Lebenslange Haft für Mutter von fünf getöteten Kindern aus Solingen

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Justitia (AFP/INA FASSBENDER)

Im Prozess um fünf getötete Kinder im nordrhein-westfälischen Solingen ist die angeklagte Mutter am Donnerstag wegen fünffachen Mordes aus Heimtücke zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Wuppertal erkannte zudem auf eine besondere Schwere der Schuld. Die Frau hatte im September 2020 fünf ihrer sechs Kinder in ihrer Wohnung in Solingen getötet, nur ein elfjähriger Sohn überlebte.

Als Motiv für die Tat nannte die Kammer eine Mischung aus Enttäuschung, Wut und "Verzweiflung darüber, dass das Lebenskonzept mit einer Großfamilie, die auf einer Insel vor sich hinlebt, zerplatzt ist". Die Erkenntnis, dass es im Leben ihres getrennt lebenden Ehemanns eine neue Frau gab, habe für die 28-Jährige eine "erhebliche Demütigung und Kränkung" dargestellt. Mit der Tat habe sie womöglich auch ihren Mann bestrafen wollen.

Am Tag der Tat sei Christina K. etwas entglitten, als sie ein Foto ihres Ehemanns mit dessen neuer Partnerin gesehen habe. "Ihr Leben hat sich in diesem Moment aus ihrer Sicht grundlegend geändert", sagte der Vorsitzende Richter Jochen Kötter. Das habe sie nicht ertragen können.

Die 28-Jährige ist nach Auffassung der Kammer trotz ihrer "narzisstischen Persönlichkeitsstruktur" und früherer diagnostizierter Störungen ihres Sozialverhaltens und ihrer Emotionen voll schuldfähig. Die Störungen sowie Mobbingerfahrungen hätten in ihrer weiteren Entwicklung "keinen Nachhall gefunden", sagte der Vorsitzende Richter.

Nach der Geburt ihres ersten Kinds im Jahr 2009 habe ihr Arzt K. sogar bescheinigt, ein "anderer Mensch geworden zu sein, der der Mutterrolle gerecht geworden sei". Marcels Vater habe in ihrem Leben danach keine Rolle mehr gespielt. Nach den Geburten ihrer weiteren fünf Kinder von zwei anderen Männern habe sie sich zunehmend isoliert und in den Kreis ihrer eigenen Großfamilie zurückgezogen.

"Das ist nichts Krankhaftes, sondern einfach ein Lebensentwurf“, sagte der Vorsitzende Richter Kötter. In einer "Fassadenwelt", wie die Staatsanwaltschaft es in ihrem Plädoyer formuliert hatte, lebte K. nach Auffassung der Kammer indes nicht. "Sie hat nichts 'Fassadäres' vorgespielt, sie hat so gelebt, wie sie das wollte", sagte der Richter. Den Traum ihrer Großfamilie sei für sie zerplatzt, als sie geglaubt habe, ihren Ehemann nicht mehr zurückgewinnen zu können.

Die lebenslange Haftstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sei das "richtige und angemessene Urteil", sagte der Vorsitzende Richter. "Wir sehen andererseits den Menschen dahinter, der mit dieser Schuld und dieser Unfreiheit leben werden muss". Auch über den überlebenden Jungen müsse "man sich Sorgen machen".

K. hatte sich im ganzen Verfahren nicht zu den Vorwürfen geäußert, auch ein letztes Wort verweigerte sie. Zur Urteilsverkündung erschien sie wie auch bei den Plädoyers in grauem Kapuzenpullover und grauen Jeans, dazu trug sie einen weiß-blauen Schal. "Sie war teilweise gefasst, teilweise niedergeschlagen", sagte ihr Verteidiger Felix Menke. Die Verteidigung werde prüfen, ob sie in Revision gehe, wenn das schriftliche Urteil vorliege.

"Es ist das Urteil, das sich schon die ganze Zeit abgezeichnet hat", sagte Jochen Ohliger, der den als Nebenkläger auftretenden Vater von vier getöteten Kinder vertritt. Sein Mandat befinde sich in psychischer Behandlung, um die Tat zu verarbeiten.

Nach Auffassung der Kammer hatte K. ihre fünf jüngsten Kinder am 3. September 2020 in ihrer Wohnung erstickt beziehungsweise erwürgt. Demnach verabreichte sie ihren drei Töchtern und zwei Söhnen im Alter von eineinhalb bis achteinhalb Jahren verschiedene Medikamente und tötete sie in der Badewanne. Die toten Kinder soll die zur Tatzeit 27-Jährige in Handtücher gewickelt in ihre Betten gelegt haben.

Ihr sechstes Kind war zum Tatzeitpunkt in der Schule und überlebte deshalb. Die Mutter wurde nach einem Suizidversuch im Düsseldorfer Hauptbahnhof verletzt im Krankenhaus behandelt. Ihren Sohn hatte sie laut Staatsanwaltschaft noch dazu bewegen wollen, sich vor einen Zug zu stürzen. Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen.

ruh/cfm

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