Warum leiht sich Gilead Sciences 3 Milliarden Dollar?

Motley Fool Investmentanalyst

Letzte Woche gab Gilead Sciences (WKN:885823) bekannt, dass sich das Unternehmen drei Milliarden US-Dollar geliehen hatte.

Die Firma braucht das Geld nicht wirklich. Zum Ende des zweiten Quartals befanden sich 36,6 Milliarden US-Dollar in liquiden Mitteln und Wertpapieren in den Büchern des Unternehmens. Das ist mehr als genug, um den Preis von 11,9 Milliarden US-Dollar für den Kauf von Kite Pharma (WKN:A116CA) zu decken.

Dennoch entschied sich Gilead, zusätzliche Schulden aufzunehmen, um einen Teil der Übernahme Kite zu finanziere. Aber aus welchen Gründen?

1. Diese gefürchteten Steuern

Gilead hat eine Menge liquide Mittel und Wertpapiere im Depot. Wie die meisten Unternehmen gibt Gilead aber nicht an, wo das Geld ist. Ein großer Teil wird wahrscheinlich im Ausland gehalten, um die amerikanischen Steuern zu vermeiden.

Das Unternehmen könnte das Geld zurück in die USA transferieren, um die Übernahme zu bezahlen, aber dann werden Steuern darauf fällig. Es gab bereits eine Anhörung im Kongress darüber, eine Frist zu gewähren, währenddessen ausländisches Geld steuerfrei zurück in die USA transferiert werden kann. Es wird auch darüber gesprochen, das Steuersystem zu ändern, damit die Unternehmen nicht mehr dazu gezwungen werden, ihr Geld im Ausland zu horten. Daher ist es sinnvoll für Gilead erst einmal abzuwarten und zu sehen, was dabei herauskommt. Der Betrag, den Gilead an Steuern sparen könnte, könnte deutlich mehr sein als die Zinsen.

2. Flexibilität, um mehr zu kaufen

Selbst wenn Gilead in den USA genug Geld hätte, um Kite direkt zu bezahlen, hat das Unternehmen jetzt mehr Flexibilität für zusätzliche Übernahmen. Es muss nicht einmal eine Übernahme sein. Ein Lizenzvertrag zur Vermarktung eines komplementären Produkts, das in der Regel Vorauszahlungen erfordert, wäre eine Möglichkeit.

Das Geld einfach auf dem Konto zu behalten, könnte auch hilfreich sein, da Kite nicht so schnell Gewinne generieren wird. Das erste Produkt von Kite, axicabtagene ciloleucel, sollte Ende des Jahres die Zulassung der FDA bekommen ? etwa zum selben Zeitpunkt, wenn Gilead die Übernahme abgeschlossen haben wird. Die anfänglichen Umsätze von Axicel werden die Kosten für die Entwicklung der anderen Medikamente in der Pipeline von Kite aber nicht decken können. Das Management sagte, dass Kite erst im vierten Jahr nach der Übernahme Gewinne produzieren werde.

3. Billiges Geld

Keiner der ersten beiden Gründen würde ausreichen, um sich bei hohen Kapitalkosten Geld zu leihen, um die Übernahme zu bezahlen. Glücklicherweise sind die Gläubiger bereit, Gilead Geld zu sehr günstigen Zinsen zu leihen, da das Unternehmen über einen starken Cashflow und eine solide Bilanz verfügt. Von dem gesamten geliehenen Betrag sind zwei Milliarden US-Dollar mit einem variablen Zinssatz von 17 bis 25 Basispunkte über dem LIBOR ausgestattet, der derzeit bei 1,33 % liegt. Die verbleibende eine Milliarde US-Dollar wird mit 1,85 % fest verzinst.

Das ist wie am Ende des Jahres, wenn im Autohaus Platz für die neuen Modelle gemacht werden muss. Aber im Gegensatz zu einem KFZ-Darlehen sind diese Schulden in nicht gesichert, obwohl das nur relevant ist, wenn Gilead seine Schulden nicht begleichen könnte, was zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich erscheint.

Aufgepasst

Es ist sehr sinnvoll, sich Geld zu leihen, um einen Teil der Übernahme zu bezahlen. Die Investoren sollten aber die Schulden im Auge behalten, die gestiegen sind, während der freie Cashflow zurückgegangen ist.

GILEAD DATEN VON YCHARTS.

Selbst wenn der Verschuldungsgrad im Vergleich zum freien Cashflow in die falsche Richtung geht, hat Gilead immer noch reichlich freien Cashflow, um seine Schulden zu bedienen. Basierend auf den ersten sechs Monaten dieses Jahres zahlte das Unternehmen 530 Millionen US-Dollar an Zinsen und erwirtschaftete gleichzeitig einen freien Cashflow von 6,2 Milliarden US-Dollar.Obwohl die Dividenden etwa 1,4 Milliarden US-Dollar verschlingen, generiert Gilead noch genug Barmittel, damit Geld beiseite geschafft werden kann – oder Schulden abgebaut werden können.

Die Investoren haben nichts zu befürchten, sie sollten aber aufpassen, dass die Schulden nicht zu sehr außer Kontrolle geraten und der Cashflow nicht stark sinkt.

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Motley Fool besitzt und empfiehlt Gilead Sciences.

Dieser Artikel wurde von Brian Orelli auf Englisch verfasst und wurde am 22.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Short Oktober 2017 $86 Calls auf Gilead Sciences.

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