Leben an ungewöhnlichen Orten: Das Wohnzimmer in einer ehemaligen Tankstelle

Die Klettenberger Familie ter Smitten ist glücklich in ihrer umgebauten Tankstelle.

Die Rosen an der hinteren Fassade hätten sich ruhig ein bisschen Mühe geben können, um wenigstens ansatzweise blau zu werden. Dann hätte man am Haus noch eine farbliche Verbindung zu dem Unternehmen, das früher Nutzer der Immobilie war.

Da den heutigen Bewohnern aber durchaus daran gelegen ist, hier und da Anklänge an die alte Zeit durchschimmern zu lassen, wäre für den kleinen, im Garten aufgestellten Pool kaum Gelb oder Grün in Frage gekommen, sondern eben nur dieses leuchtende Aralblau, zu dem sich Rosen naturgemäß selten durchringen können.

Wer die Familie ter Smitten in ihrem Eigenheim in Klettenberg besucht, kann sich schwer vorstellen, dass dieses Haus vor ihrem Einzug zwei oder drei Jahre leergestanden hat. Um das nachvollziehen zu können, muss man einen Blick auf die alten Fotos werfen, die das Objekt noch rudimentär als das zeigen, was es einmal war: eine Tankstelle.

Dort, wo heute das einladende Wohnzimmersofa der ter Smittens steht, war der Kassenraum und direkt daneben Kompressor und kleine Küche. Da, wo nun der Esstisch ist, war die Werkstatt samt Hebebühne. Schmuddelige Wandkacheln und Ölflecken auf dem Boden – so hat sich die Immobilie dem Ehepaar zunächst dargestellt.

Annonce 2004 entdeckt

Es war im Winter 2004, als Barbara und Hans ter Smitten – damals noch in Zollstock wohnend – im „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf die entsprechende Annonce stießen. Obwohl für das denkmalgeschützte Objekt in erster Linie gar keine private Nutzung vorgesehen war, hatte die Anzeige für die Physiotherapeutin und den Patentanwalt etwas Verlockendes. Die beiden sahen den schönen Raum mit der großen Fensterfläche und vor allem das markante Vordach und waren sofort überzeugt, dass man daraus etwas Tolles würde machen können.

„Nur weil etwas dreckig und auf den ersten Blick unansehnlich wirkt, muss es ja nicht das Vorstellungsvermögen trüben“, meint der studierte Maschinenbauingenieur, der sich im Gegensatz zu anderen kurzfristig Interessierten aber auch nicht von dem Gedanken bange machen lassen wollte, dass das Gelände in irgendeiner Form belastet gewesen sein konnte. „Es gab ja Gutachten, die man einsehen konnte.“ Etwas anderes schreckte ihn da schon eher ab: die Bahngleise in unmittelbarer Nähe zur Rhöndorfer Straße.

Bevor sie im Dezember 2004 den Kaufvertrag unterschrieben, „haben wir uns einen Tag hier hingestellt und überprüft, ob das mit Geräuschen geht.“ Ergebnis: alles halb so wild. Es verging allerdings noch ein ganzes Jahr, bis neue Böden gelegt und die Verbindung zum ersten Reihenhaus hergestellt war und das Ehepaar samt der damals noch ganz kleinen Lina an Weihnachten einziehen konnte.

„Ich bin dann mal weg zur Tanke“

Sich mit den Worten aus dem Büro zu verabschieden, „Ich bin dann mal weg zur Tanke“, ist ter Smitten bis heute nie in den Sinn gekommen. Wohl aber kann er jedem, der fragt, wie aus der Pistole geschossen den aktuellen Benzinpreis nennen.

Aber das sei Zufall und habe nichts damit zu tun, dass sie in einer ehemaligen Tankstelle wohnten, betont der 53-Jährige, der es sehr bedauert, bis heute nicht in den Besitz von Fotos gekommen zu sein aus der Zeit, in der die Tankstelle noch betrieben wurde. Ganz bewusst haben die ter Smittens das Thema Werkstatt in architektonischen Details aufgegriffen. So lassen einige Beleuchtungsobjekte an Autoscheinwerfer denken, und irgendwie hat das Untergestell des Esstischs Ähnlichkeit mit einer Hebebühne.

Dass die großen, leicht geschwungenen Fenster ihren Metallrahmen behalten haben, war Vorgabe des Denkmalschutzes. Dass dort keine Vorhänge hängen, ist indes eine Entscheidung der heutigen Bewohner, die es nicht stört, wenn jemand Fremdes reinguckt. „Uns stört das nicht, wir können ja auch rausgucken“, stellt ter Smitten fest.

Noch immer betrachtet es die Familie, zu der neben der zwölfjährigen Lina die praktisch ins Haus hineingeborene Tochter Edda (10) zählt, als großes Glück, in einem solchen Objekt wohnen zu können. „Solche Räumlichkeiten– so hell und hoch mit so viel Freiraum draußen, wo kriegt man das noch in Klettenberg?“ Das Auffälligste an diesem pavillonartigen Objekt aus Stahlbeton, das übrigens vor genau 60 Jahren vom Architekten Georg Franke errichtet wurde, ist die weit über das Gebäude herausragende Dachplatte, die den ter Smittens etwa hundert Quadratmeter überdachte Terrasse beschert.

Nicht allein ihnen, muss man fairerweise sagen. Vor allem bei Sportevents wie Fußball-EM oder -WM wird der Nachbarschaft einer der attraktivsten Public-Viewing-Plätze zur Verfügung gestellt. „Da haben wir manchmal mehr als 50 Leute hier“, erzählt Barbara ter Smitten. Ein imposanter Grill und ein Holzbackofen bezeugen, dass „das verlängerte Wohnzimmer“ oft und gerne genutzt wird. „Eine gute Ehefrau weiß stets, wo ihr Platz ist“, steht auf einem stark an die 50er Jahre angelehnten Bild des Klettenberger Künstlers Alo Schmitz. Barbara ter Smitten würde ihren Platz jedenfalls nicht eintauschen wollen....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta