Lesbos: Griechen überfordert mit Flüchtlingsansturm

Auf der griechischen Insel Lesbos sind die Menschen aus Protest gegen überfüllte Flüchtlingslager auf die Straße gegangen. Viele Geschäfte, Restaurants und Cafés blieben geschlossen. Mit der Maßnahme protestieren die Menschen auch gegen die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer. Am Abend versuchte Alexis Tsipras vor Ort, die Menschen zu beschwichtigen.

Demitris Karagiannis, Präsident der Landwirschaftskammer Lesbos kritisierte die Rede des griechischen Regierungsgschefs: "Wieso spricht Tsipras über Wachstum, wenn es ein immenses Migranten-Problem gibt? Die Tausenden Flüchtlinge und Einwanderer sind eine große Belastung für die lokalen Behörden. Wie können wir über Wachstum sprechen, wenn die türkischen Aggressionen von Tag zu Tag zunehmen?"

Lehrer Giannis, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte, fragt: "Wie ist es überhaupt zum Flüchtlingsproblem gekommen? Nur wenige Kilometer von Ostgriechenland entfernt tobt ein Krieg. Und diesen gibt es, weil Kapitalismus Krieg wie Luft zum Atmen braucht."

Zurzeit ist auf Lesbos mehr als jeder zehnte Mensch ein Flüchtling. In den vergangenen Tagen war es wiederholt zu Ausschreitungen zwischen Rechtsextremisten und Migranten sowie zwischen Migranten untereinander gekommen. Auch nach der Rede des Ministerpräsidenten gab es erneut Krawalle, so dass die Journalisten an ihrer Arbeit gehindert wurden.

Euronews-Reporter Panos Kitsikopoulos berichtet aus Mytilene: “Die hohe Beteiligung beim Streik und bei der Demonstration auf Lesbos sendet ein starkes Signal: Drei Jahre nach der Einwanderungswelle von 2015 brauchen die Menschen hier keine neuen Versprechen, sondern konkrete Taten, damit ihre Insel unterstützt wird."