Dieser Leitfaden erklärt die fünf Stadien von Brustkrebs – und wie ihr jedes erkennt

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Brustkrebs wird in fünf Stadien eingeteilt, die von 0 (null) bis IV (vier) reichen. Im Allgemeinen ist Stadium 0 das am wenigsten bedrohliche. Unter Stadium IV verstehen Mediziner den schwersten Grad – dann ist der Krebs bereits gewachsen und hat sich ausgebreitet.

Laut der Deutschen Krebshilfe, die sich auf Schätzungen des Robert-Koch-Instituts bezieht, erkranken jährlich 69.700 Frauen an Brustkrebs. Glücklicherweise wird Brustkrebs häufig bereits im Stadium I diagnostiziert. Das liege daran, dass Mammografien und andere bildgebende Verfahren den Krebs nachweisen, bevor die Frauen überhaupt wüssten, dass sie etwas haben, sagt Norah Lynn Henry, Leiterin der Brustonkologie am Rogel Cancer Center der University of Michigan. Es gebe allerdings Länder, in denen diese Art von Technologie wenig verbreitet ist und in denen Brustkrebs deshalb erst in einem höheren Stadium diagnostiziert werde.

Warum wird Brustkrebs in Stadien eingeteilt?

Die Stadien dienen zur Steuerung der Therapie, sagt Yolanda Bryce, Radiologin am Memorial Sloan Kettering Cancer Center. Sie würden Onkologen helfen, ihren Patienten die Art und den Schweregrad ihrer Krebserkrankung zu vermitteln und die Behandlung besser zu verstehen, sagt Henry.

In den verschiedenen Stadien sind die Überlebenschancen unterschiedlich hoch. Es sei aber wichtig, sich nicht zu sehr auf Zahlen aus Statistiken zu versteifen, sagt Bryce. Denn die Situation sei von Person zu Person unterschiedlich. Es gebe so viele Innovationen und Fortschritte auf diesem Gebiet, dass sich der klinische Status eines Patienten nicht unbedingt mit statistischen Werten decken muss.

Wie schnell Brustkrebs von einem Stadium ins nächste übergeht, ist je nach Patient sehr unterschiedlich. Bei manchen Krebsarten dauere es nur ein paar Monate, bis sie das nächste Stadium erreichten, bei anderen könne es Jahre dauern, sagt Bryce.

Im Folgenden findet ihr einen Leitfaden zu den verschiedenen Stadien von Brustkrebs und was jedes Stadium für euch bedeuten kann.

Brustkrebs im Stadium 0

Stadium 0 ist das früheste Stadium von Brustkrebs, auch duktales Karzinom in situ (DCIS) genannt. Dabei handelt es sich um Krebs, der sich im Milchgang befindet, sich aber noch nicht über die Gänge oder Läppchen hinaus in das umliegende Brustgewebe ausgebreitet hat.

Man könne sich dieses Stadium wie kleine Krebsflecken vorstellen, die sich noch nicht zu einem Tumor entwickelt haben, erklärt Bryce. Im Stadium 0 hätten Betroffene in der Regel noch keine Symptome, man könne noch keine Masse sehen oder fühlen.

Im Stadium 0 liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate, das heißt der Prozentsatz der Menschen, die mindestens fünf Jahre nach der Entdeckung des Krebses noch leben, bei 100 Prozent.

Brustkrebs im Stadium I

Im Stadium I haben sich die Krebszellen auf das umliegende Brustgewebe ausgebreitet, sind aber noch auf einen kleinen Bereich begrenzt. Das Stadium I wird in die Stadien IA und IB unterteilt.

Stadium IA:

  • Der Tumor ist bis zu 20 Millimeter (mm) groß.

  • Der Krebs hat sich nicht auf die Lymphknoten ausgebreitet.

Im Stadium IB

  • Kein Tumor oder ein kleiner Tumor (weniger als 20 mm) befindet sich in der Brust.

  • In den Lymphknoten befinden sich kleine Ansammlungen von Krebszellen.

Viele Menschen mit Krebs im Stadium I haben keine Symptome, aber einige Frauen würden bereits einen Knoten spüren, sagt Henry. "Bei den meisten Frauen wird der Krebs in diesem Stadium bei einer Mammografie entdeckt." Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt im Stadium I bei 98 bis 100 Prozent. Das unterstreiche die Bedeutsamkeit von Mammografien, sagt Bryce.

Doch leider nimmt eine beträchtliche Anzahl von Frauen die Vorsorgeuntersuchung nicht in Anspruch. Zwar erhalten in Deutschland alle zwei Jahre Frauen zwischen 50 und 69 eine Einladung zur Mammografie, doch gehen immer weniger Frauen tatsächlich hin. In einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" schreiben die Autoren, dass inzwischen nur noch knapp die Hälfe aller eingeladenen Frauen ihren Termin auch wahrnehme.

Brustkrebs im Stadium II

Bei Brustkrebs im Stadium II hat sich der Krebs vergrößert, befindet sich aber noch in einer begrenzten Region der Brust. Wie das Stadium I wird auch das Stadium II in zwei Unterstadien eingeteilt:

Stadium IIA beinhaltet eine der folgenden Bedingungen:

  • Es gibt keinen Tumor oder einen kleinen Tumor (bis zu 20 mm) in der Brust, und der Krebs hat sich auf die Lymphknoten unter dem Arm ausgebreitet.

  • Oder es liegt ein 20 bis 50 mm großer Tumor in der Brust vor, aber der Krebs hat sich nicht auf die Lymphknoten ausgebreitet.

Stadium IIB beinhaltet eine der folgenden Bedingungen:

  • In der Brust befindet sich ein Tumor von 20 bis 50 mm, und der Krebs hat sich auf einen bis drei nahe gelegene Lymphknoten ausgebreitet.

  • Oder der Tumor ist größer als 50 mm, aber der Krebs hat sich nicht auf einen Lymphknoten ausgebreitet.

Frauen mit Brustkrebs im Stadium II würden oft einen Knoten in der Brust – und wenn sich dieser bereits in die Lymphknoten ausgebreitet hat, gegebenenfalls einen Knoten unter dem Arm spüren, erklärt Henry. Das muss aber nicht sein. Es könne auch passieren, dass sie gar nichts spüren.

Andere mögliche Symptome sind:

  • Verdickung oder Anschwellen eines Teils der Brust

  • Gereizte, gewellte, rote oder schuppige Haut an der Brust

  • Einziehen oder Umstülpen der Brustwarze

  • Ausfluss aus der Brustwarze, der keine Muttermilch ist, manchmal blutig

  • Veränderungen in der Größe oder Form der Brust

  • Schmerzen in der Brust

Obwohl Schmerzen ein Symptom sein können, würden viele Frauen diesen nicht verspüren, sagt Bryce. Die Fünfjahresüberlebensrate für Stadium II liegt bei 90 bis 99 Prozent.

Brustkrebs im Stadium III

Im Stadium III hat sich der Krebs weiter in der Brust ausgebreitet, oder der Tumor ist größer. Dieses Stadium umfasst drei Unterkategorien:

Stadium IIIA beinhaltet eines der folgenden Merkmale:

  • Der Krebs wird in vier bis neun nahe gelegenen Lymphknoten gefunden, mit oder ohne Tumor in der Brust.

  • Ein Brusttumor ist größer als 50 mm und der Krebs hat sich auf einen bis drei nahe gelegene Lymphknoten ausgebreitet.

Im Stadium IIIB hat sich der Tumor auf die Brustwand hinter der Brust ausgebreitet und:

  • Der Krebs kann sich auf die Haut ausgebreitet haben und Schwellungen oder Entzündungen verursachen.

  • Der Krebs kann die Haut durchbrochen und eine Wunde verursacht haben.

  • Der Krebs kann sich auf bis zu neun Lymphknoten unter dem Arm oder Knoten in der Nähe des Brustbeins ausgebreitet haben.

Im Stadium IIIC, mit oder ohne Tumor in der Brust, hat sich der Krebs an einer der folgenden Stellen ausgebreitet:

  • Zehn oder mehr Unterarmlymphknoten

  • Lymphknoten in der Nähe des Schlüsselbeins

  • einige Achsellymphknoten und Lymphknoten in der Nähe des Brustbeins

  • Die Haut der Brust

Im Stadium III können ähnliche Symptome auftreten wie im oben genannten Stadium II. Die Fünfjahresüberlebensrate für Brustkrebs im Stadium III liegt bei 66 bis 98 Prozent.

Wichtig: Bei den Stadien 0 bis III bestehe das Ziel darin, den Krebs zu heilen und zu verhindern, dass dieser wieder auftritt, sagt Henry. "Je höher das Stadium, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Krebs zurückkehrt."

Brustkrebs im Stadium IV

Stadium IV, auch metastasierend genannt, ist das am weitesten fortgeschrittene Stadium von Brustkrebs. In diesem Stadium hat sich der Krebs auf nahe gelegene Lymphknoten und andere Teile des Körpers wie Lunge, Leber, Gehirn oder Knochen ausgebreitet.

Sobald sich der Krebs auf die Knochen ausgebreitet hat, können die Patientinnen Knochen- oder Rückenschmerzen haben, erklärt Bryce. Wenn er sich auf die Leber ausgebreitet hat, können Patienten dagegen Schmerzen auf der rechten Seite des Bauches verspüren. Einige der oben unter Stadium II aufgeführten Veränderungen an Haut und Brustwarze können auch im Stadium IV auftreten.

Wenn sich der Krebs auf andere, weit entfernte Teile des Körpers ausgebreitet hat, liegt die Fünfjahresüberlebensrate bei 28 Prozent. "Mit den Behandlungsmöglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, können die meisten Patientinnen in diesem Stadium leider nicht von ihrem Krebs geheilt werden", sagt Henry und fügt aber noch hinzu: "Wir können immer noch behandeln, wir können immer noch etwas tun, wir können den Menschen helfen, sich so lange wie möglich wohl zu fühlen."

Außerdem gibt es viele neue Behandlungsmöglichkeiten. "Die Menschen leben länger, selbst wenn sie sich im Stadium IV befinden", sagt Bryce. Eine Studie aus dem Jahr 2018 hat ergeben, dass die Wirksamkeit der Brustkrebsbehandlung in Bezug auf die Überlebenszeit von 1975 bis 2015 erheblich gestiegen ist.

Weitere Informationen zur Stadieneinteilung

Neben den numerischen Stadien wird Brustkrebs auch anhand des TNM-Systems des American Joint Committee on Cancer klassifiziert, das Folgendes berücksichtigt:

  • Die Größe des Tumors (T),

  • die Ausbreitung auf nahe gelegene Lymphknoten (N),

  • Ausbreitung oder Metastasierung in entfernte Bereiche (M),

  • Status des Östrogenrezeptors (ER),

  • Progesteronrezeptor (PR)-Status,

  • Status des sogenannten Her2-Proteins (Her2),

  • der Grad des Krebses (G), oder wie sehr die Zellen normalen Zellen ähneln

"Der Grad des Brustkrebses wird danach bestimmt, wie aggressiv er unter dem Mikroskop aussieht", sagt Henry. Dem Grad wird außerdem eine Zahl zugeordnet, wobei eins die geringste und drei die höchste Aggressivität bedeutet. Da es sich sowohl beim Stadium als auch beim Grad um ein numerisches System handelt, würden die Patientinnen beide manchmal verwechseln, sagt sie.

Unser Fazit

Brustkrebs wird in fünf verschiedene Stadien eingeteilt, unter anderem, um die Kommunikation zwischen Ärzten und Patientinnen zu erleichtern und Betroffenen zu helfen, ihre Krankheit zu verstehen. "In den häufigsten Fällen spüren Patientinnen überhaupt nichts. Deshalb ist es wichtig, zu betonen, wie notwendig eine regelmäßige Mammografie ist", sagt Bryce.

Wenn bei euch Brustkrebs diagnostiziert wurde, solltet ihr euch nicht scheuen, eurem Onkologen Fragen zu stellen, empfiehlt Henry. Es komme immer wieder vor, dass Patientinnen die Risiken und Vorteile einer Behandlung nicht vollständig verstehen, vor allem wenn sie sich "in der stressigen und überwältigenden Situation der ersten Krebsdiagnose" befänden, sagt sie.

Als weitere Informationsquellen zu Brustkrebs empfiehlt Henry die Website cancer.net der American Society of Clinical Oncology und die Brustkrebs-Website von Susan G. Komen. Deutsche Alternativen sind die Deutsche Krebshilfe und die Webseite des Brustkrebs Deutschland e.V.s.

Dieser Artikel wurde von Mascha Wolf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original findet ihr hier.

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