Leben an ungewöhnlichen Orten: In der Polizeiwache Kalk wohnen nun Studenten

Lara Müller und Saskia Espenlaub wohnen in einer umgebauten Amtsstube.

„Ausfahrt freihalten – Polizeiinspektion 8“, prangt auf dem Schild an dem massiven Metallzaun, der die alte Polizeiwache in Kalk umschließt. Aber statt Streifenwagen, grüne Minnas und anderen Einsatzfahrzeugen parken auf dem grau gepflasterten Areal ein paar zivile Autos mit und ohne Nummernschild.

In der Mitte des eingezäunten Parkplatzes befindet sich ein mit kniehohem Gras bewachsenes Karree. Die kleine grüne Insel ist so etwas wie die soziale Mitte der ehemaligen Wache. „Hier machen wir dann schon mal im Sommer ein Hausfest, mit Picknickdecken und Grill“, erzählt Saskia Espenlaub.

49 Studierenden leben in der ehemaligen Polizeiwache

Die 23 Jahre alte Jura-Studentin ist die sogenannte Verwaltungshelferin des Kölner Studierendenwerks für das 2014 eröffnete Wohnheim. Seit zwei Jahren leben 49 Studierende dort, wo einst Polizisten Büro an Büro ihren Dienst verrichteten, Betrunkene ausnüchterten und Randalierer in Arrestzellen ihr Gemüt abkühlten.

Angesichts der studentischen Wohnungsnot hatte die Kölner Wohnungsbaugesellschaft GAG das leerstehende Gebäude der alten Kalker Polizeiwache an der Kapellenstraße vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen erworben und umgebaut. Aus den Polizeibüros wurden durch Zusammenlegung von Räumen Studenten-WGs für drei, vier oder sechs Personen mit möblierter Küche.

Das Raumkonzept mit den vielen kleinen Amtsstuben der Beamten wurde so umgestaltet, dass für ein Studentenwohnheim vergleichsweise sehr großzügige Zimmer mit einer Größe von 18 bis 20 Quadratmetern entstanden. Nebst dem Luxus eines Tageslichtbades.

Der Büro-Charme ist teilweise erhalten geblieben

„Eigentlich ist einem das überhaupt nicht bewusst, dass das Gebäude vorher mal eine ganz andere Funktion hatte“, meint Espenlaubs WG-Mitbewohnerin Lara Müller (23). Gemeinsam stehen die beiden mit Trockentuch in der Hand in der Küche beim Abwasch. „Spülmaschinen gibt es hier leider keine.“

Wer genau hinschaut, sieht noch einige Reminiszenzen an die bisweilen triste Behördenzeit: Weißer Rauputz an den Wänden, die Heizungsverkleidungen sind in dezentem mausgrau aus Kunststoff gehalten. Und in allen Räumen hängen jene langen Leuchtröhren, die wie ein aufgehängtes Schiff an der Decke baumeln und unweigerlich an lange Behördenflure und Büros erinnern.

„Da die so ungemütlich kaltes Licht abstrahlen, haben wir die aber zumindest in unseren WG-Zimmern abgehängt“, meint Müller. In der Ecke grüßen statt Garderobenständern mit Uniform und Polizeimütze die Kiste Krombacher samt Wischmopp und Staubsauger. Das graue Linoleum hat Espenlaub durch einen runden lilafarbenen Teppich aufgepeppt.

Die Flure der 6er-WGs mit ihren langen Backsteinmauern lassen immerhin erahnen, dass hier früher einmal der Amtsschimmel gewiehert hat. Statt des Dufts von zahllosen Akten liegt aber der Blütenduft frisch gewaschener Wäsche in der Luft. Die Wäscheständer stehen dazu im Flur Spalier, und die Schuhregale dokumentieren den extravaganten Geschmack einiger Mitbewohner.

Arrestzellen im Keller sind verriegelt

Die Arrestzellen im Keller sind allerdings fest verrammelt. Hinter der großzügigen Waschküche, in der noch die Leitungen der Duschen zu erkennen sind, die die Beamten nach einem anstrengenden Einsatz nutzen konnten, sind die Zellentüren versiegelt. „Leider“, meint Saskia Espenlaub. Eigentlich fehle in dem Studentenwohnheim ein Gemeinschaftsraum für die Winterzeit – dann, wenn das kleine Gras-Karree keine Alternative ist.

Auch einen Fitnessraum würden die Bewohner hier im Keller schon einrichten: „Dass das Sozialleben dann in ehemaligen Arrestzellen stattfinden würde, hätte keinen davon abgehalten.“ Aber letztlich scheitert die Nutzung an zweierlei: Erstens waren die Zellenwände nach Angaben des Studierendenwerks für einen Umbau einfach zu dick. Und zweitens fehlten die notwendigen zwei Fluchtwege....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta