristig verletzt. Es gab einige Dinge, die Julian händeln musste. Wenn man sich die Saison anschaut und den Trainer beurteilt, muss man sich das schon anschauen. Nach dem Spiel gegen Villarreal habe ich gesagt: Jetzt müssen wir in die Analyse gehen. Das habe ich damit gemeint. Wir schauen uns so eine Saison ganz intensiv an, um herauszufinden: Wo waren Dinge nicht optimal und was können auch wir in bestimmten Situationen besser machen? Beim Rückspiel wäre ich vorsichtig. Wir hatten 20 sehr gute Minuten nach der Halbzeit gehabt. Da haben wir es im Hinspiel versemmelt. Da müssen wir uns die Frage stellen: Warum? Was war da los? Wir haben im Hinspiel nicht die richtige Einstellung gefunden. Wir waren überrascht über die Qualität, mit der Villarreal aufgetreten ist, wie sie hinten herausgespielt haben. Wir sind davon ausgegangen, dass sie eher mit langen Bällen agieren werden. Sie haben dann hinten herausgespielt, das war vom Allerfeinsten. Sie haben in Turin 3:0 gewonnen. Normalerweise sollte man davon ausgehen, dass man diese Mannschaft nicht mehr unterschätzt.“

... über das Rückspiel gegen Villarrreal: „Wenn Thomas (Müller) ein bisschen mehr Glück hat, dann steht es 2:0. Dann passiert gar nichts mehr, weil der Gegner völlig spielen muss. Es gibt nichts schönzureden oder zu rechtfertigen. Wir müssen als Bayern München gegen Villarreal weiterkommen. Ich habe aber selten eine Mannschaft im internationalen Fußball gesehen, der es gelingt, mit zwei so tief stehenden Viererketten so exzellent zu verteidigen. Natürlich braucht man da Ideen und Kreativität. Man muss aber auch aufpassen, dass man nicht in den einen oder anderen Konter hineinläuft. Daher war es in der ersten Halbzeit geduldig. Da waren wir nicht zwingend genug.“

... über das Gegentor gegen Villarreal: „Man muss auf dem Platz ein Gespür entwickeln und sagen: Lass uns das Ergebnis zu Ende spielen, dann geht es in die Verlängerung. Aber das ist nicht der Charakter dieser Bayern-Mannschaft. Das war er aber auch nicht unter Flick, als wir sechs Titel in einer Saison gewonnen haben. Hinterher weiß man es aber besser.“

... über seine Führung der Bayern (im Vergleich zu Hoeneß und Rummenigge): „Es macht wenig Sinn, solche Dinge miteinander zu vergleichen. Hoeneß war Hoeneß und Rummenigge war Rummenigge. Ich mache die Dinge jetzt auf meine Art, wie ich es glaube, dass es für die Zukunft des FC Bayern richtig ist. Wir haben eine ganz klare Aufteilung. Uli ist jemand, der immer mal auf der Geschäftsstelle vorbeikommt. Das schätzte ich sehr. Ich habe zu ihm gesagt: Komm doch noch viel öfter. Mach die Tür auf und sag zu mir, was dir nicht gefällt. Da wäre ich dankbar für. Mir ist wichtig, dass jeder klare Aufgaben hat und ständig Kommunikation herrscht. Ich glaube, dass das der richtige Weg ist.“

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