LBBW steigert Gewinn auf mehr als eine halbe Milliarde Euro

Deutschlands größte Landesbank legt beim Kapitalmarktgeschäft deutlich zu. Höhere Aufwendungen in Wachstum und Technik belasten das Spartenergebnis.


Einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag hat Rainer Neske für 2017 versprochen. Genau 515 Millionen Euro Vorsteuerergebnis hat der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) geliefert. „Insgesamt ziehen wir eine positive Bilanz“, sagte Neske daher bei der Vorstellung der Jahreszahlen am Donnerstag.

Noch im Jahr davor hatten Abschreibungen auf die Tochter Sachsen LB den Gewinn massiv belastet. Das Vorsteuerergebnis hatte bei 142 Millionen Euro gelegen, nach Steuern waren es elf Millionen Euro. Für 2017 fiel diese Kennzahl mit 419 Millionen Euro deutlich höher aus. Die harte Kernkapitalquote verbesserte sich per Ende 2017 auf 15,7 Prozent von 15,2 Prozent ein Jahr zuvor.

Neske steht seit Ende 2016 an der Spitze von Deutschlands größter Landesbank. Er hat dem Institut eine neue Strategie mit anderen Schwerpunkten verordnet – nach Jahren der Sanierung.


Die LBBW hatte sich in der Finanzkrise verhoben und musste mit Steuergeldern gerettet werden. Jetzt gehe es nach Jahren des Risikoabbaus darum, das Geschäftsmodell besser auszuschöpfen und die Digitalisierung zu forcieren, hatte er vor einem Jahr angekündigt. Das schließt auch den Ausbau des Geschäfts mit Firmenkunden ein.

Im vergangenen Jahr war es aber vor allem das Kapitalmarktgeschäft, das deutlich zulegte. Die LBBW profitierte unter anderem von der steigenden Nachfrage nach Wertpapieren, einer Folge der Niedrigzinsen. Das Vorsteuerergebnis dieser Sparte legte im Jahresvergleich von 110 auf 194 Millionen Euro zu.

Im Geschäft mit Unternehmenskunden haben dagegen höhere Aufwendungen für Wachstums- und IT-Projekte das Ergebnis belastet. Neske räumte ebenfalls ein: Im Kreditgeschäft habe zwar die Bank zulegen können, „nur kommt das leider nicht in dem Maße im Zinsergebnis an, wie wir uns das wünschen würden.“ Denn die Finanzierungsmargen stünden „erheblich unter Druck“. Der Zinsüberschuss – die die wichtigste Einnahmequelle der Bank - ging um fast fünf Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro zurück.


Auch bei den Kosten der Bank ist Neske bei weitem noch nicht am Ziel. Das Verhältnis zwischen Kosten und Ertrag lag bei 75 Prozent. Damit schneidet das Institut schlechter ab als einige Konkurrenten. Auf längere Sicht versprach der LBBW-Chef Besserung. „Da peilen wir einen Wert von deutlich unter 70 Prozent an“, sagte er, ohne allerdings einen konkreten Zeitpunkt dafür zu nennen.

Derzeit seien noch massive Investitionen notwendig, etwa in technische Plattformen, um die Bank zukunftsfähig zu machen. Daher sei eine deutliche Kostensenkung noch nicht so schnell erreichbar.

Für das laufende Jahr erwartet die Bank erneut ein Vorsteuerergebnis im mittleren dreistelligen Bereich. Die Rahmenbedingungen würden sich wohl nicht so schnell ändern, sagte Neske. „Wir erwarten kein schnelles Ende der Politik des billigen Geldes“. Doch das sei kein Grund zur Klage. „Es ist unser Job“, so der LBBW-Chef, „damit umzugehen“.