Lebenslange Haft im Prozess um Mord an Freiburger Studentin

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Gedenken an Maria L

Im Prozess um den Mord an der Studentin Maria L. in Freiburg hat das Landgericht die Höchststrafe gegen den Angeklagten verhängt. Es verurteilte Hussein K. am Donnerstag wegen Mordes und schwerer Vergewaltigung zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Die Richter wandten trotz seines ungeklärten genauen Alters Erwachsenenstrafrecht an und zeigten sich überzeugt, dass von dem Angeklagten auch künftig eine erhebliche Gefahr ausgehe.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommene K. im Oktober 2016 Maria L. nachts auf einem Radweg am Fluss Dreisam in Freiburg angegriffen hatte. Er würgte sie demnach, bis sie bewusstlos war und missbrauchte sie. Danach habe er sie in den Fluss gelegt, wo die 19-Jährige ertrank.

Der nach eigenen Angaben aus Afghanistan stammende K. räumte zu Beginn des Prozesses im September die Tat ein. Er habe sich aber "nur sehr taktisch eingelassen", sagte dazu die vorsitzende Richterin Kathrin Schenk. Das Gericht folgte etwa nicht seiner Darstellung, dass er die 19-Jährige schon vor dem sexuellen Missbrauch für tot gehalten habe. Schenk wertete dies als "Schutzbehauptung". Es sei ausgeschlossen, dass K. nicht erkannt habe, dass sie noch gelebt habe. Er habe sie dann bewusst in der Dreisam so abgelegt, dass sie ertrank.

Ein entscheidender Punkt in dem Prozess war das Alter des Angeklagten, weil ein Gericht bei Angeklagten vor Vollendung des 21. Lebensjahrs Jugendstrafrecht mit entsprechend milderen Strafen anwenden kann. Die Richter gingen letztlich davon aus, dass K. bei der Tat mindestens 18 Jahre alt war, aber ein Alter von 21 Jahren nicht ausgeschlossen werden kann. Sie entschlossen sich aufgrund seiner Persönlichkeitsentwicklung dennoch dazu, Erwachsenenstrafrecht anzuwenden.

Lebenslange Haft sei bei einem Heranwachsenden zwar nicht zwingend, aber in diesem Fall habe das Gericht diese "Milderungsmöglichkeit" nicht genutzt, sagte Schenk. Voraussetzung dafür wäre, dass eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft möglich sei. "Das hält die Kammer für nahezu ausgeschlossen", sagte Schenk. K. müsse dafür letztlich "ein anderer Mensch" werden. Es bestehe eine "erhebliche Gefahr", dass er erneut Straftaten begehe.

Die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld begründete das Gericht damit, dass K. vor seiner Ankunft in Deutschland bereits in Griechenland im Jahr 2014 wegen versuchten Raubs und versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt worden war. Er wurde in Griechenland vorzeitig aus der Haft entlassen und flüchtete nach Deutschland. Er habe sich von dieser ersten Strafe nicht beeindrucken lassen und eine noch schwerere Tat begangen, sagte Schenk.

Das Gericht entschied zudem, dass eine anschließende Sicherungsverwahrung vorbehalten bleibt. Bei einem Heranwachsenden kann diese laut Schenk nicht direkt angeordnet werden. Letztlich komme es darauf auch nicht an, weil eine lebenslange Haft nur zur Bewährung ausgesetzt werden könne, wenn jemand nicht mehr gefährlich sei.

Der Verteidiger des Angeklagten kündigte an, gegen das Urteil in Revision zu gehen. Der Anwalt der Familie von Maria L., Bernhard Kramer, sagte, für die Angehörigen sei es "sehr wichtig, dass dieser lange Prozess zu einem Ende gekommen ist".