Lebenslange Haft für drei renommierte türkische Journalisten

Ahmet Altan wurde wegen angeblicher Putsch-Beteiligung verurteilt (AFP Photo/OZAN KOSE)

In der Türkei sind am Freitag drei renommierte Journalisten wegen angeblicher Beteiligung am Putschversuch von Juli 2016 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. In dem international kritisierten Verfahren wurden die Brüder Ahmet und Mehmet Altan sowie Nazli Ilicak des "Versuchs zum Umsturz der Verfassungsordnung" schuldig befunden, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Sie hatten die Vorwürfe als "absurd" zurückgewiesen.

Das Urteil gegen sie erfolgte, kurz nachdem ein anderes Istanbuler Gericht entschied, den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel freizulassen. Den drei Journalisten wurde insbesondere vorgeworfen, vor dem Putschversuch versteckte Botschaften über die Medien geschickt zu haben.

In dem Fall wurden auch der frühere Marketingdirektor der Zeitung "Zaman", Yakup Simsek, der "Zaman"-Graphiker Fevzi Yazici und ein Dozent der Polizeiakademie, Sükrü Tugrul Özesengül, verurteilt. Die heute verbotene "Zaman" gehörte zur Gülen-Bewegung, die für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen sprach nach dem Urteil von einem "schwarzen Tag" für die Pressefreiheit in der Türkei. Anfang Januar hatte das Verfassungsgericht die Freilassung von Mehmet Altan angeordnet, da seine lange U-Haft seine Rechte verletze. Ein untergeordnetes Gericht in Istanbul weigerte sich jedoch, das Urteil umzusetzen. Nach scharfer Kritik der Regierung revidierte das Verfassungsgericht sein Urteil.

Der 65-jährige Mehmet Altan hat mehrere Bücher zur türkischen Politik verfasst, sein zwei Jahre älterer Bruder ist Romanautor und Mitbegründer der Zeitung "Taraf". Ebenso wie die 73-jährige Schriftstellerin Ilicak gehören sie zu den renommiertesten Journalisten des Landes.