Mit leichtem Minus ins Wochenende

Der Ausgang der Bundestagswahl wird an der Börse genau verfolgt. Nach anfänglichen Verlusten dreht der Deutsche Aktienindex ins Plus. Als mögliche Verlierer der Wahl sehen Marktteilnehmer die Versorger RWE und Eon.


Die Anleger haben am Freitag ein Dax-Plus verteidigt – vergeblich. In einem schwierigen Handel kletterte der Dax im Laufe des Mittags zwar aus seinem Minus, doch mit Wall Street-Auftakt gaben die Kurse wieder nach. Der Deutsche Aktienindex schloss am Ende bei 12.592 Punkten – und notierte damit keine zwei Hände voll tiefer als am Vortag Die 12.600-Zähler-Marke musste der Frankfurter Platzhirsch abgeben. Der paneuropäische Euro-Stoxx-50 kam mit 3541 Stellen nicht wirklich vom Fleck, zeigt sich minimal fester.

Auf Wochensicht kommt der Dax damit auf ein Plus von 0,6 Prozent. Solide Signale von der Konjunkturfront konnten die Stimmung vor dem Wochenende leicht heben. Doch die weiter schwelende Korea-Krise lässt dem Parkett wenig Spielraum.


Die Krisenwährung Gold verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1295,12 Dollar, nachdem die verbale Eskalation zwischen der US-Regierung und dem Regime Nordkoreas neue Höhen erreichte: Beide Staatsführer wurden persönlich. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bezeichnete US-Präsident Donald Trump nach dessen „Raketenmann auf Suizid-Mission“-Rede vor der UN-Vollversammlung als „geistesgestörten Greis“ und drohte mit einer Vergeltung. Pjöngjang ließ verkünden, dass man vorhabe eine Wasserstoffbombe im Pazifik zu testen.

„Zunächst sah man die Nordkorea-Krise nur als einen Krieg der Worte, aber die Spannungen nehmen von Woche zu Woche zu“, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader. Der Dollar-Index, der den Wert der US-Devise zu anderen Währungen misst, rutschte um ein halbes Prozent ab. Inzwischen könnte man meinen, der Konflikt gehöre zum Hintergrundrauschen im Finanzgeschehen, was etwa die positive Gesamtentwicklung des Dax in den vergangenen Tagen nahelegt. Doch abgehakt ist die Krise deswegen noch lange nicht.

Zum Wochenausklang zogen die Aktienkurse in Europa leicht an. „Vielleicht sehen wir eine Wiederholung des Musters der vergangenen beiden Wochen – Kaufzurückhaltung vor dem Wochenende und dann ein Kurssprung zu Wochenbeginn, wenn alles gut gegangen ist“, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets.


Der Euro zog im Gegenzug um 0,2 Prozent an auf 1,1964 Dollar an. Ihm halfen auch besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus Deutschland und der Euro-Zone. Die Stimmung am Aktienmarkt drückte zusätzlich der starke Euro, denn europäische Waren werden dadurch im Welthandel teurer und die Unternehmen weniger wettbewerbsfähig.

Mit Spannung blickten Investoren auch auf die Wahlen in Deutschland am Sonntag. „Ein stärkerer Einbruch der SPD, der eine große Koalition verhindert und ein sehr starkes Abschneiden der AfD sind die zwei Risiken“, sagte Stanzl. Die SPD fiel in Umfragen zuletzt in der Wählergunst zurück, die AfD könnte als drittstärkste Partei in den Bundestag einziehen.


Air-Berlin hebt ab


Gesprächsthema in den Handelssälen der Banken und Broker war die bevorstehende Zerschlagung von Air Berlin. Insidern zufolge soll die Rivalin Lufthansa den Löwenanteil der insolventen Fluggesellschaft übernehmen. Weitere Teile gingen an den britischen Billigflieger EasyJet und eventuell an die Thomas Cook-Tochter Condor. Air-Berlin-Aktien schossen zeitweise um 23 Prozent in die Höhe, Lufthansa gehörten mit einem Kursplus von 1,1 Prozent zu den größten Gewinnern im Dax. Easyjet rückten um 1,2 Prozent vor, Thomas Cook um 0,2 Prozent.


An der Börse in Paris deckten sich Anleger mit Aktien des Kosmetikkonzerns L'Oreal ein, sie stiegen um 3,6 Prozent. Der Tod der L'Oreal-Erbin Liliane Bettencourt sorgte für Mutmaßungen, dass einer der beiden Großaktionäre seinen Anteil aufstockt. Bettencourts Familie hält ein Drittel, der Schweizer Lebensmittelriese Nestle rangiert mit 23 Prozent dahinter. Denkbar seien ein Rückkauf durch die Gründerfamilie oder eine Komplettübernahme des französischen Konzerns durch die Schweizer Firma, erklärten Analysten der Investmentbank Jefferies. Dem Pariser Leitindex CAC40 hievte der L'Oreal-Kurssprung auf ein Drei-Monats-Hoch von 5278 Punkte. Nestle legten in Zürich 0,7 Prozent zu.


An der Wall Street hatten die US-Indizes nach Börsenschluss in Deutschland ihre Verluste ausgebaut. Der Dow Jones beendete die Sitzung 0,2 Prozent tiefer bei 22.359 Punkten, während der Nasdaq 0,5 Prozent verlor. Der S&P500 fiel um 0,3 Prozent auf 2500 Zähler.

In Tokio gab der Nikkei-Index am Freitag wegen um 0,3 Prozent auf 20.291 Zähler nach. Der chinesische Shanghai Composite fiel um 0,4 Prozent auf 3345 Punkte.

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KONTEXT

Welche politische Risiken Anlegern 2017 noch drohen

Mueller-Ermittlungen

Die andauernden Untersuchungen des US-Sonderermittlers Robert Mueller stellen eine latente Bedrohung für die Aktienmärkte dar. Seit dem 17. Mai geht der frühere FBI-Direktor möglichen Verbindungen von US-Präsident Donald Trump zu russischen Regierungskreisen nach. Über den momentanen Stand der Ermittlungen lässt sich nur mutmaßen - Mueller gibt keine öffentlichen Stellungnahmen ab.

Quelle: Die japanische Bank Nomura hat die politischen Risiken für die Märkte in den kommenden Monaten erfasst.

politischen Risiken für die Märkte

Bundestagswahl

Auch wenn ein Kanzlerwechsel hierzulande derzeit unwahrscheinlich erscheint: Die Bundestagswahl am 24. September wird an den Börsen genau beobachtet werden. Denn eine Veränderung der bestehenden Regierungskoalition sowie das Erstarken populistischer Kräfte könnte auf Anlegerseite ebenso zu Unsicherheiten führen.

EZB-Sitzungen

Tagt der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), spitzen alle Börsianer ihre Ohren. Was EZB-Chef Mario Draghi bei der obligatorischen Pressekonferenz verkündet, hat mitunter gravierende Auswirkungen auf den Kursverlauf. Derzeit steigt der Druck auf die Notenbanker ihre ultralockere Geldpolitik - ob der guten Wirtschaftslage - zu beenden. Konkrete Ankündigungen werden im Herbst erwartet, nachdem Draghi Anleger auf der Sitzung Anfang September erneut vertröstet hatte.

BoE Inflation Report

Im Zuge der Brexit-Verhandlungen kommt den Berichten der Bank of England (BoE) besondere Bedeutung zu. Der nächste vierteljährliche Inflationsreport der britischen Zentralbank erscheint am 2. November. Laut dem Finanzinstitut würden die Auswirkungen des Brexit für britische Bürger schon jetzt durch steigende Lebensmittelpreise spürbar. Zuletzt hatte die Bank die Aussicht auf Wirtschafts- und Einkommenswachstum zurückgeschraubt und die Inflationsprognose auf 2,7 Prozent erhöht.

OPEC-Sitzung

Am 30. November findet die nächste Tagung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) statt - ein Schicksalstag für alle Anleger. Zuletzt hatte die OPEC eine gemeinsame Produktionskürzung beschlossen, um den Ölpreis zu stabilisieren und eine Übersättigung zu verhindern. Die Vereinbarung - mit einer Laufzeit bis Ende März 2018 - wurde jedoch nicht von allen Ländern eingehalten.

Fed-Spitze

Die erste Amtszeit der derzeitigen Fed-Chefin Janet Yellen endet im Februar 2018. Ob US-Präsident Donald Trump ihr eine zweite zugesteht, ist ungewiss. Lange Zeit galt Trump als harscher Kritiker von Yellens Niedrigzinspolitik. Neben Yellen wird der Ex-Vizechef von Goldman Sachs, Gary Cohn, als aussichtsreicher Kandidat für den Fed-Chefposten gehandelt.