Das Leben einer Stripperin – auf & hinter der Bühne (NSFW)

Hayley MacMillen
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Das Leben einer Stripperin – auf & hinter der Bühne (NSFW)

Stripperinnen werden in der Popkultur oft als einer von zwei Charakteren dargestellt: entweder als hypersexualisierte Lustobjekt oder als Stripperin mit einem Herzen aus Gold. Poppy de Villeneuve, Regisseurin und Fotografin, und Chloe Hall, Produzentin und Regisseurin, haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit stereotypen, veralteten und männlich dominierten Klischees zu Stripperinnen zu brechen – und eine Ebene tiefer zu gehen.

Sechs Monate verbrachten die beiden in Stripclubs in Dallas im US-Bundesstaat Texas, um eine Dokumentation über das Strippen in einer der konservativsten Gegenden der U.S.A. zu drehen. In dieser Zeit erhielten sie nicht nur einen tieferen Einblick in die Club, sondern lernten auch die Tänzerinnen besser kennen und trafen sogar manche Besitzer.

In den Vereinigten Staaten gibt es mehr Stripclubs als an irgendeinem anderen Ort auf dieser Welt, betonen de Villeneuve und Hall, und trotzdem beharren große Teile der Bevölkerung auf einem sehr veralteten und unverhältnismäßig beschränkten Verständnis dieser Industrie. Poppy und Chloe möchten mit ihrem Projekt Aspekte enthüllen, die bisher nicht nur mysteriös wirkten, sondern prüde betrachtet wurden. Doch vor allem wollen die Filmemacherinnen mit der Doku das Narrativ verändern, „der weiblichen Erfahrung eine Stimme geben, die Industrie endlich vermenschlichen“.

Liebe, Geld, Macht

Die Doku, welche unter dem Arbeitstitel The Dallas Project läuft, soll die ganz eigenen Ansichten und Erfahrungen der Tänzerinnen und Manager aufzeigen, von denen jede*r ganz eigene Geschichten beizutragen hat. „Ich hatte noch nie hinter die Kulissen eines Stripclubs geblickt, bevor wir mit dem Projekt begonnen hatten“, erinnert Poppy. „Wir haben so viele unterschiedliche Frauen kennengelernt, und Männer auch, die nach genauso unterschiedlichen Dingen suchen: Liebe, Geld, Macht. Diese Menschen sind meist wirklich kein Stück anders als wir. Wir haben mit vielen jungen Frauen gesprochen, die sich selbst gerade finden und versuchen, sich in einer sonst sehr chaotischen Welt mit dem Strippen eine Konstante zu schaffen.“

Wieso wählen Frauen den Beruf?

„Strippen ist noch immer ein sehr einseitig weiblicher Beruf“, so schreiben die Produzentinnen. „Frauen ziehen sich aus, Männer schauen zu. Dieser Film soll einen Blick auf die Frauen als Subjekte werfen, nicht als Objekte. Unsere Absicht ist es nicht, das Strippen zu einem Akt des Feminismus zu deklarieren, aber wir wollen die Vielfalt der Hintergründe erkunden. Wir wollen tiefer einblicken in die Beweggründe, die eine Frau dazu bringen, diese Arbeit zu tun, denn die Summe besteht oft aus komplexeren Variablen, als uns gemeinhin bekannt ist.“

Poppy hat uns eine Auswahl der Filmstills und Fotos zur Verfügung gestellt, die während des Drehs entstanden sind. The Dallas Project ist mittlerweile in Produktion, den Trailer findet ihr am Ende des Artikels.

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„Dieses Foto habe ich vor sechs Jahren geschossen, als ich zum ersten Mal in Virginia war“, erzählt uns Poppy. „Ich denke jedes Mal daran, wenn Chloe und ich in Dallas ankommen – diese Schilder sieht man immer wieder entlang der Straßen in Amerika. Jetzt wissen wir endlich, was sich dahinter verbirgt... tatsächliche Illusionen!“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Maria ist eine Meisterin im Pole-Dancing“, sagt Poppy. „Sie hat ein wunderschönes Gesicht. Ihr Stagename ist Chaos. Ihr Freund ist DJ, sein Künstlername ist Destroy. Zusammen heißen sie also Chaos und Destroy – Chaos und Zerstörung. Besser geht's wohl kaum, oder?“

„Maria ist zum ersten Mal mit dem Strippen in Berührung gekommen, als ihr Auto in der Nähe eines Stripclubs an der Autobahn absackte und nicht mehr anspringen wollte. Sie hatte nicht genug Geld, um es abschleppen zu lassen, ging sie in den Club und bot sich spontan an. Sie ist schon immer sehr athletisch gewesen, und genauso leistungsorientiert geht sie auch diesen Beruf an. Sie ist ehrgeizig, gibt alles, um die Kunst des Tanzes an der Stange perfekt zu beherrschen. Damit gewinnt sie hoch dotierte Preise und pusht sich jedes Mal ein bisschen weiter.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Tatum in der Umkleidekabine. Als sie den Raum betritt, wirkt sie sehr unauffällig. Wie eine junge Frau, die gerade von der Uni kommt, in einem ganz gemütlichen Outfit“, erklärt Poppy. „Das Bild zeigt einen Moment, in dem wir die Transformation beobachten können. Es war gerade Independence Day, deshalb das rot-blaue Outfit. Tatum sagt von sich selbst, dass sie sich so sehr an das gute Geld und den damit einhergehenden Standard gewöhnt hat, dass sie sich hier wohl fühlt. Außerdem sei der Club eine Welt, in der sie ihre vielen Egos ausleben kann: slutty, schüchtern, immer im Wandel. Trotzdem sieht sie diese Arbeit nur als Übergangsphase in ihrem Leben.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

Personalisierte Spinde im Umkleideraum eines Clubs.

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Das ist eine Tänzerin der Fantasy Ranch“, erzählt Poppy. „Der Club war immer unglaublich großzügig darin, uns Zutritt zu verschaffen. Wir kennen die Routinen und Schichten der einzelnen Frauen und sprechen mittlerweile sehr locker mit ihnen hinter den Kulissen. So kriegen wir auch einen Sinn dafür, wie das eigentliche Business fernab vom Bühnencharme abläuft.“

„Wie man sich vielleicht vorstellen kann, sieht man in Stripclubs ziemlich viele Tattoos“, erzählt Poppy. „Sie können camouflage-artig wirken... sie können ablenken und den Fokus auf etwas ganz anderes steuern.“

„Diese Schleifen hatten es mir angetan. Wir haben mehrmals versucht, mit dieser Frau zu sprechen, doch sie war etwas sprunghaft, hat immer wieder kurzfristig abgesagt.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Diese drei Frauen arbeiten in einem Club namens Platinum“, sagt Poppy. „Als wir mit ihnen draußen auf dem Floor waren, stimmten sie ein und fingen an, echt gut zu singen. So verbrachten wir die Zeit, in der sie auf Kunden warteten. Im Platinum wird tatsächlich eher soulige Musik gespielt, anders als in den meisten Clubs. Diese Ladies waren zudem auch wirklich bewunderswert an den Stangen unterwegs.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Dieses Mädchen wollte nicht interviewt oder gefilmt werden. Sie war eher abgeneigt von dem Projekt, aber ein Foto hat sie mir erlaubt.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Der menschliche Körper wirkt in diesem Licht wirklich fantastisch. Die Dunkelheit verleiht dem Ganzen aber auch eine gewisse Einsamkeit“, erinnert Poppy. „Eine Stripperin hat es mal ganz gut zusammengefasst, als sie sagte, es sei, als würde man in seinem eigenen Schlafzimmer bei ausgeschaltetem Licht tanzen.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Sarah und Cole waren wie ein frischer Wind“, sagt Poppy über das Paar. „Cole kommt aus einer Stripperfamilie, seine Mutter und seine zwei Schwestern tanzen alle professionell, somit ist er Sarah gegenüber völlig unvoreingenommen und versteht, was sie tut.“

„Sarah hat die Konturen ihres Heimatstaats Texas auf ihrem Oberschenkel tättowiert und träumt davon, eines Tages als Tierärztin im Zoo zu arbeiten.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Die Szenen im Club ähneln oft alten Malereien oder Bildern“, stellt Poppy fest. „Der nackte Körper hat einfach gewisse zeitlose Qualitäten, die vor allem dann betont werden, wenn er in dunklem, sehr gezieltem Licht dargestellt wird. Alle Formen werden genau konturiert, es blitzen immer wieder Details hervor, die sonst schnell übersehen werden. Ich denke dabei oft an die Storyville-Portraits aus New Orleans, die Bellocq fotografierte.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Das ist Brittany bei der Poolparty ihres Clubmanagers“, sagt Poppy. „Wir sprachen über ihren Glauben an Hexerei und ihre Ansichten zu Religionen – ihr Verstand ist wirklich gestochen scharf. Sie ist so sexy und elegant, ich glaube, dass sie eine lange, sehr erfolgreiche Karriere vor sich hat.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Hier sehen wir einen ganz guten Ausschnitt des rotierenden Rhythmus auf der Bühne. Die Mädchen haben schätzungsweise zwei Minuten pro Song, dann wechseln sie zur nächsten Bühne. Im Vordergrund sehen wir die Hauptbühne.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

„Paige war sehr schüchtern, wir haben uns vorab also nicht groß unterhalten. Doch sobald die Kamera auf sie gerichtet war, wurde sie zu einer völlig neuen Person. Und das ist es, was so viele der Frauen gemeinsam haben: diesen nahtlosen Übergang zu einem Alter Ego. Es ist wirklich interessant, sich mit ihnen genau darüber zu unterhalten, denn jede hat ihre ganz eigene Geschichte.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

In diesem Foto sieht man Rusty, die auch in The Dallas Project mitwirkt. „Sie kommt ursprünglich aus Russland. Sie erzählte uns, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Tänzerinnen, ein sehr ruhiges Leben führt und die meiste Zeit mit ihrem Sohn verbringt.“

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

"This is Destiny and her daughter," Poppy says. "They are living in a motel at the moment, while she is between places."

PHOTO: COURTESY OF Poppy de Villeneuve.

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