Leichtathletik: Silber zum Abschluss: Floors krönte sich zum Sprint-König von London

Johannes Floors hat im Finale der Para-Leichtathletik-WM erneut zugeschlagen und sich endgültig zum Sprint-König von London gekrönt. Als Schlussläufer der ersatzgeschwächten 4x100m-Staffel sicherte der Leverkusener seinem Team dank eines unnachahmlichen Spurts Silber hinter den USA und vor Italien.

Johannes Floors hat im Finale der Para-Leichtathletik-WM erneut zugeschlagen und sich endgültig zum Sprint-König von London gekrönt. Als Schlussläufer der ersatzgeschwächten 4x100m-Staffel sicherte der Leverkusener seinem Team dank eines unnachahmlichen Spurts Silber hinter den USA und vor Italien.

Mit viermal Edelmetall avancierte Floors zum erfolgreichsten deutschen Starter. Der Prothesenläufer war im Olympiastadion zuvor über 200 m und 400 m Weltmeister geworden - und hatte auch über 100 m Silber geholt.

"Das ist schon sehr geil. Wir hatten viel trainiert, viel umgestellt, aber keine Erwartungen. Deshalb sind diese Erfolge unglaublich", sagte der unterschenkelamputierte Floors, der nach seinem Sturm in die Weltspitze schon an die Paralympics 2020 in Tokio dachte: "Olympiasieger will jeder werden, ich natürlich auch."

Bei sintflutartigen Regenfällen und Donnerschlägen rundeten Sprinterin Irmgard Bensusan (Leverkusen) und Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé (Bonn) den erfolgreichen zehnten und letzten WM-Tag im Queen Elizabeth Olympic Park ab.

Eine Woche nach ihrem Titelgewinn über 400 m sicherte sich die gebürtige Südafrikanerin Bensusan über 200 m Silber (27,13 Sekunden). Der querschnittgelähmte Baldé (31) gewann über fünf Kilometer seine zweite Bronzemedaille in 11:11,92 Minuten und legte nach seinem dritten Platz über 1500 m erfolgreich nach.

Julius Beucher zeigt sich zufrieden

Mit der Bilanz von 22 Medaillen (7 Gold, 8 Silber, 7 Bronze) war Friedhelm Julius Beucher hochzufrieden. "Ein tolles Ergebnis", sagte der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) dem SID.

Bei der vergangenen WM in Doha 2015 hatte die deutsche Auswahl zwar insgesamt 24 Mal Edelmetall (8 Gold, 7 Silber, 9 Bronze) geholt. Allerdings fehlten in London sieben Paralympicssieger beziehungsweise -siegerinnen von Rio 2016 aus unterschiedlichen Gründen.

Unter ihnen der verletzte Heinrich Popow, Marianne Buggenhagen (Karriereende) oder Vanessa Low, die künftig für die australische Heimat ihres Freundes an den Start gehen wird.

Die Schlagzeilen gehörten aber Floors. Der 22-Jährige ist so etwas wie das frische Gesicht des DBS. Erfolgreich, eloquent, ehrgeizig. Und der smarte Blondschopf, der auf den Spuren seines sportlichen Vorbilds Oscar Pistorius wandelt, besitzt absolutes Starpotenzial.

Maschinenbau-Student Floors hatte sich erst 2011 entschieden, seine Unterschenkel amputieren zu lassen, nachdem er mit einem Fibula-Gendefekt auf die Welt gekommen war. Das Wadenbein hatte sich nicht gebildet, der Fuß wuchs verkümmert, sein Oberkörper war im Vergleich zu den Beinen überdimensional groß.

Floors vor schwerer Entscheidung

"Ich hatte die Wahl: Entweder du sitzt irgendwann im Rollstuhl oder du lässt dir die Unterschenkel amputieren, hast dann Prothesen und machst das Beste daraus", erzählte der "deutsche Blade Runner" Floors.

2014 bekam er seine ersten Sportprothesen. "Damit bin ich am Anfang eher rumgehüpft wie ein Känguru", erzählte der frühere Spitzenschwimmer schmunzelnd.

Auch der kleinwüchsige Niko Kappel (22/Sindelfingen) mit Gold im Kugelstoßen oder die erst 19-jährige Lindy Ave aus Neubrandenburg mit Silber und Bronze auf den Sprintstrecken zeigten an der Themse ganz starke Leistungen.

"Es ist unwahrscheinlich schön zu erleben, wie die jungen Leute nachkommen", sagte Beucher. Der 71-Jährige sieht in seinem Team "Leuchttürme und wunderbare Charaktere, die den Para-Sport weiter voranbringen." Auch mit Blick auf die Heim-EM im nächsten Sommer in Berlin. Die WM ging zudem mit einer Zuschauer-Bestmarke in die Rekordbücher ein. Über 300.000 Karten waren für das Event der 1166 Athleten aus 85 Ländern verkauft worden.

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