Lehren aus dem Polizeieinsatz - OEZ-Amoklauf: Ganz sicher?

Ralph Hub

Falschmeldungen, Verwechslungen, Funklöcher: Was gut lief, was schiefging aus Sicht der Münchner Polizei in der Amok-Nacht im Juli 2016 – und welche Konsequenzen sie daraus zieht. Teil zwei der AZ-Serie.

München - Bis Juni 2017 – also insgesamt elf Monate – hat die Münchner Polizei sämtliche Details zum Amoklauf im OEZ zusammengetragen. 14 themenbezogene Arbeitsbereiche wurden eingerichtet. Minutiös wurde der Ablauf des gesamten Abends rekonstruiert und auch analysiert.

Am Ende wurde alles in einem Bericht zusammengefasst, auf Dutzenden Seiten – die wohl umfangreichste und intensivste Nachbereitung eines Einsatzes in der Geschichte des Münchner Polizeipräsidiums.

Die Analyse

"Der Einsatz hat gut und reibungslos funktioniert, weil die Kollegen trotz einer Hochstress-Situation das umgesetzt haben, was sie in der Ausbildung und im Training gelernt hatten", sagt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. "Grundsätzlich sind wir mit dem Ablauf des Einsatzes zufrieden."

Was nicht heißt, dass nicht nachjustiert wird. Ein überarbeitetes Einsatzkonzept liegt vor. Die Neukonzeption soll künftige Einsätze schneller und reibungsloser ablaufen lassen. Sämtliche Erkenntnisse aus der Analyse des OEZ-Einsatzes sollen in die Aus- und Fortbildung von Polizisten einfließen. Davon profitieren werden Polizisten in ganz Bayern. Das Interesse ist enorm, auch in anderen Bundesländern.

Schneller vor Ort

Die ersten Kräfte, die an einem Einsatzort eintreffen, sind meist normale Streifenpolizisten. Die Beamten bilden sogenannte Kontakt-Teams – das heißt, sie sichern sich gegenseitig und gehen dann gemeinsam vor. "Das ist notwendig, wenn Leben oder Gesundheit von Menschen gefährdet sind", sagt da Gloria Martins. Auf besonders ausgebildete und ausgerüstete Spezialkräfte wie das SEK kann in so einer Situation nicht mehr wie früher gewartet werden. Das sah man auch beim Amok-Alarm am Berufsschulzentrum am Ostbahnhof im Frühjahr: Ein ehemaliger Schüler war schwarz gekleidet im Sekretariat aufgetaucht und hatte so unbeabsichtigt Alarm ausgelöst. Ee habe sich nur für früheres Fehlverhalten entschuldigen wollen, sagte er.

Neue Taktik

Wie die Polizei im Detail bei mit dem OEZ-Einsatz vergleichbaren Lagen künftig vorgeht, verrät das Präsidium nicht. Man wolle Tätern keine Tipps geben. Deshalb werden alle taktischen Neuerungen geheim gehalten. Fest steht: Die Polizei unterscheidet nicht mehr zwischen Amok- und Terrorlagen. Das, so hat die Auswertung ergeben, habe sich nicht bewährt.
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