Leid und mütterliche Unterstützung halfen dieser Unternehmerin, eine 178 Mio. Euro schwere Marke aufzubauen

Koel Thomae war zu Schulzeiten ein kluges, wissbegieriges Kind. Aber wie die meisten Highschool-Teenager in Australien musste Thomae sich schon in der zehnten Klasse Gedanken über ihre künftige Karriere machen.

„Das ist viel Druck für eine 15-Jährige, darüber nachzudenken, was man für den Rest seines Lebens machen will. Also entschied ich mich für etwas Praktisches und wählte Buchhaltung“, sagte sie in einem Interview für Yahoo Finances Serie „Breakout Breakfast“.

Heute mit 45 ist Thomae eine der Gründerinnen von Noosa, einer cremigen Vollmilch-Joghurt-Marke, die 2009 entstand und vergangenes Jahr lag der Umsatz bei über 178,6 Mio. Euro. Der Joghurt ist in über 25.000 Geschäften in Amerika erhältlich, darunter auch Whole Foods, Target und Kroger. Aber es mussten erst Mut, Zufall und vor allem Unzufriedenheit zusammenkommen, damit Thomae zur Unternehmerin wurde.

„Ich war so unglücklich, ich sah mich selbst nicht als Buchhalterin, aber ich ich hatte das Studium vor zwei Jahren begonnen“, sagte sie. „Ich hatte überhaupt keine Leidenschaft für das, was ich tat.“

Die Dinge wurden so schlimm, dass Thomae nicht mehr zum Unterricht erschien und von der Uni flog. Während andere Mütter ihre Kinder dafür zurechtgewiesen hätten, dass sie sich nicht an die Regeln halten, ermutigte Thomaes Mutter sie, einen klaren Kopf zu bekommen und kaufte ihr ein Flugticket für ein Ziel ihrer Wahl.

Noosa Joghurt Herstellung

„Meine Eltern sagten nie: ,Du solltest das und das tun.’ Die Frage war stets: ,Bist du glücklich? Wenn nicht, mach etwas anderes.‘ Diese Art von Unterstützung war extrem wichtig für mich“, sagte sie.

Thomae entschied sich letztendlich für Boulder, Colorado – sie war fasziniert von der malerischen Landschaft und dem White Water Rafting auf dem Colorado River und lebte dort ein Jahr lang, bevor sie nach Australien zurückkehrte, um ihren Abschluss zu machen (in Marketing). Da sie noch immer von Colorado fasziniert war, zog sie erneut nach Boulder und hielt sich mit Gelegenheitsjobs in Restaurants und für ein gemeinnütziges Kindertheater über Wasser, bevor sie einen Job bei einem IT-Unternehmen erhielt.

Sie dachte, dass das Leben in Boulder ihr Gefühl des Gefangenseins verändert hätte. Aber sehr zu ihrem Ärger stieg das flaue Gefühl nach einigen Monaten im Job erneut auf.

„Ich saß in einem Cubicle und meine Seele wurde aus mir herausgesaugt. Das erinnerte mich an meine Uni-Erfahrung – ich fühlte mich so gelangweilt und unglücklich. Das zwang mich dazu, eine dramatische Veränderung vorzunehmen. Ich machte eine Wanderung und dachte darüber nach, was meine Leidenschaft ist. Da war ich also und lebte in diesem Mekka natürlicher Lebensmittel. Es dauerte eine Weile, fast zwölf Monate, bis zu dieser Erkenntnis. Ich musste in der Lebensmittelbranche arbeiten“, sagte sie.

Der Aha-Moment

Im Mai 2004 fand sie letztendlich einen Job als operative Koordinatorin bei der Izze Beverage Company, ein damals 18 Monate altes Start-up. Und während sie noch immer bei Izze arbeitete, reiste sie zurück nach Australien, um ihrer Familie ihren Freund (jetzt Ehemann) vorzustellen. Ihre Mutter war in eine Kleinstadt namens Noosa umgezogen, eine Küstenstadt an der Sunshine Coast. Eines Tages entdeckte Thomae in einem kleinen lokalen Geschäft einen durchsichtigen Behälter mit Joghurt und einem leuchtenden Klecks Passionsfrucht-Pürree.

„Ich war sofort fasziniert. Ich kaufte ihn und einige Minuten später kostete ich ihn zum ersten Mal. Es war eines dieser ‚himmlischen‘ Geschmackserlebnisse“, erklärte sie.

Bald darauf fand sie heraus, dass ein kleines australisches Familienunternehmen den Joghurt herstellte und nach mehreren Anstößen ihrer Mutter rief sie bei ihnen an, einfach um ihnen zu sagen, dass ihr Joghurt köstlich ist.

Kurz danach kehrte Thomae nach Colorado zurück, um bei Izze zu arbeiten, die 2006 von Pepsi übernommen wurde. Aber sie konnte „den Geschmack einfach nicht vergssen“ und so begann sie – motiviert von ihrem Verlangen nach etwas Köstlichem, das sie jeden Tag genießen kann – eine Marktanalyse durchzuführen, um herauszufinden, was in diesem Segment angeboten wurde.

Bei ihrer nächsten Reise nach Australien vereinbarte sie ein Treffen mit der Familie, die für ihre Besessenheit verantwortlich war und erfuhr, dass die Familie das Unternehmen nicht über die australische Stadt hinaus ausbauen wollte. Thomae kehrte nach Colorado zurück und kündigte ihren Job bei Izze. Nach der schwierigen Suche nach einem Partner für Milchprodukte fand sie den Milchbauern in der vierten Generation Robert Graves, den sie einfach angerufen hatte, nachdem sie seinen Flyer in einem Coffee Shop gesehen hatte und 2009 gründeten sie Noosa.

Während Thomae und Graves Noosa 2014 an die private Beteiligungsgesellschaft Advent International aus Boston verkauften, sind sie nach wie vor aktiv ins Tagesgeschäft einbezogen. „Ich denke an diesen Moment an der Universität und den im Cubicle und denke daran, dass es nie zu spät ist, um etwas zu verändern. Es spielt keine Rolle, welche Lebensstrategie man hat. Wenn man extrem unglücklich ist, sollte man umgehend mit dem aufhören, was man tut und diesen Ort verlassen. Denn dann ist es wahrscheinlicher, dass man seine Leidenschaft findet.“ Für Thomae war es der Wunsch, den Geschmack herzustellen, den sie einfach nicht aus ihrem Kopf bekam.

Melody Hahm