Leichtathletik: Fragen und Antworten zu den Deutschen Meisterschaften

SID
Leichtathletik: Fragen und Antworten zu den Deutschen Meisterschaften

Was steht an?
Die 117. Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten. Auf dem Weg zu der WM in London (4. bis 13. August) machen die DLV-Asse am Wochenende im Erfurter Steigerwaldstadion Station. Es ist die entscheidende und letzte Chance zur Qualifikation für den Showdown an der Themse.

Wer muss noch um London zittern?
Allen voran der Diskus-Olympiasieger Christoph Harting. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder Robert hat der Berliner die geforderte Norm von 65 m noch nicht übertroffen, ihm fehlen noch 87 Zentimeter. Obwohl Harting zuletzt Rückenprobleme hatte, ist sein Trainer Torsten Lönnfors optimistisch für Erfurt. "Er ist hoch motiviert und hat ja schon gezeigt, dass er in wichtigen Situationen abliefern kann", sagte er dem SID. In Rio schnappte sich Harting im letzten Durchgang Gold. Auch Julian Reus, deutscher Rekordhalter über 100 m, oder die EM-Dritte Gina Lückenkemper über 200 m haben die Norm noch nicht geknackt.

Was ist das Highlight?
Neben dem Bruder-Duell im Diskusring aus sportlicher Sicht sicher der Speerwurf der Männer, die DLV-Asse um Olympiasieger Thomas Röhler dominieren in diesem Jahr in der Welt. Röhler (93,90 m), Johannes Vetter (89,68) und Andreas Hofmann (88,79) führen die Weltjahresbestenliste an. Selbst Lars Hamann, mit 86,71 m nur die deutsche Nummer vier, wäre in London eine Medaille zuzutrauen. "Wenn man sich die Weltbestenliste anschaut, dann könnte man die DM auch WM nennen", sagte Röhler, der als Posterboy für die Meisterschaften wirbt.

Wer drängt nach vorne?
Shooting-Star der Szene ist Mittelstrecken-Hoffnung Konstanze Klosterhalfen, die erst 20 Jahre alte Leverkusenerin hat mit mutigen Rennen in diesem Jahr bereits für Furore gesorgt und gilt schon als das womöglich größte nicht in Afrika geborene Talent der Geschichte. Aber auch Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz hat als Nummer acht der Welt auf sich aufmerksam gemacht. Und Hochspringer Mateusz Przybylko schob sich zuletzt mit einem Satz über 2,35 m auf den geteilten fünften Rang der ewigen deutschen Bestenliste. Ex-Weltmeister Martin Buß war 2001 der letzte Deutsche, der höher sprang. Weltweit ist in diesem Jahr nur der Olympia-Zweite Mutaz Essa Barshim aus Katar (2,38) höher gesprungen.

Und wer sind die Sorgenkinder?
Neben Christoph Harting zählt wohl auch Stabhochspringer Raphael Holzdeppe dazu. Der Ex-Weltmeister hat mit 5,80 m zwar eine sehr ordentliche Saisonbestleistung stehen, springt aber insgesamt sehr unkonstant. Auch Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor (62,26 m) sucht noch nach ihrer Gala-Form, Hürdensprinterin Cindy Roleder, die vor zwei Jahren in Peking sensationell Silber gewann, musste die Saison verletzungsbedingt bereits beenden. Und selbst Kugel-Koloss David Storl, bis auf die Spiele in Rio immer eine Medaillenbank, ist mit seinem Jahr bisher nicht zufrieden. Jedenfalls arbeitet der Leipziger jetzt mit einem Mentaltrainer zusammen. Der Lebensgefährte von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, Matthias Große, soll dem Ex-Weltmeister auf dem Weg nach London psychologisch unterstützen.