Lesung: Ein Venezianer in Nippes

Hanns-Josef Ortheil stellt seinen neuen Roman vor - Von einem rätselhaften...

Nippes. "Erinnerst du dich nicht an mich?" Als die Kunststudentin Mia abends nach Hause kommt, steht ein fremder Mann vor ihrer Tür und wartet auf sie. Zunächst erkennt Mia ihn nicht, doch dann fällt der Groschen: Während ihrer zwei Semester Austausch-Aufenthalt in Venedig hat sie ihn flüchtig kennengelernt. Matteo war der nette, ruhige Typ im Hintergrund. Nun besucht er sie überraschend, doch sie weiß nicht, wohin mit ihm - denn sie lebt in einer Nippeser WG mit zwei anderen jungen Frauen: der geerdeten Xenia, die ums Eck ein Café betreibt, und der belesenen Buchhändlerin Lisa. Doch Mia beschließt, den Gast aufzunehmen. Ausnahmsweise.

"Der Typ ist da", so heißt der neue Roman des in Nippes geborenen Autors Hanns-Josef Ortheil, der bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Auf Einladung der Buchhandlung Blücherstraße stellt er ihn mit Joachim Frank, Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeiger", vor rund 400 Gästen in der ausverkauften Kulturkirche an der Siebachstraße vor. Zum ersten Mal in seinen Werken, bemerkt Ortheil, sei sein Veedel als Ort der Handlung klar benannt, eine "scheckige, lebendige Welt", heißt es im Roman. "Meine Verbindung zu Nippes wird immer enger und intimer", so der Autor, der hier wieder eine Wohnung hat, ganz nahe bei seinem Elternhaus.

Mit den für die Lesung ausgewählten Abschnitten bringt Ortheil seinen Zuhörern die Hauptfiguren näher - und obwohl es die Premiere ist, ist der Vortrag so lebendig, dass Ortheil das Publikum spielend in seine Welt entführt, die hier gleich um die Ecke liegt.

Dabei ist der 22 Jahre alte Matteo, von Beruf Restaurator, schon sehr rätselhaft: Er hat kein Handy, er raucht und trinkt nicht, er steht frühmorgens auf und macht den Abwasch - was die WG-Bewohnerinnen durchaus zu schätzen wissen. Shoppen interessiert ihn gar nicht; mit Vorliebe zeichnet er, speziell eine Figur am Dreikönigenschrein im Dom. Der Sonderling bestimmt allmählich das Leben seiner drei Gastgeberinnen. Und natürlich knistert es zwischen ihnen. "Es sollte aber kein Miss-Germany-Wettbewerb werden. Ich wollte darstellen, wie sich die Menschen in Matteos Umgebung durch ihn verändern - und wie auch er sich durch sie verändert."

Zu Matteos Heimat Venedig hat auch Ortheil eine Beziehung. Er lebte selbst längere Zeit in der Lagunenstadt, die ihn ob ihrer Geschichte und Kultur fasziniert. "Wir haben alle unsere Venedig-Klischees im Kopf. Aber abseits des Sommers und der Touristenhorden ist es vor allem eine stille Stadt." Das machten die verwinkelten Gassen und der fehlende Autolärm. "Matteo ist Teil dieser Welt. Ein wenig aus der Zeit gefallen, lässt er sich nicht so richtig auf die Moderne ein", erläutert er.

Ob das denn auch für seinen Schöpfer gelte, fragt Moderator Frank. Ja, sagt Ortheil, ein Teil von Matteo stecke auch in ihm. So schreibt er nur mit Stift und Papier, sucht die Ruhe im mail- und handyfreien Westerwald, wo er sein Buch verfasste. "Wie es mit Matteo, Mia, Xenia und Lisa weitergeht, habe er zunächst selber nicht gewusst. "Ich hatte nur die Figuren - und schaute von Kapitel zu Kapitel, was sie machen."...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta