Boateng schimpft nach Leipzigs Zittersieg

Ein aberkanntes Tor erregte nach der Eintracht-Niederlage bei RB Leipzig die Gemüter

Kevin-Prince Boateng hatte unmittelbar nach dem Abpfiff Klärungsbedarf.

Nach der 1:2 (0:1)-Niederlage bei RB Leipzig suchte der Mittelfeldmann von Eintracht Frankfurt sofort das Gespräch mit Schiedsrichter Benjamin Brand.

Thema war eine Szene in der 65. Minute beim Stand von 0:1: Ante Rebic traf nach einer Ecke per Kopf zum vermeintlichen Ausgleich. Doch Referee Brand verweigerte dem Treffer zum Ärger der Hessen die Anerkennung, da der Eckball zuvor die Torauslinie überschritten haben soll. (Spieltag und Spielplan)

"Er hat gesagt, so wie es aussah, war der Ball im Aus", erläuterte Boateng das Ergebnis seines Dialogs mit Brand bei Sky. "Wir haben für alles einen Videobeweis. Wenn wir ein Tor schießen, gibt es keinen Videobeweis. Entweder nutzen wir ihn oder nicht. Es kann ja nicht sein, dass er eine Woche funktioniert und in der anderen nicht." Da Schiedsrichter Brand die Partie allerdings schon vorher unterbrochen hatte, durfte der Video-Assistent ohnehin nicht eingreifen.

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Chandler: Linienrichter ein Superheld

Sein Frankfurter Teamkollege Timothy Chandler ergänzte: "Wenn der Linienrichter das so sieht, ist er für mich ein Superheld und muss in Hollywood in irgendeinem Film mitspielen. So schnell kann man das wirklich nicht sehen." Auch die TV-Bilder lieferten keine endgültige Klarheit.

Der Defensivmann schlug aber auch versöhnliche Töne an. "Es war eine Schiedsrichterentscheidung, die für unser Empfinden vielleicht nicht so korrekt war. Aber das gehört zum Fußball dazu", räumte Chandler ein.


Zuvor hatte Jean-Kevin Augustin die anfangs spielbestimmenden Hausherren in Führung gebracht (28.). Unmittelbar nach der Aufregung um das aberkannte Frankfurter Tor sorgte Nationalspieler Timo Werner mit seinem fünften Saisontor (67.) vermeintlich für die Entscheidung - ehe der Ex-Leipziger Rebic (77.) doch noch für eine spannende Schlussphase sorgte. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Leipzig atmet auf

Während die Eintracht die erste Auswärtsniederlage der Saison hinnehmen musste, beendete das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl ihre Durststrecke von zuletzt zwei sieglosen Ligaspielen.

"Es ist alles noch nicht so locker wie in der letzten Saison. Trotzdem haben wir eine super Mannschaft und uns am Ende auch die Tore herausgespielt und den Sieg erzwungen", sagte Torschütze Werner.


RB schloss damit eine bis dato unglückliche Englische Woche versöhnlich ab und kann sich nun auf die nächste Aufgabe in der Champions League bei Besiktas am Dienstag (20.45 Uhr im LIVETICKER) konzentrieren. "Zehn Punkte aus sechs Spielen sind etwas, das ich auch vor der Saison hätte unterschreiben können. Jetzt konzentrieren wir uns auf Istanbul", sagte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. (Die Tabelle der Bundesliga)

Hasenhüttl rotiert zurück

Nach zuletzt sieben Pflichtspiele in den letzten 37 Tagen reagierte RB-Coach Hasenhüttl bei seiner Aufstellung gegen Frankfurt mit gleich sechs Wechseln im Vergleich zur 0:1-Niederlage in Augsburg.


Von Schonung der Stars für die Königsklasse aber keine Spur. Nur 20-Millionen-Neuzugang Kevin Kampl rutschte aufgrund einer Sprunggelenksblessur aus dem Kader, der noch rotgesperrte Spielmacher Naby Keita nahm ebenfalls auf der Tribüne Platz. 

Werner sorgt für ersten Aufreger

Erst nach und nach arbeitete sich RB in den Strafraum der Eintracht vor, wo Werner für den ersten Aufreger sorgte.

Nach einem vermeintlichen Foul von Frankfurts Gelson Fernandes (13.) ging der 21-Jährige zu Boden, Schiedsrichter Benjamin Brand verzichtete auf einen Pfiff - zu Unrecht, denn Fernandes hatte Werner am Fuß getroffen. Leipzig ließ sich dadurch jedoch nicht aus dem Konzept bringen und schnürte Frankfurt weiter ein. Die beste Chance im ersten Durchgang vergab Werner. Frei vor Eintracht-Keeper Lukas Hradecky säbelte er nach 22 Minuten aus rund zwölf Metern über den Ball.

Leipzig rettet Sieg über die Zeit

Nachdem Augustin einen abgewehrten Werner-Schuss lässig zum 1:0 eingeschoben hatte, nahmen sich die Leipziger zurück und sparten Kraft. Gewiss war die Istanbul-Reise ein Grund, Frankfurt forderte sie aber auch wenig. An produktivem Offensivspiel schien den Hessen nach dem Rückstand nicht gelegen zu sein.

Dieser Eindruck verstärkte sich im zweiten Abschnitt, in dem Leipzig über weite Strecken überlegen war. Hradecky verhinderte kurz nach Wiederanpfiff gegen Emil Forsberg (51.) nur mit großer Mühe eine Vorentscheidung. Erst zum Ende hin steigerte sich die Eintracht und brachte die nur noch verwaltenden Gastgeber mehrmals in Bedrängnis. 

"Wir haben es geschafft, uns gegen einen tief stehenden Gegner mehr Chancen zu erarbeiten", sagte Hasenhüttl. "Wenn man 2:0 führt und dann das 2:1 bekommt, kriegt der Gegner aber nochmal die Chance, und so mussten wir zum Schluss dann noch unnötig zittern."