Dax verliert dank starkem Euro

Die größte US-Steuerreform seit den 80er Jahren ließ den DAX zur Wochenmitte kalt, sie gilt als eingepreist. Er verlor über ein Prozent. Das rege Online-Geschäft vor Weihnachten stärkte jedoch Paketzusteller-Aktien.


Die größte US-Steuerreform seit den 1980er Jahren weckt bei europäischen Anlegern gemischte Gefühle. Weil ihnen zudem die anhaltende Euro-Stärke Kopfschmerzen bereitete, gingen einige von ihnen am Mittwoch auf Nummer sicher und machten Kasse. Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils etwa ein Prozent auf zuletzt 13.081 beziehungsweise 3550 Punkte. Der Euro stieg zeitweise auf ein Drei-Wochen-Hoch von 1,1901 Dollar und schmälerte damit die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Firmen auf dem Weltmarkt. Der US-Standardwerteindex Dow Jones markierte dagegen mit 24.852,44 Zählern erneut einen Rekord.

„Welche Auswirkungen die US-Steuerreform auf die deutsche Wirtschaft haben wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer abzuschätzen“, sagte Dennis Etzel, Berater beim Vermögensverwalter NFS. „Einerseits ist das protektionistische Element der Reform nicht von der Hand zu weisen. Andererseits kann aber gerade die exportorientierte deutsche Wirtschaft indirekt von sinkenden Unternehmenssteuern in den USA profitieren.“ Der US-Senat winkte die Steuersenkungen - eines der zentralen Wahlkampf-Versprechen des US-Präsidenten Donald Trump - bereits durch. Das Repräsentantenhaus musste wegen eines Verfahrensfehlers ein zweites Mal abstimmen. Dieses Votum wurde noch für Mittwoch erwartet.


Abwärts ging es für Bitcoin. An der Börse Bitstamp rutschte der Kurs zeitweise um gut zehn Prozent auf 15.818,65 Dollar ab. Damit summiert sich das Minus der vergangenen Tage auf etwa 20 Prozent. „Auslöser der Korrektur war die Einführung von Bitcoin Cash auf der größten Krypto-Börse Coinbase“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Bitcoin Cash ist zwar noch weit davon entfernt, den originalen Bitcoin zu ersetzen, wird aber zunehmend zur ernsten Konkurrenz.“ Ein Vorteil des Ablegers sei die schnellere Verarbeitung von Geld-Transfers.

Innogy-Chef muss gehen - Stada-Aktien erreichen Rekord

Am deutschen Aktienmarkt sorgte der überraschende Abgang des Innogy-Chefs für Aufsehen. Eine Woche nach einer Gewinnwarnung gab Peter Terium sein Amt mit sofortiger Wirkung auf. Die Aktien des Ökostrom-Anbieters und die Titel des Mutterkonzerns RWE stiegen zunächst um jeweils mehr als drei Prozent. Die anfängliche Freude verpuffte allerdings schnell. Innogy schlossen ein Prozent im Minus und RWE büßten 0,7 Prozent ein.

Die Aktien von Stada stiegen dagegen in der Spitze um zehn Prozent auf ein Rekordhoch von 89,50 Euro, nachdem sich das Pharmaunternehmen mit den neuen Eignern auf einen Gewinnabführungsvertrag geeinigt hatte. „Die garantierte Dividende war eine positive Überraschung“, sagte ein Börsianer. „Daraus ergibt sich eine im aktuellen Umfeld hochattraktive Dividendenrendite.“ Stada-Titel verabschiedeten sich mit 88,10 Euro in den Feierabend.


Dank starker Zahlen des US-Rivalen FedEx griffen Anleger auch bei europäischen Paketzustellern zu. Die Titel der Deutschen Post markierten mit 41,36 Euro zeitweise sogar ein 17-Jahres-Hoch, gaben die Kursgewinne im Sog des fallenden Gesamtmarktes aber wieder ab und schlossen kaum verändert bei 40,79 Euro. Getrieben von einem florierenden Online-Handel steigerte FedEx den Quartalsgewinn überraschend stark auf 775 Millionen Dollar und hob seine Geschäftsziele für 2018 an. Die Aktien des US-Paketdienstes stiegen daraufhin auf ein Rekordhoch von 252,05 Dollar. Die Titel des Erzrivalen UPS gewannen bis zu 1,4 Prozent.

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KONTEXT

Januar-Performance

Viele Anleger glauben, der Januar sei der Börsenmonat mit der höchsten durchschnittlichen Performance. Weit gefehlt. Mit plus 0,78 Prozent ist das ein durchschnittlicher Monat, der im Vergleich zu den anderen elf nur auf Rang fünf liegt. Für die Berechnungen seit dem Jahr 1959 hat die Baader Bank den Dax seit Juni und die Vorläuferindizes der Börsenzeitung (1981 bis 1988) und den Hardy-Index (1959 bis 1981) genommen.

Februar-Performance

Bereits im zweiten Monat des Jahres halbiert sich im Vergleich zum Januar die durchschnittliche Performance und beträgt nur noch 0,33 Prozent. Das bedeutet Rang acht.

März-Performance

Wer hätte das gedacht? Der März ist der beste Börsenmonat. Durchschnittlich sind die Kurse um 1,54 Prozent gestiegen - deutlich höher als in den Monaten November und Dezember, in denen die meist lukrative Jahresendrally stattfindet.

April-Performance

Doch nur einen Monat später halbiert sich das Plus auf 0,76 Prozent - Platz sechs in der Statistik für den Monat April.

Mai-Performance

"Sell in May and go away" lautet das bekannte Börsensprichwort und bei der durchschnittlichen. Vom Jahresanfang betrachtet ist der Mai der erste Monat mit einem negativen Entwicklung- Die beträgt minus 0,12 Prozent und damit Rang neun.

Juni

Und in den folgenden Monaten geht es weiter runter: Im Juni sinkt die durchschnittliche Performance auf minus 0,27 Prozent und damit auf den neunten Platz der Börsenmonate.

Juli-Performance

Ein kurzes Comeback zeigt der Juli, die durchschnittliche Performance seit 1959 ist mit plus 0,79 Prozent wieder positiv und hieven den Zeitraum auf den vierten Platz.

August-Performance

Doch bereits im August geht es wieder abwärts mit minus 0,33 Prozent und damit der vorletzte Rang in der Börsenstatistik.

September-Performance

"Für Börsenspekulanten ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Januar, März, April, Mai, Juni und Juli, bis Dezember", sagte einst der Schriftsteller Mark Twain. Doch, zumindest im Durchschnitt gesehen, ist nur der Monat September gefährlich. Mit 1,86 Prozent übertrifft das Minus alle anderen Monate mit deutlichem Abstand, der September ist Schlusslicht.

Oktober-Performance

"Ein Crash-Monat Oktober mag zwar dramaturgisch reizvoll sein. Und sicher hat es üble Exemplare dieses Monats an den Aktienmärkten gegeben, z.B. 1987 oder 2008. Außerdem hat sich seit Jahresbeginn u.a. im DAX ein ordentlicher Kurspuffer angehäuft, der zu Gewinnmitnahmen einlädt", meint Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Doch gegenüber dem September muss der Oktober nicht gefürchtet werden. Historisch betrachtet verzeichnete der Dax in diesem Monat sogar ein Plus von 0,75 Prozent.

November-Performance

Und nun zur Jahresendrally: Der beste Monat ist dafür der November mit einer durchschnittlichen Performance plus 1,35 Prozent. Damit ist dieser Monat der zweitbeste hinter dem März.

Dezember-Performance

Gegenüber dem Monat November fällt der Dezember etwas zurück. Das durchschnittliche Plus beträgt 1,13 Prozent und damit Rang drei der Börsenstatistik.

KONTEXT

1. Juli 1988

Der Dax feiert seinen Einstand. Rechnerisch startet er allerdings am 30. Dezember 1987 bei einem Stand von 1.000 Punkten.

16. Oktober 1989

Der erste schwarze Tag für den Dax: Er bricht im Sog der Wall Street um rund 13 Prozent ein.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt stark zu.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für "Exchange Electronic Trading" - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an.

7. März 2000

Befeuert von der Euphorie über die Entstehung des Internets erreicht der Dax ein Hoch von 8136,16 Punkten, das sieben Jahre lang hält.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA (World Trade Center und Pentagon) fällt der Dax um neun Prozent.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so niedrig wie im November 1995. Doch mit der Erholung der Weltwirtschaft wächst das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

13. Juli 2007

Mit 8151,57 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein - trotz erster Bankenpleiten und Not-Eingriffen der Europäische Zentralbank (EZB) am Geldmarkt.

15. September 2008

Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kehrt Ernüchterung ein. Im Oktober 2008 folgt ein schwarzer Tag auf den anderen. Zum September-Schluss verliert der Dax in der Spitze zeitweise 30 Prozent.