Zu lebenslanger Haft verurteilter türkischer Autor Altan bekommt weitere Strafe

Ein Gericht in Istanbul hat den bekannten türkischen Schriftsteller und Journalisten Ahmet Altan am Mittwoch zu knapp sechs Jahren Gefängnis verurteilt - nur zwölf Tage, nachdem er in einem anderen Prozess eine lebenslange Haftstrafe erhalten hatte

Ein Gericht in Istanbul hat den bekannten türkischen Schriftsteller und Journalisten Ahmet Altan am Mittwoch zu knapp sechs Jahren Gefängnis verurteilt - nur zwölf Tage, nachdem er in einem anderen Prozess eine lebenslange Haftstrafe erhalten hatte. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Altan "Terrorpropaganda" verbreitet und Präsident Recep Tayyip Erdogan beleidigt habe.

Altan war am 16. Februar zusammen mit seinem Bruder Mehmet und dem Journalisten Nazli Ilicak wegen angeblicher Verbindungen zu den Verantwortlichen des missglückten Putsches im Jahr 2016 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am selben Tag wurde der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel nach einem Jahr in türkischer Haft freigelassen.

Eine Gruppe prominenter Schriftsteller, darunter die Nobelpreisträger Swetlana Alexijewitsch, J.M. Coetzee und Kazu Ishiguro, bat Erdogan am Mittwoch in einem offenen Brief, die Altan-Brüder und Ilicak freizulassen. Die "rechtswidrige Festnahme und unrechtmäßige Verurteilung von Schriftstellern und Denkern" schade der Türkei, heißt es in dem in der britischen Zeitung "The Guardian" veröffentlichten Brief.

Im aktuellen Prozess bekam Altan drei Jahre Haft wegen eines Artikels, den die Richter als Propaganda für kurdische Milizen werteten. Für seine Verteidigungsschrift im vorherigen Prozess, in der er Erdogan beleidigt haben soll, wurde er zu weiteren zwei Jahren und elf Monaten verurteilt. Der 67-jährige Altan hat für mehrere führende türkische Zeitungen geschrieben und ist außerdem Romanautor.