Letzte bei Olympia: Helden am Ende des Feldes

Letzte bei Olympia: Helden am Ende des Feldes

Die großen Stücke werden bei den Winterspielen über die Olympiasieger geschrieben. Aber wer wurde eigentlich Letzter? Sieben Geschichten von Helden am Ende des Feldes.

ABFAHRT, MÄNNER
Marton Kekesi, Ungarn. Rang: 53. Rückstand: 11,47 Sekunden.
Mehrfacher ungarischer Landesmeister, was, mit Verlaub, nicht wahnsinnig viel aussagt. Student aus Budapest. Liebt schnelle Autos, Fitness und Selfies vor dem Spiegel. Nennt Arnold Schwarzenegger als Vorbild: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Der führte immerhin auf den 35. Platz in der Kombination - von 37.

BIATHLON, FRAUEN
Ekaterina Avvakumova, Südkorea. Rang 87. Rückstand: 5:18,7 Minuten im Sprint über 7,5 km.
Trägt keinen besonders typisch südkoreanischen Namen. Eingebürgert im Januar 2017, vorher startete Avvakumova für Russland bei der Universiade. Hobbys: Reisen und Kochen. Gab als Ziel für die Winterspiele eine Goldmedaille an. Dafür müsste sie mehr Scheiben treffen als vier von zehn. 

SKELETON, MÄNNER
Akwasi Frimpong, Ghana. Rang: 30. Rückstand: 11,59 Sekunden nach drei Läufen.
Ein Hase sitzt auf seinem Helm zwischen blitzend scharfen Fangzähnen. "Ich bin der Hase, der vor den Löwen seiner Vergangenheit flieht, um zu überleben", sagt Frimpong. Wurde mit neun weiteren Kindern von seiner Großmutter in einer Vier-mal-vier-Meter-Kammer aufgezogen. Seine Mutter holte ihn später illegal in die Niederlande.

LANGLAUF, MÄNNER
German Madrazo, Mexiko. Rang: 116. Rückstand: 25:51,5 Minuten über 15 km.
Lief, nein, schleppte, quälte, rettete sich stolz mit mexikanischer Flagge ins Ziel. Dort feierten die Exoten gemeinsam: Madrazo, der Vorletzte Sebastian Uprimny aus Kolumbien und Pita Taufatofua aus dem Inselreich Tonga - eines der bewegendsten Bilder dieser Spiele. 

SLALOM, FRAUEN
Kim Ryon Hyang, Nordkorea. Rang: 59. Rückstand: 29,28 Sekunden.
Kurz vor dem Schneepflug, worüber sich niemand lustig machen sollte. Wie viele andere Athletinnen und Athleten aus dem Norden durfte sie ohne Norm teilnehmen - und sie wurde genau genommen auch nicht Letzte: 19 Konkurrentinnen schieden aus. Kim nicht! Sie sagte: "Künftig werde ich mein Bestes geben, um eine Medaille zu holen." Der Weg ist weit.

EISKUNSTLAUF, MÄNNER
Jaroslaw Paniot, Ukraine. Rang: 30. Rückstand: sehr, sehr viel.
Wo Japans Superstar Yuzuru Hanyu eine Zauberkür ins Eis schliff, lief bei dem bedauernswerten Mann aus der Ukraine aber auch wirklich alles schief. Er schaffte mit Mühe die Hälfte seiner Bestleistung, die immer noch weit von dem entfernt ist, was Hanyu mit schwerer Bronchitis laufen würde. Tanzte zu Romeo und Julia. Und man weiß ja, wie das endet.

EISSCHNELLLAUF, FRAUEN
Michelle Uhrig, Deutschland. Rang: 31. Rückstand: 7,25 Sekunden über 1000 m. 
Sie nennt sich bei Instagram "Eisprinzessin" und war einfach nur glücklich, starten zu dürfen: "Ich liebe Schnee und Eis, vielleicht mache ich auch deshalb Eisschnelllauf." Dabei sein war für sie dann auch alles, was an ihrer Erkältung gelegen haben könnte. Wird Mimi genannt, weil ihr Bruder damals Michelle nicht aussprechen konnte.  

SKISPRINGEN, MÄNNER
Fatih Arda Ipcioglu, Türkei. Rang: 56. Ruckstand: 38,5 m auf der Großschanze.
Stammt aus Erzurum in Ostanatolien, Wintersportzentrum der Türkei. Der Weg auf die Schanze lag also nah, auch wenn die Eltern protestierten: "Als ich mir vor vier oder fünf Jahren die Beine gebrochen habe, hat meine Mutter gesagt: 'Hör auf!'" Aber: "Ich habe weitergemacht." Mit dem Skispringen, übersetzt: kayakla atlama. Er hat es zu Olympia gebracht -  und das allein ist ein Traum.