Wie die „Letzte Generation“ den Flughafen BER lahmlegte – und welche Konsequenzen den Aktivisten nun drohen

Aktivisten vom Aufstand der Letzten Generation auf der Landebahn des BER mit Fahrrad und Transparent mit der Aufschrift "Was, wenn die Regierung das nicht im Griff hat?". - Copyright: picture alliance / PIC ONE | Stefan Müller
Aktivisten vom Aufstand der Letzten Generation auf der Landebahn des BER mit Fahrrad und Transparent mit der Aufschrift "Was, wenn die Regierung das nicht im Griff hat?". - Copyright: picture alliance / PIC ONE | Stefan Müller

Fast wöchentlich blockiert die Aktivistengruppe „Letzte Generation“ Straßen. Am Donnerstag gelang es einigen Aktivisten nun, den Hauptstadtflughafen BER für einige Stunden lahmzulegen – manche von ihnen klebten sich auf der Rollbahn fest, andere fuhren mit Fahrrädern umher. Mehrere Aktivisten wurden festgenommen. Die Politik fordert indessen harte Strafen.

Zwei Stunden legten die Klimaaktivisten den Flughafen lahm

Nach Angaben der Bundespolizei haben sich Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ Donnerstagnachmittag Zutritt zum Flughafengelände des BER verschafft. Sie legten den Flugverkehr für fast zwei Stunden lahm. Die Aktivisten streamten die Aktion live bei Twitter.

Kurz nach 16 Uhr durchknipsten sie einen Zaun, anschließend hielten sie Banner in die Kamera und erklärten ihre Motive. Weiter klebten sie sich auf dem Boden fest und fuhren mit Fahrrädern umher. Etwa zehn Minuten nach Beginn der Aktion sind im Video erste Blaulichter zu erkennen, wenig später waren Polizeibeamte zu hören.

Der Berliner Flughafen stoppte zwischenzeitlich seinen Betrieb auf den Start- und Landebahnen. Erst um 18:15 Uhr gab es die Entwarnung und die Bahnen wurden wieder freigegeben. Insgesamt mussten fünf Starts gestrichen werden, 750 Passagiere waren betroffen. Jedoch seien auch noch weitere Streichungen und Verspätungen möglich. Weiter sind 15 Flugzeuge, die am BER hätten landen sollen, nach Dresden und Leipzig umgeleitet worden.

Scharfe Kritik am Klimaprotest seitens der Politik

Mehrere Aktivisten wurden in Gewahrsam genommen. Gegen sie werde Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung erstattet, teilte das Polizeipräsidium Brandenburg auf Anfrage mit. Nähere Angaben zur Zahl der Festgenommenen werden für Freitag erwartet.

Aus der Kritik hagelt es scharfe Kritik. Der Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) forderte etwa ein entschiedenes Vorgehen gegen ein solches Verhalten. Über eine Sprecherin teilte er mit, dass das Demonstrationsrecht zwar Grundrecht sei, doch die Aktionen würden „immer skrupelloser“. Dagegen müsse der Rechtsstaat entschieden vorgehen, so Wissing weiter.

Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef, zeigte sich ebenfalls empört und sprach von einer „neuen Eskalation“. „Mit dem Eindringen in den Sicherheitsbereich und der Besetzung des Rollfeldes bringen sie nicht nur sich, sondern auch Hunderte Passagiere in der Luft und am Boden massiv in Gefahr und verursachen nebenbei erhebliche wirtschaftliche Schäden. Das ist absolut inakzeptabel und bedarf einer harten Antwort des Rechtsstaates“, so Dobrindt.

Katja Mast, die erste Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD im Bundestag, sagte: „Unsere Demokratie funktioniert nicht so, dass ich meine Ziele im Namen der guten Sache mit jedem Mittel durchsetzen kann.“ Eine Flughafenblockade sei kein legitimes Mittel. Und sich dafür in den Sozialen Medien abzufeiern, schade dem Anliegen insgesamt.

Die Berliner Grünen-Landesvorsitzende Susanne Mertens sagte zu „t-online“, Protest müsse die Gefährdung anderer Menschen ausschließen. Auch sagte sie, dass der BER allerdings seine Sicherheitskonzepte überarbeiten müsse. Die einzig positive Stimme kommt von Linken-Chef Martin Schirdewan. Er verteidigte die „Letzte Generation“ hingegen und sagt, dass die Aktion „den Finger in die Wunde der politischen Untätigkeit angesichts der Klimakatastrophe“ lege.

Die Aktivisten hatten in den vergangenen Wochen immer wieder den Straßenverkehr blockiert, sich an Gemälden in Museen festgeklebt und in dieser Woche in der Hamburger Elbphilharmonie an einem Dirigentenpult. Ihr Ziel ist es, öffentliche Aufmerksamkeit auf die Folgen des Klimawandels zu lenken und Politiker zum Handeln aufzufordern. Sie ernteten für diese Aktionen bereits viel Kritik. In einer Umfrage hielten 86 Prozent der Befragten die Proteste für kontraproduktiv.

dpa/lidi