Letzte Chance für Deutschlands NFL-Hoffnung

Franziska Wendler

Der 30. April 2016 wird Moritz Böhringer immer in Erinnerung bleiben. In der sechsten Runde des NFL-Drafts wurde der Deutsche von den Minnesota Vikings gepickt.

Der 24-Jährige war der erste Europäer, der direkt in die NFL gedraftet wurde, ohne vorher an einem US-College gespielt zu haben. In den Medien wurde Böhringer dafür gefeiert.

Von der anfänglichen Euphorie ist nicht mehr viel übrig geblieben. Im September 2017 wurde Böhringer von den Vikings entlassen, ohne auch nur ein einziges Spiel in der NFL bestritten zu haben.

Böhringer bei Cincinnati Bengals unter Vertrag

Monatelang hielt sich Böhringer in verschiedenen Practice Squads fit. Durch das International Program der NFL, das ausländischen Spielern einen Kaderplatz in einem Team ermöglicht, ist der "MoBo" bei den Cincinnati Bengals gelandet.

Bereits im September absolvierte Böhringer dort ein Probetraining. "Das Interesse war schon damals da, ein Wechsel ist aber einfach nicht zustande gekommen", erzählt der Tight End im SPORT1-Interview.

Special Teams als Weg

In der kommenden Saison bekommen die Bengals einen extra Practice-Squad-Platz. Für Böhringer ein großer Vorteil. "Falls ich es doch nicht in das Team schaffe, ist das eine Sicherheit, die ich in der Hinterhand habe", so der Football-Profi.

Dennoch will sich Böhringer auf regulärem Weg einen Platz im Team erkämpfen. "Mein Ziel ist immer in das Team zu kommen, sonst würde das alles keinen Sinn machen", erklärt er.


Einen Plan hat sich der Profisportler schon zu Recht gelegt: "Ich muss es über die Special Teams versuchen. Da habe ich in Minnesota und auch in den letzten Monaten viel dazu gelernt. Ich muss einfach mehr Plays machen und die Coaches mehr beeindrucken, als ich das in Minnesota geschafft habe."

Umschulung zum Tight End

Trotz der Entlassung hat die Zeit bei den Vikings Böhringer weitergebracht. "Ich habe gelernt, wie professioneller Sport funktioniert. In Deutschland habe ich eigentlich nur Amateursport betrieben. In Minnesota habe ich viel über mich selbst und über Football erfahren. Es ist eine Zeit, an die ich gerne zurückdenke", so der 24-Jährige.

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Bisher agierte Böhringer als Wide Receiver. Bei den Bengals wurde er dagegen als Tight End unter Vertrag genommen. "Ich war in Sachen Größe und Gewicht ohnehin am oberen Limit, daher war es nicht so schwer, auf das Gewicht eines Tight Ends zu kommen", so der ehemalige GFL-Star.

In der Umschulung sieht Böhringer sogar Vorteile: "Als Tight End hat man mehr Matchups gegen Safetys und Linebacker. Ich denke, dass ich mich dort mit meinen athletischen Fähigkeiten besser freimachen kann."


Böhringer bereut fehlende College-Zeit

Die Erfahrungen, die er bei den Vikings sammeln konnte, soll Böhringer auch bei den Bengals helfen. "Ich kenne jetzt all die Abläufe. Natürlich ist jedes Team individuell, aber ich weiß wie das Training funktioniert und worauf man achten muss. Bei all diesen Dingen habe ich Vorteile gegenüber den Rookies", so der 24-Jährige.

Auch wenn sich der Tight End über die neue Chance bei den Bengals freut, ein Detail seiner Karriere bedauert er noch immer. Ein US-College hat Böhringer nie besucht. "Zu dem Zeitpunkt, als es mit dem College hätte klappen können, war ich schon zu alt."

Studium als Alternative

Für junge Football-Spieler hat Böhringer einen Tipp: "Alle die es in die NFL schaffen wollen, müssen versuchen an das College zu kommen. Es sind drei Jahre Football-Erfahrung, die kann man nicht so einfach aufholen."

Sollte es für den Deutschen auch bei den Bengals nicht klappen, sieht er für sich zwei Optionen: "Ich warte einfach ab und schaue, ob es noch Interessenten gibt. Ansonsten gehe ich zurück nach Deutschland und beende mein Studium."