Sein „letztes großes Ding“: Millionär Heiner Kamps meldet sich mit Tiefkühl-Backwaren für Lidl und McDonald's-Brötchen zurück

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Unternehmer Heiner Kamps im Jahr 2014
Unternehmer Heiner Kamps im Jahr 2014

Bäckereifilialen in ganz Deutschland tragen noch heute seinen Namen und das, obwohl er schon vor 19 Jahren ausstieg: Unternehmer Heiner Kamps ist zurück und will noch einmal angreifen. Das berichtet die „Wirtschaftswoche“ (WiWo). Der Gründer der Kamps-Bäckereikette wurde im September bei Aryzta in den Verwaltungsrat gewählt. Der schweizerisch-irische Konzern produziert vor allem Tiefkühlbackwaren für Lidl und Walmart und stellt Brötchen und Baguettes für McDonald's und Subway her.

Noch vor zwei Jahren habe Kamps die Leitung und Aufsicht der Unternehmensgruppe Theo Müller aufgegeben, zu der neben Müller Milch und Weihenstephan damals auch die Fischrestaurantkette Nordsee gehörte. Der bald 66-Jährige habe damals eigentlich auf seinen kompletten Ausstieg hingearbeitet. Nun seien die Ruhestandspläne allerdings erst einmal vom Tisch. Auf dem Plan stehen stattdessen Umstrukturierungen bei Aryzta.

Aryzta-Umsatz brach 2020 um 13 Prozent ein

Denn das Geschäft von Kamps' neuer unternehmerischer Heimat hat insbesondere im Zuge der Corona-Krise Schaden genommen, wie die „WiWo“ schreibt. Neben den Kooperationen mit Lidl, Walmart oder McDonald's beliefert Aryzta auch Caterer, Hotels und Gastronomen mit vorgegarten Backwaren. Durch die Schließungen im Zuge der Pandemie sei der Umsatz des Tiefkühlbäckers um 13 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro gesunken.

Das Coronavirus sei aber nicht das einzige Problem von Aryzta. Wie die „WiWo“ berichtet, habe der Konzern in den letzten Jahren bereits viel Geld für schlechte Übernahmen gezahlt und Unsummen für die Verwaltung ausgegeben.

Anfang 2020 stieg dann der Schweizer Investor Veraison ein und holte neben Kamps noch zwei weitere Branchenexperten in den Verwaltungsrat. Die sollen der Zeitung zufolge nun an der Wende arbeiten. Er wolle noch einmal dabei helfen, alles aus einem Unternehmen herauszuholen, begründete Kamps bei der „WiWo“ den Aufschub seines Ruhestands. Aryzta sei vielleicht „sein letztes großes Ding“.

Vom Bauernhof zum Bäckerei-Millionär

Dass man ihm das zutraut, ist sicherlich auf seine Erfolgsgeschichte zurückzuführen. Der gelernte Bäcker und Konditor wuchs auf einem Bauernhof auf und absolvierte Ende der Siebzigerjahre parallel zu seinem Meister in Düsseldorf noch ein BWL-Abendstudium. 1982 eröffnete er in der Rheinmetropole seine erste Bäckereifiliale - und gründete 15 Jahre später die Kamps AG, die kurz darauf 17.000 Mitarbeiter beschäftigte und an die Börse ging.

Die Kamps AG wurde in den folgenden Jahren zu einem der größten europäischen Backwarenhersteller. Im Jahr 2002 verkaufte Kamps sein Unternehmen für 1,8 Milliarden Euro an das Pasta-Unternehmen Barilla. An dem Deal verdiente der Gründer geschätzte 60 Millionen Euro.

„Ich bin einfach mit Herzblut Unternehmer“

Nach seinem Müller-Rücktritt leitet er nun also im Verwaltungsrat von Aryzta den Umbruch ein: Die Sandwich-Sparte werde ebenso verkauft wie das Nordamerikageschäft, das 43 Prozent des Gesamtumsatzes ausmache. Manager würden entlassen, eine Zweitnotiz an der Dubliner Börse beendet. Auf diese Weise habe man schnell Kosten in zweistelliger Millionenhöhe abbauen können, so Kamps zur „WiWo“. Die Anleger goutieren das seit November mit einem Kursanstieg von 75 Prozent.

Der Fokus liege nun auf Asien und Europa — insbesondere auf Deutschland. Man wolle zeigen, dass Aryzta wieder da sei, so Kamps. Ein erstes Ziel sei der Kräuter- und Laugenbaguettehersteller Coolback aus Brandenburg mit 113 Millionen Euro Umsatz. Persönlich freue sich Kamps über die Beschäftigung und rechnet damit, je nach Gesundheit noch drei bis fünf Jahre an der Neuorientierung mitzuwirken. „Ich bin einfach mit Herzblut Unternehmer“, so Kamps zur „WiWo“.

sb

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