Leiterin von Moskauer Jugendtheater wegen Betrugs unter Hausarrest gestellt

Die russische Justiz hat am Freitag im Zuge der Ermittlungen gegen den Regisseur Kirill Serebrennikow Hausarrest gegen die Leiterin eines Moskauer Theaters angeordnet. Sofia Apfelbaum, Direktorin des Akademischen Jugendtheaters (RAMT), wird beschuldigt, Serebrennikows Kollektiv dabei geholfen zu haben, zwischen 2011 und 2014 staatliche Fördergelder in Höhe von umgerechnet rund einer Million Euro zu veruntreuen.

Der Ermittlungskommission zufolge wird Apfelbaum zur Last gelegt, mittels eines Systems überhöhter Kostenvoranschläge und Rechnungen "Betrug im großen Maßstab" begangen zu haben, als sie beim Kulturministerium arbeitete. Apfelbaum sagte dem Gericht, sie habe die Finanzen des Kollektivs kontrolliert, sich aber nichts zuschulden kommen lassen.

Ein Moskauer Gericht hatte vor einer Woche beschlossen, den Hausarrest für Serebrennikow bis Januar 2018 zu verlängern. Der international bekannte Theater- und Filmregisseur war im August in St. Petersburg festgenommen worden, wo er sich für Dreharbeiten aufhielt. Serebrennikow bezeichnet die Unterschlagungsvorwürfe als "absurd".

Die Festnahme des Leiters des Moskauer Gogol-Theaters, der mehrmals am berühmten Bolschoi inszenierte, schockierte die russische Kulturwelt und löste auch im Ausland Proteste aus. Der Regisseur stellte sich nicht offen gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er kritisierte aber mehrmals den wachsenden Druck auf Künstler, die gegen konservative Vorgaben verstießen. Mit seinen Inszenierungen, die sich mit Politik, Religion oder Sexualität befassen, wurde Srebrennikow zur Zielscheibe von Behörden und orthodoxer Geistlichkeit.