Warum Lebensmittel-Lieferdienste wie Amazon, Rewe und Co. jetzt auf diesen norwegischen Newcomer achten sollten

Business Insider Deutschland
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Karl Munthe-Kaas, Mitgründer und CEO des norwegischen Online-Supermarktes Oda — hier noch Kolonial.no.
Karl Munthe-Kaas, Mitgründer und CEO des norwegischen Online-Supermarktes Oda — hier noch Kolonial.no.

Der schwedische Zalando-Investor Kinnevik war bereits im Februar beim Online-Modeversandhandel ausgestiegen. Man wollte sich jüngeren vielversprechenden Unternehmen widmen, hatte es geheißen. Eines davon ist nun der norwegische Onlinesupermarkt Oda. Bei einer kürzlichen Finanzierungsrunde wurde das Startup mit 750 Millionen Euro bewertet und strich 223 Millionen Euro an Investitionen ein. Neben Kinnevik kam das Geld auch von Softbank und dem niederländischen Investor Prosus.

Mit der jüngsten Finanzspritze will Oda noch dieses Jahr in Finnland an den Start gehen, 2022 in Deutschland. In Norwegen, wo Oda unter dem Namen Kolonial bekannt geworden war, brachte das Unternehmen es auf 70 Prozent Marktanteil im Onlinehandel mit Lebensmitteln. Im Gespräch mit dem „Manager Magazin“ erklärte Mitgründer und CEO Karl Munthe-Kaas, warum das Unternehmen im Online-Lebensmittelhandel profitabel sei und wie es sich in Deutschland gegen Konkurrenten wie Rewe oder Amazon Fresh durchsetzen wolle.

Angestellte bearbeiten 212 Produkte pro Stunde

Das Vertrauen der Investoren — Kinnevik hält mittlerweile 20 Prozent an der Firma — leitet der Oda-Chef aus der besonderen Effizienz des Unternehmens ab. Man biete kostenlose Haustürlieferungen und sei dabei nur zwei Prozent teurer als die billigsten Discounter — also zehn bis 15 Prozent günstiger als normale Supermärkte. Trotzdem sei Oda bei einem Umsatz von 200 Millionen Euro profitabel.

Das liegt Munthe-Kaas zufolge vor allem an der Logistik. Es gebe in Oslo nur ein zentrales Warenlager, von wo aus man in einem Umkreis von etwa 200 Kilometern die Hälfte der norwegischen Bevölkerung erreiche. Auf diese Weise bündele man den Umsatz von 50 Supermärkten an einem Ort und habe eine Warenüberschussquote von weniger als 0,5 Prozent. Andere Supermärkte hätten im Vergleich drei- bis fünfmal höhere Quoten.

Außerdem unterscheide sich die Wertschöpfungskette eines reinen Online-Handels fundamental von der eines traditionellen Supermarktes. Es brauche eine völlig andere Infrastruktur. Oda habe daher eine Technologie entwickelt, die — Munthe-Kaas zufolge — der Konkurrenz überlegen sei. Sie würde es Mitarbeitern ermöglichen, 212 Produkte pro Stunde zu bearbeiten. Das seien etwa doppelt so viele wie bei anderen reinen Onlinesupermärkten — und dreimal so viele, wie wenn Mitarbeiter in einem Laden die Ware zusammensuchten. Auch dadurch spare man genug, um trotz kostenloser Auslieferung immer noch profitabel zu sein.

Startup zahlt deutlich über Tarif

Trotzdem des hohen Pensums blieben auch die Arbeitsbedingungen nicht auf der Strecke. Norwegen habe starke Gewerkschaften und man zahle deutlich über Tarif. Man sei überzeugt, dass gut eingebundene, glückliche Beschäftigte bessere Leistung erbringen würden.

Das würde auch bei der Auslieferung beachtet. Dort manage man die gesamte Flotte selbst und plane auch die Fahrten. Auf jeder Route gebe es etwa 35 Lieferstopps, was zwischen den Auslieferungen zu Fahrzeiten von 2,5 Minuten führe. Die Touren würden aber zu 80 Prozent von externen Dienstleistern durchgeführt. Das ermögliche es, die Dienste zu skalieren. Die Auslieferer hätten sich dabei auf ein bestimmtes Servicelevel und bestimmte Tarife verpflichtet — und man achte darauf, dass die Fahrer die Löhne auch bekommen.

Großes Wachstumspotenzial in Deutschland

Für Deutschland glaubt Munthe-Klaas fest daran, dass der Online-Einkauf irgendwann das Niveau Großbritanniens erreicht. Dort liege der Online-Anteil im Lebensmittelgeschäft bei 16 Prozent — ein 26-Milliarden-Euro-Markt. Mit etwa 2 Prozent Anteil hinkt Deutschland da noch hinterher. Hierzulande habe das Geschäft noch „den Ruf einer Premiumnische. Aber tatsächlich ist das Onlinegeschäft viel effizienter“, so der Oda-Chef. Er sei daher überzeugt, dass sich etwas ändern werde, wenn „die Kunden online das Preisangebot eines Hard-Discounters mit der Auswahl eines Hypermarktes haben“. Und genau daran wolle das Unternehmen teilhaben.

Es stehe noch nicht endgültig fest, in welchen Städten Oda zuerst an den Start gehen werde. Aber es würde sich vermutlich um mehrere Standorte im Abstand von wenigen Wochen handeln. Man werde sich vor allem auf das Aufbauen guter Kapazitäten konzentrieren.

Im Bezug auf die Konkurrenz sagt Munthe-Kaas: „Man sollte immer einen gesunden Respekt vor Amazon haben.“ Oda sei aber im norwegischen Liefergebiet etwa fünfmal größer als Amazon Fresh in Deutschland. Bisher gebe es schlicht noch keinen Player, der den deutschen Markt wirklich erobert habe - obwohl auch in Deutschland der Markt an Lebensmittel-Lieferdiensten von Supermärkten wächst, wie zum Beispiel Rewe einen anbietet. „Da gibt es noch einiges zu holen."

sb