Wie Leer den Aufstieg von der "Arbeitslosenstadt" zur Boom-Region geschafft hat

Leonhard Landes
Die Hafenpromenade von Leer.

Als Wolfgang Kellner früher durch die Straßen Leers ging, roch es noch anders. Das war zu Beginn der 1980er Jahre. Der Geruch von Schweröl, Holz und Tabakrauch in der Luft stand für etwas Gutes.

Die Industrie blühte in der ostfriesischen Ortschaft nahe der niederländischen Grenze und in den Werften schwitzten die Arbeiter.

Dann kam die Krise und der spätere Bürgermeister Kellner beobachtete den wirtschaftlichen Niedergang seines Heimatorts.

Die Unternehmen zogen weg, bis schließlich auch die letzte Werft schloss. Die Arbeiter verloren ihre Jobs und in den Schlagzeilen wurde aus Leer das Armenhaus der Bundesrepublik. 1987 lag die Arbeitslosenquote in den Wintermonaten bei 30 Prozent, ein Rekordwert im gesamten Land damals.

Der Geruch der Betriebsamkeit aus Öl und Tabak in Leer war verflogen.

Doch Leer schaffte den Wandel. Zu Beginn der 1990er Jahren sanken die Arbeitslosenzahlen rapide, heute liegt die Quote bei rund sechs Prozent und damit leicht über Bundesdurchschnitt.

Während Deutschland zur Jahrtausendwende noch als der “kranke Mann Europas” verschrien war, boomte in Leer die Wirtschaft. Und sie tut es noch immer. 

Am Hafen riecht es nun nicht nach Öl oder Tabak. Dort schlendern Touristen durch die Altstadt aus alten Giebelhäusern, trinken Tee oder kaufen in den Geschäften ein.

Geschafft hat Leer die Wende mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen. Ab 1991 als Stadtkämmerer und von 2001 bis 2014 als Bürgermeister war der heute 69-jährige Wolfgang Kellner maßgeblich an wirtschaftlichen Aufschwung 

Haben er und seine Kollegen in Leer die Formel entdeckt, wie sich eine wirtschaftlich abgehängte Region wieder ein einen attraktiven Standort verwandeln lässt?

ZWISCHENÜBERSCHRIFT

“In den 90er-Jahren war Leer und die gesamte Region abgehängt von der wirtschaftlichen Entwicklung”, sagt Kellner und fasst die Ausgangslage mit ostfriesischer Beiläufigkeit mit fünf knappen Wörtern zusammen: “Das war eine prekäre...

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