Lebensmittelriese Agrokor wehrt sich gegen Milliarden-Forderung russischer Bank

Agrokor ist der größte Lebensmittelproduzent und -händler in Südosteuropa

Der hochverschuldete kroatische Lebensmittelkonzern Agrokor hat einer Forderung der russischen Sberbank in Milliardenhöhe widersprochen. Der Konzern bekenne sich zu 5,4 Milliarden Euro Schulden, weitere 2,2 Milliarden - davon 1,1 Milliarden bei der Sberbank - fechte er jedoch an, teilte Agrokor-Krisenmanager Ante Ramljak am Donnerstag mit. Grund seien diverse Rechtsverfahren, die die russische Bank in Großbritannien, Kroatien und weiteren Balkanländern gegen Agrokor eingeleitet hat.

Ramljak schloss nicht aus, die restlichen Schulden doch noch anzuerkennen. Sollte die Bank die eingeleiteten Verfahren einstellen, "besteht weiterhin die Möglichkeit, (...) eine Einigung zu finden", sagte er. Die Sberbank hat Agrokor unter anderem vor dem Internationalen Schiedsgerichtshof London verklagt.

Agrokor ist der größte Lebensmittelproduzent und -händler in Südosteuropa und beschäftigt rund 60.000 Menschen, die meisten davon in Kroatien, aber auch in Bosnien, Serbien und Slowenien. Bei Zulieferern arbeiten weitere tausende Menschen für das Unternehmen. Der Umsatz entspricht fast 15 Prozent des kroatischen Bruttoinlandsprodukts.

Der Konzern ächzt unter einer Schuldenlast von rund sechs Milliarden Euro und machte im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro Verlust. Der kroatische Staat hatte Anfang des Jahres die Kontrolle übernommen und Ramljak als Krisenmanager eingesetzt. Sollte die Sanierung fehlschlagen, müsste bis Juli 2018 ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden.

Der flüchtige Agrokor-Eigentümer Ivica Todoric war am Dienstag in London festgenommen und anschließend auf Kaution wieder freigelassen worden. Dem 66-Jährigen wird unter anderem Veruntreuung und Urkundenfälschung vorgeworfen.