Lehrerverband kritisiert Schwesigs Entscheidung für Privatschule

Schwesig

Dass Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ihren Sohn in eine Privatschule schickt, sieht der Deutsche Lehrerverband als "fatales Zeichen". "Die Regierungschefin hat in die öffentlichen Schulen Mecklenburg-Vorpommerns offenbar wenig Vertrauen", sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Mittwoch. Schwesig tue ihrer Kultusministerin Birgit Hesse (SPD) mit dieser Entscheidung keinen Gefallen. Allerdings gelte auch hier, dass die Politikerin ? wie andere auch ? im Privatleben frei entscheiden könne.

Über die Auswahl der weiterführenden Schule für Schwesigs Sohn hatte zuerst der Norddeutsche berichtet. Ein Regierungssprecher teilte mit, die Nähe der Schule zum Wohnhaus der Ministerpräsidentin habe den Ausschlag bei der Auswahl der Schule gegeben. Es handle sich um eine "persönliche Entscheidung". Unabhängig davon schätze Schwesig die Arbeit an allen Schweriner Schulen - egal ob diese sich in staatlicher oder freier Trägerschaft befinden.

Auch die im Schweriner Landtag oppositionelle Linkspartei kritisierte Schwesigs Schulwahl. Sie sei Ausdruck von Schwesigs Misstrauen in das staatliche Schulsystem, sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg im Norddeutschen Rundfunk. Nach dem "Kaputtsparen der vergangenen Jahre" seien die Defizite in der staatlichen Regionalschule offenbar so groß, dass Schwesig diese ihrem Kind nicht zumuten wolle.

Nach dem Ende der Grundschulzeit an einer staatlichen Schule stand für Schwesigs Sohn ein Schulwechsel an. Das Schulgesetz des Landes sieht einen Wechsel in die Orientierungsstufe an einer Regionalschule vor. Der Wechsel in ein Gymnasium erfolgt gegebenenfalls zwei Jahre später.

Wer sein Kind an ein staatliches Spezialgymnasium - etwa für Musik oder Sport - oder auf eine private Schule schicken kann, vermeidet den zweiten Schulwechsel. In Mecklenburg-Vorpommern besuchen rund elf Prozent der Kinder eine Schule in freier Trägerschaft.