Leben an ungewöhnlichen Orten: Wohnen auf 13 Quadratmetern – Kölner baut Mini-Häuser

Der Kölner Harald Hielscher baut Mini-Holzhäuser auf Rädern.

Einen Hang zur Gigantomanie wird man Harald Hielscher kaum unterstellen können. Aber es ist nicht auszuschließen, dass aus seinem „Tiny-House-Projekt“ was Riesengroßes wird. Wenn der Zuspruch weiter wächst, und danach sieht es aus, könnte der Kölner hierzulande Vorreiter einer Bewegung werden, die in den USA längst Furore macht. Größer, weiter, schneller war gestern. Entschleunigen und Reduzieren ist angesagt.

Mittags auf dem Rodenkirchener Campingplatz: Der Besitzer eines gigantischen Wohnmobils mit Münchner Kennzeichen lässt sich nichts anmerken, als er neben seinem fahrbaren Luxusdomizil schon wieder Leute stehen sieht, die mit fast andächtigem Blick auf ein winziges Holzhaus starren.

Anschließend landen diese Leute oft bei Campingplatz-Chef Bernhard Berger und erkundigen sich, ob man die Hütte mieten könne. Kurioserweise kommt die Frage überwiegend von Menschen, die bereits über ein mobiles Heim verfügen. Irgendwie entspricht der Winzling mit den roten Fensterrahmen einer Art Kindchenschema auf vier kleinen Rädern. Nahezu jeder lächelt beim Eintreten.

Astlöcher und Harzgeruch anstatt glatter abwaschbarer Innenflächen, das liegt – zumindest bisher – jenseits der hiesigen Camperwelt. Harald Hielscher hat die Idee auch von weit hergeholt.

Idee aus den USA mitgebracht

Kurz nach der Jahrtausendwende hatte der 59-Jährige viel in Florida zu tun, was sich dadurch ergab, dass seine Frau Ira ihr Unternehmen für Hotelgutscheine teils von Köln, teils von den USA aus lenkt. Hielscher, gelernter Elektriker, konnte in Florida die Auswirkungen der Immobilienkrise dahingehend nutzen, dass er hier und dort marode Häuser kaufte, aufmöbelte und in Ferienobjekte für Deutsche umwandelte.

Während dieser Zeit lernte er alles, was man zum Hausbau braucht: Mauern, Dachdecken, Leitungen legen und Vieles mehr. Nebenher erfuhr er aus dem amerikanischen Fernsehen, dass im Land der unbegrenzten Möglichkeiten längst ein Tiny-House-Movement, eine Winzig-Haus-Bewegung entstanden war.

Hielscher begann im Internet zu suchen, entdeckte, dass bereits etliche Industriezweige auf dieses Thema angesprungen waren und wurde wenig später unerwartet mit der Realität konfrontiert: Vor ihm auf dem Highway fuhr ein Fahrzeug, das solch ein Holzhaus auf einem Hänger hinter sich herzog.

Ein klassischer Fall von Heureka-Effekt. Hielscher recherchierte weiter, fand ein Unternehmen, das genau den Typ von Häusern herstellte, besorgte sich für 700 Dollar den Bauplan und stieg intensiv in die Materie ein.

Als er im Herbst vergangenen Jahres von einem seiner inzwischen 120 Florida-Flüge nach Köln zurückkehrte, besuchte er Bernhard Berger auf dessen Campingplatz und zeigte ihm ein paar Tiny-House-Abbildungen. Berger, der daraufhin interessiert fragte, wo es denn so was gebe, bekam zur Antwort: „Das kann ich bauen!“

Als erstes besorgte sich der 59-Jährige einen Hänger, fuhr zum Baumarkt und kaufte „425 Meter Vierkantholz – Fichte, Tanne und Douglasie“ – und begab sich ans Sägen. Inzwischen ist klar, dass die winzige Halle im Rodenkirchener Industriegebiet, wo der Tiny-House-Bauer mit Hilfe von lediglich zwei Mitarbeitern das zweite Haus konstruiert, auf Dauer nicht ausreichen wird.

„Villa Amigo 2.0“ mit 13 Quadratmetern

Seitdem er im Juni nach viereinhalb Monaten reiner Bauzeit die „Villa Amigo 2.0“ fertiggestellt und als Anschauungsobjekt zum Campingplatz gebracht hatte, hagelt es Anfragen wie die eines Sauerländer Ehepaars, das sich solch ein Haus (Preis: circa 39.000 mit kompletter Innenausstattung) als Gästeunterkunft aufs Grundstück stellen möchte.

„Es gibt aber auch Leute, die wollen sofort selber einziehen“, berichtet Hielscher. Diese Leute übersehen in ihrer ersten Begeisterung aber möglicherweise, dass das Holzmobil auf Rädern – zumindest noch – über keine Verbindung zum Abwassersystem verfügt. „Aber auch da gibt es Lösungen“, sagt der Erbauer.

Die „Villa Amigo 2.0.“ hat eine Grundfläche von 13,2 Quadratmetern. Die Empore, auf der sich das Hochbett befindet, misst 4,80 Quadratmeter. Insgesamt hat man also 18 Quadratmeter nutzbaren Raum mit neun Fenstern – oder anders ausgedrückt: „Zwei Zimmer, Küche, Diele, Bad, Balkon“, wie Hielscher es formuliert.

Die Küche verfügt über zwei Induktionskochfelder, Kühlschrank und Spüle, das Bad über eine Dusche in Normalgröße, im Wohnbereich gibt es einen Essplatz und Sessel für zwei, nur auf einen wandüberspannenden Flatscreen müssen die Bewohner verzichten, „es gibt lediglich ein Tiny-TV“.

Bei seinem zweiten Prototyp, der in vier Wochen fertig sein dürfte, hat Hielscher sich für ein Satteldach mit zwei verschiedenen Neigungen entschieden, was ihm etwas mehr Raum eröffnet und die Möglichkeit verschafft, außer dem geräumigen Doppelbett noch einen Not-Schlafplatz einzubauen.

Mit 3,96 Metern Höhe liegt er knapp am erlaubten Maximum von vier Metern, bei der Breite ist mit 2,50 Metern bereits alles Machbare ausgeschöpft. In puncto Länge wäre, wie man so schön sagt, noch viel Luft nach oben. Würde er die von der Straßenverkehrsordnung gestatteten 18 Meter ausschöpfen, wäre Hielscher in etwa da, wo der eingangs erwähnte Münchner bereits ist. Aber auf Länge kommt es beim Tiny-House-Bau am allerwenigsten an....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta