Lesen, Jogging und gemeinsame Zeit mit Freunden kann dieser Form von Demenz vorbeugen

Der Begriff „frontotemporale Demenz” beschreibt eine Reihe von Erkrankungen, bei denen es zu einer Schädigung der Frontallappen kommt. [Foto: Getty]

Aktuelle Forschungen lassen darauf schließen, dass Lesen, Joggen und das Verbringen von Zeit mit Freunden frontotemporaler Demenz (FD) vorbeugen können.

FD ist ein Oberbegriff für eine Reihe von Erkrankungen, bei denen es zu einer Schädigung der Frontallappen des Gehirns kommt. Diese befinden sich hinter der Stirn und sind laut Alzheimer’s Society für die Steuerung von Verhalten, Problemlösung, Emotionen und Sprache verantwortlich.

Bei etwa 40% der an FTD erkrankten Patienten kommt die Erkrankung in der Familie vor, da ihr Ausbruch in etwa der Hälfte der Fälle durch Genmutationen ausgelöst wird.

Ein Team der University of California, San Francisco, wollte untersuchen, ob der Lebensstil eine Rolle spielt und sah sich 105 Menschen an, die mit FTB in Zusammenhang stehenden Genmutationen in sich trugen.

Sie fanden dabei heraus, dass die Krankheit bei den aktivsten Teilnehmern ein bis zwei Jahre später um 55% langsamer verlief als bei den Teilnehmern, die eher wenig aktiv waren.

Diejenigen, die sich für „geistig fit” hielten, schnitten bei kognitiven Tests außerdem zweimal so gut ab.

„Es ist eine fürchterliche Krankheit, für die es keine guten Behandlungsmöglichkeiten gibt, aber unsere Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Menschen mit genetischer Veranlagung für FTD dennoch etwas tun können, um ihre Aussicht auf ein langes, produktives Leben zu verbessern“, sagt Dr. Katilin Casaletto, Autorin der Studie.

„Ihr Schicksal scheint also nicht in Stein gemeißelt zu sein.“

Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Sport und „geistige Fitness“ den Verlauf von Alzheimer aufhalten oder ihm sogar vorbeugen können. Allerdings ist noch unklar, welchen Einfluss der Lebensstil auf den Ausbruch von FTD haben kann.

In Großbritannien leben laut Statistiken der Alzheimer’s Society mindestens 16.000 Menschen mit FTD.

In den USA sind laut Vereinigung für Frontotemporale Degeneration zwischen 50.000 und 60.000 Menschen von der Krankheit betroffen.

„FTD kann sehr viele verschiedene Gesichter haben, selbst unter Menschen, deren Krankheit durch dieselben Genmutationen ausgelöst wird“, so Dr. Casaletto.

„Manche Menschen sind einfach widerstandsfähiger als andere. Die Gründe hierfür verstehen wir noch nicht.“

„Unsere Hypothese war, dass die Aktivitäten, die die Menschen an jedem Tag ihres Lebens ausüben, für die unterschiedlichen Krankheitsverläufe verantwortlich sind, die wir beobachten können – einschließlich dafür, wann die Krankheit ausbricht und wie sie sich entwickelt.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, sahen sich die Wissenschaftler Patienten an, die zwar ein genetisches Risiko haben, an FTD zu erkranken, aber keine oder nur sehr leichte Symptome der Erkrankung zeigen.

Von den Teilnehmern wurden MRT-Scans gemacht, um den Grad zu bestimmen, zu dem sich das Gehirn zurückgebildet hat. Dazu wurde außerdem ihre Gedächtnisleistung und ihr Denken getestet.

Sie berichteten außerdem von ihren täglichen körperlichen und kognitiven Aktivitäten wie Lesen oder Kontakte pflegen.

Nur ein oder zwei Jahre darauf, konnten die Wissenschaftler einen bemerkenswerten Unterschied in der Geschwindigkeit und Schwere von FTD zwischen den Teilnehmern, die körperlich und kognitiv am aktivsten und den Teilnehmern, die am wenigsten aktiv waren, sehen.

Die Angehörigen der Teilnehmer wurden zu ihrem Funktionieren im Alltag befragt, wie zum Beispiel zu ihrer Fähigkeit, sich selbst zu waschen oder ihre Finanzen zu regeln.

Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Alzheimer’s and Dementia veröffentlicht wurden, zeigten, dass die Krankheit bei den aktivsten 25% der Teilnehmer um 55% langsamer verlief als bei den am wenigsten aktiven 5%.

„Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis - besonders, weil man die Auswirkungen schon so frühzeitig beobachten kann“, so Dr. Casaletto.

„Wenn das ein Medikament wäre, würden wir es all unseren Patienten geben.“

Die Scans zeigten, dass die Lebensweise zwar keinen erwähnenswerten Einfluss auf das Absterben von Gehirngewebe hat, aber dennoch die Symptome aufhalten kann.

„Wir haben bei Leuten, bei denen die Krankheit noch sehr schwach ausgeprägt ist, in den ersten ein oder zwei Jahren bemerkenswerte Ergebnisse gesehen“, sagte Dr. Casaletto.

„Wenn diese Ergebnisse anhalten, können wir vielleicht sehen, dass ein aktiver Lebensstil bei den Betroffenen in den kommenden Jahren für einen veränderten Krankheitsverlauf sorgt.

Künftige Studien zielen darauf ab, den Grad der Aktivität zum Beispiel mit einer Fitbit-Smartwatch noch genauer zu bestimmen.

„Es kann sein, dass manche Teilnehmer deswegen einen weniger aktiven Lebensstil haben, weil sie an einer schlimmeren oder agressiveren Form von FTD erkrankt sind, was möglicherweise bereits ihre Fähigkeit, aktiv zu sein, beeinträchtigt“, mutmaßt Dr. Casaletto.

„Es sind weitere klinische Studien notwendig, die bei Menschen mit FTD-Mutationen den kognitiven und physischen Grad der Aktivität manipulieren, um zu beweisen, dass Änderungen der Lebensgewohnheiten den Verlauf der Krankheit verändern können.“

Die Wissenschaftler hoffen, dass sie so herausfinden können, wie genau Sport und geistige Fitness diese Art von Demenz aufhalten können.

„Ist dieser biologische Effekt etwas, das wir pharmazeutisch reproduzieren können, um den Verlauf der schrecklichen Krankheit bei den Betroffenen zu verlangsamen?“, fragt sich Dr. Casaletto.

Alexandra Thompson