Lebensmittel werden auch 2023 teurer – Supermärkte und Discounter kämpfen deshalb mit aggressiven Schnäppchen-Strategien um Kunden

Viele Supermärkte und Discounter beginnen das Jahr unter dem Motto Sparen – und rabattieren sogar ohnehin günstige Eigenmarken. - Copyright: Edeka
Viele Supermärkte und Discounter beginnen das Jahr unter dem Motto Sparen – und rabattieren sogar ohnehin günstige Eigenmarken. - Copyright: Edeka

Wer ist der Günstigste im ganzen Land? Blickt man auf die aktuellen Werbekampagnen im Lebensmitteleinzelhandel, scheint das die wichtigste Frage für das neue Jahr zu sein. Sowohl Supermärkte als auch Discounter buhlen dabei wie schon vor Weihnachten mit Rabatten um die Kunden und schrecken auch nicht davor zurück, sich mit der Konkurrenz zu vergleichen.

„Neues Jahr, neues Spar'n“, heißt es beispielsweise in einer Edeka-Kampagne zum neuen Jahr. Die Regionalgesellschaft Südwest wirbt mit dem „Januspar“. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Händler den Slogan „In jedem Edeka steckt ein Discounter“ rausgekramt. Ähnliche Werbeplakate waren sogar vor Luxus-Filialen wie der in Berlin Steglitz aufgestellt, in der Kunden an reihenweise Frischetheken unter anderem Austern schlürfen können.

Auch in einem aktuellen TV-Spot wirbt die Edeka Zentrale mit „über 7000 Produkten zum Discountpreis“ – und 23 Prozent Rabatt auf Gemüse- und Sauerkonserven der ohnehin günstigen Eigenmarke „Gut und Günstig“. Laut der „Lebensmittelzeitung“ sollen über den Januar – in wöchentlich wechselnden Kategorien – weitere Angebote im ohnehin günstigen Preissegment folgen.

Discount-Versprechen in der Werbung – aber Preise dürften weiter steigen

„Der ganze Lebensmitteleinzelhandel ist in einem echten Dilemma“, bewertet Handelsexperte Gerrit Heinemann die Lage. „Weil er weiß, dass er die gestiegenen Herstellerkosten weitergeben muss – er das gleichzeitig aber nicht kann, weil die Kunden so stark auf den Preis achten.“

Tatsächlich stehen gerade Supermärkte vor Problemen: Durch die drastische Inflation bei Lebensmitteln – im Dezember 2022 lag sie voraussichtlich bei 20,7 Prozent – sind Kunden vermehrt zu Discountern abgewandert. Und damit nicht genug: Rewe-Chef Lionel Souque erklärte kürzlich, dass von Herstellerseite schon für das erste Quartal 2023 Preiserhöhungen im Volumen von mehr als einer Milliarde Euro vorlägen, die verhandelt werden müssten.

Laut dem Handelsexperten Gerrit Heinemann bleiben diese Verhandlungen 2023 ein spannendes Thema. Denn obwohl sie immer ein Machtspiel seien, hätten sich die Händler im vergangenen Jahr besonders heftig mit den Markenherstellern angelegt. Und aufgrund der Preissensibilität der Kunden stärker die günstigeren Eigenmarken beworben.

Die werden aber ebenfalls von den Markenherstellern produziert. Und das könnten die Hersteller nun als Druckmittel benutzen: „Bei den Eigenmarken machen Hersteller kaum Gewinne“, sagte Heinemann im Gespräch mit Business Insider. „Die dürften sich also fragen, ob sie die weiter produzieren oder auf die Bremse treten, um Preissteigerungen bei Markenartikeln durchzusetzen.“

Probleme von Discountern kleiner

Discounter seien hier im Vorteil: So hätten die, wie beispielsweise Aldi, für ihre Eigenmarken auch Exklusivhersteller, die ausschließlich für sie produzieren, sagt Heinemann. Da schlage das Dilemma nicht ganz so stark durch.

Und so stecken die Discounter im Preiskampf nicht zurück. Der zu Edeka gehörende Discounter Netto wirbt zum Jahresstart ebenfalls mit 23 Prozent Rabatt auf Eigenmarken- und Markenprodukte gemischter Kategorien. Außerdem gibt es unter dem Motto „X-fach sparen“ diverse 2-für-1 Aktionen – und immer wieder Hinweise auf Coupons in der App des Discounters.

Lidl attackiert Edeka in Facebook-Werbung

Wie schon im Dezember wirbt Lidl im ersten Prospekt 2023 weiter mit dem „großen Sparsturz“ – und attackiert mit einer ganzseitigen Anzeige direkt das Discount-Versprechen von Edeka. Zwei Obst- und Gemüsekörbe vom 28. Dezember 2022, einer gekauft bei Lidl, der andere bei einer Edeka-Südwest-Filiale im Baden-Württembergischen Eppingen, wie man dem Beschreibungstext entnehmen kann. Der „Lebensmittelzeitung“ erklärte Lidl, die Filiale sei ausgewählt worden, weil sie repräsentativ für eine durchschnittliche Edeka-Filiale sei. Die Werbung werde bundesweit ausgespielt – und wurde auch auf Facebook veröffentlicht.

Preiskampf zwischen Supermarkt und Discounter – mit aggressiver Werbung. - Copyright: Lidl
Preiskampf zwischen Supermarkt und Discounter – mit aggressiver Werbung. - Copyright: Lidl

Ganze 4,82 Euro sei Lidl günstiger, heißt es in der Werbung. Beim Blick in den Beitragstext zeigt sich: Zwei Euro Unterschied entfallen schon allein auf ein ganzes Kilo Paprika, das im Warenkorb liegt. Bei der Zucchini ist Lidl sogar 30 Cent pro Kilo teurer. Davon hat man dann allerdings nur 500 Gramm in den Einkaufskorb gelegt. Im Preiskampf scheinen alle Tricks erlaubt.