Lehrerverbände fordern einheitliches Vorgehen bei Abiturprüfungen

Lehrerverbände haben an die Bundesländer appelliert, eine gemeinsame Linie für die Abiturprüfungen zu finden. "Wir brauchen Fairness, Transparenz und möglichst viel Chancengleichheit für alle Abiturienten in allen Bundesländern ? gerade auch in der jetzigen Sondersituation", erklärte die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands (DPhV), Susanne Lin-Klitzing, am Mittwoch. Sie erwarte ein abgestimmtes Handeln zwischen den Kultusministern. Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte das unterschiedliche Vorgehen.

Die Kultusminister der Länder wollten am Mittag in einer Telefonkonferenz über den weiteren Umgang mit Abiturprüfungen und weiteren Abschlussprüfungen an Schulen beraten. Für Streit sorgte zuvor der Vorstoß von Schleswigs-Holsteins Kultusministerin Karin Prien (CDU) für ein "Anerkennungsabitur" ohne Abschlussprüfungen. In manchen Bundesländern laufen die Abiturprüfungen aber bereits, andere Länder wiederum verschoben die Prüfungen.

Die Kultusminister seien zugegebenermaßen in einer Sondersituation, räumte die DPhV-Vorsitzende Lin-Klitzing ein. Doch gerade deshalb müssten sie jetzt zu gemeinsamen Entscheidungen kommen. Dabei spiele der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. Für reguläre und mögliche verschobene Abiturabschlussprüfungen bleibe Zeit bis in den Juni. Sie müssten deshalb jetzt noch nicht zu alternativen Lösungen greifen.

Sie halte Abschlussprüfungen für das Abitur angesichts des Zeitpuffers und möglichen Verschiebungen auch bei Semesterbeginn und Zulassungsverfahren für die "zurzeit richtige Option", erklärte Lin-Klitzing. Für den Fall, dass die Prüfungen über die Jahresmitte hinaus nicht stattfinden könnten, könnten die Kultusminister in einem gestuften Verfahren über Alternativen nachdenken. "Diese sollten mitbedacht werden, zurzeit aber nicht im Vordergrund stehen", forderte die DPhV-Vorsitzende.

Lehrerverbandspräsident Meidinger kritisierte die unterschiedlichen Herangehensweisen der Länder. "Was wir erleben, ist Chaos pur", sagte er dem Norddeutschen Rundfunk. Vor allem in dieser Ausnahmesituation sei es wichtig, dass sich die Bundesländer eng abstimmten. Es sei unverantwortlich, dass einzelne Bundesländer in dieser Frage vorpreschten. Durch unterschiedliche Regelungen würde sich auch ein Gerechtigkeitsproblem ergeben.