Letzte Bewerber der US-Demokraten bringen sich für weitere Vorwahlen in Stellung

Joe Biden in St. Louis

Nach der deutlichen Verkleinerung des Bewerberfelds bei den US-Demokraten hat sich Präsidentschaftsbewerber Joe Biden für ein Duell mit seinem aussichtsreichsten Rivalen Bernie Sanders in Stellung gebracht. Vor der Vorwahl in sechs weiteren US-Bundesstaaten am Dienstag hielt Biden am Samstag eine Rede vor Anhängern in St. Louis im Bundesstaat Missouri. Dabei spielte er auf seine spektakuläre Aufholjagd und seinen Erfolg am sogenannten Super Tuesday vergangene Woche an.

"Welch einen Unterschied ein Tag macht", rief Biden bei seiner Rede unter freiem Himmel seinen Anhängern zu. "Letzte Woche um diese Zeit war ich in South Carolina und die Presse und die Experten hatten Bidens Kampagne für tot erklärt."

Dann habe er aber nicht nur die Vorwahl in South Carolina, sondern auch die meisten Abstimmungen beim "Super-Dienstag" gewonnen, hob der 77-jährige Ex-Vizepräsident hervor. Nun könne er bereits auf elf Vorwahlsiege blicken und liege im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten vorn.

Auf Sanders ging Biden nur indirekt ein. Er versicherte, er sei der geeignetste Kandidat, um die US-Demokraten zu einen. Die Vorwahlen werde er nicht für "eine Kampagne der Negativ-Attacken" nutzen, sagte Biden. Dies würde schließlich nur Präsident Donald Trump zu Gute kommen.

Sanders strich bei seiner Rede vor Anhängern in Chicago die politischen Unterschiede zwischen Biden und ihm heraus, ohne seinen Rivalen anzugreifen. "Joe Biden ist ein Freund", sagte Sanders. "Ich kenne ihn seit vielen Jahren." Allerdings hätten sie für die Vereinigten Staaten "unterschiedliche Visionen" und diese Unterschiede seien jetzt umso wichtiger, da sich die Vorwahlen auf sie beide fokussierten.

Bei einer weiteren Wahlkampfveranstaltung in Flint im Bundesstaat Michigan sagte Sanders, Biden habe schlechte Handelsabkommen unterstützt, die die USA "über vier Millionen gut bezahlte Jobs" gekostet hätten. Er hingegen habe "hinter den Gewerkschaften, den arbeitenden Familien dieses Landes" gestanden und daher im Kongress gegen die Handelsabkommen gestimmt, sagte Sanders. Anders als Biden habe er außerdem gegen den Irak-Krieg gestimmt und die Opposition gegen den 2003 gestarteten Militäreinsatz angeführt.

Sanders war bis zum "Super Tuesday" Favorit im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Der selbsternannte demokratische Sozialist verspricht die "politische Revolution", will eine gesetzliche Krankenversicherung für alle, eine Reichensteuer und strengere Regeln für die Wall Street.

Bei vielen Demokraten stößt das Nicht-Parteimitglied Sanders aber auf Ablehnung. Viele fürchten, dass der Senator aus Vermont mit seinen Positionen Wähler der Mitte vergraulen und bei der Präsidentschaftswahl gegen Trump untergehen würde.

Biden kann mit seiner großen politischen Erfahrung und seinen acht Jahren als Vizepräsident von Barack Obama punkten. Außerdem bietet der 77-Jährige mit seinen moderaten Positionen als Konsens-Kandidat an. Nach ihrem Ausstieg aus den Vorwahlen haben sich Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Michael Bloomberg hinter Biden gestellt.

Am Dienstag finden Vorwahlen in den Bundesstaaten Michigan, Missouri, Idaho, Mississippi, North Dakota und Washington statt. Auch die Abgeordnete Tulsi Gabbard aus Hawaii tritt an, gilt aber als chancenlos.