Lebenserwartung in Deutschland steigt voraussichtlich weiter

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Passanten in Halle in Sachsen-Anhalt

In diesem Jahr geborene Kinder haben gute Chancen, 90 Jahre oder älter zu werden. Im Jahr 2017 geborene Jungen könnten durchschnittlich bis zu 90 Jahre alt werden, Mädchen sogar bis zu 93 Jahre, wie das Statistische Bundesamt am Freitag auf Grundlage neuer Modellrechnungen mitteilte. Voraussetzung ist demnach, dass sich der Trend zu einem längeren Leben etwa durch Fortschritte in der Medizin fortsetzt.

Nach der niedrigeren Variante der Modellrechnungen liegt die durchschnittliche Lebenserwartung für Jungen bei 84 Jahren und für Mädchen bei 88 Jahren. Vor hundert Jahren geborene Jungen und Mädchen hatten dagegen nur eine Lebenserwartung von 55 beziehungsweise 62 Jahren.

Die Chancen, ein hohes Alter zu erreichen, stiegen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich. Nur etwa 54 Prozent der Männer und 65 Prozent der Frauen, die 1917 geboren wurden, wurden mindestens 65 Jahre alt. Von den in diesem Jahr geborenen Kindern könnten den Berechnungen zufolge 95 Prozent der Jungen und 97 Prozent der Mädchen dieses Alter erreichen.

Das Alter von 90 Jahren würden dem Modell zufolge immerhin noch 62 Prozent der Männer und 73 Prozent der Frauen erreichen. Eine Chance, sogar 100 Jahre alt zu werden, haben demnach bis zu 16 Prozent der 2017 geborenen Jungen und bis zu 22 Prozent der Mädchen.

Die Statistikbehörde verwies aber zugleich darauf, dass solche Lebenserwartungen eng mit weiteren Fortschritten in der Medizin, gesünderen Lebensstilen und einem steigenden Wohlstand der Bevölkerung verknüpft seien. Zudem müssten Kriege, Umwelt- oder Wirtschaftskatastrophen ausbleiben.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) forderte die Politik auf, Konsequenzen aus der steigenden Lebenserwartung zu ziehen. "Um die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu meistern, braucht es weit mehr als die Altersversorgung auf die Agenda der nächsten Bundesregierung zu setzen", erklärte GDV-Präsident Alexander Erdland.

Steigende Lebenserwartung und starre Altersgrenzen passten auf Dauer nicht zusammen, zeigte sich Erdland überzeugt. Er forderte deshalb, "politisch und unternehmerisch" neue Wege zu gehen, um Arbeitnehmer länger im Unternehmen zu halten. Eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit müsse auch von einer bildungspolitischen Offensive begleitet werden. Denn gute und vor allem lebenslange Bildung sei eine entscheidende Voraussetzung, damit längeres Arbeiten gelingen könne.