Letzte Ehre für vor 75 Jahren tödlich verunglücktes Schweizer Paar

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Trauerfeier in Savièse

75 Jahre nach einem tödlichen Gletscherunfall sind die Leichen eines Schweizer Ehepaars in einer feierlichen Zeremonie eingeäschert worden. An der Trauerfeier in der Kirche der Walliser Gemeinde Savièse nahmen am Samstag auch die beiden noch lebenden Töchter von Marcelin Dumoulin und seiner Frau Francine teil. Die vollständig konservierten Leichen des Ehepaars waren am 13. Juli im schmelzenden Gletschereis entdeckt worden.

"Das ist der schönste Tag meines Lebens", sagte die jüngere der beiden noch lebenden Töchter, Marceline Udry-Dumoulin, der Schweizer Nachrichtenagentur sda. Sie habe immer dafür gebetet, dass ihre Eltern eines Tages gefunden und bestattet werden könnten.

Ihre ältere Schwester Monique Gautschy dagegen hatte gemischte Gefühle: Sie sei zwar erleichtert gewesen, doch gleichzeitig seien auch viele Erinnerungen an das damalige Drama wieder wachgeworden, sagte die 86-Jährige der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. "Eine solche Tragödie vergisst man nicht", sagte sie. Dennoch sei auch sie froh, dass sie jetzt Gewissheit über den Verbleib ihrer Eltern habe.

"Ich hätte mich so gefreut, sie noch ein letztes Mal zu sehen, sie zu küssen, aber mir wurde geraten, das nicht zu tun", sagte Gautschy AFP. Leichen, die im Schnee oder Wasser entdeckt würden, verwesten sehr schnell, und es wäre "ein Schock" gewesen, sagte sie.

Die Nachricht von dem ungewöhnlichen Gletscherfund hatte international für Schlagzeilen gesorgt. Nach Gautschys Angaben drängten sich am Samstag so viele Menschen in die Kirche, dass die Hälfte draußen bleiben musste.

An der Beisetzung nahmen auch die Enkel und Urenkel des verunglückten Paares teil. Die beiden weißen Särge mit den Leichen wurden eingeäschert, und die Asche wurde in der Urnenhalle des Friedhofs von Savièse neben der des ältesten Sohns des Ehepaares platziert.

In derselben Kirche hatten Marcelin und Francine Dumoulin am 15. August 1942 an der Morgenandacht teilgenommen, bevor sie zu Fuß über den Gletscher zu ihrer Alm aufbrachen, um nach ihrem Vieh zu sehen.

Dabei müssen sie laut Gautschy in eine Gletscherspalte gestürzt sein. Sie wurden nie gefunden, bis der schmelzende Gletscher ihre Leichen nun wieder freigab. Mit Hilfe von DNA-Analysen konnten sie eindeutig identifiziert werden.

Ihre sieben Kinder - neben den beiden Töchtern fünf inzwischen verstorbene Söhne - wurden damals in Pflegefamilien gegeben. Die Geschwister hätten ihr Leben damit verbracht, ihre Eltern zu suchen, hatte Marceline Udry-Dumoulin der Zeitung "Le Matin" gesagt.