Lauterbach im "heute-journal": "Wir werden eine vierte Impfung brauchen"

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Die Omikron-Variante ist auf dem Vormarsch: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnete im "heute-journal" mit einer vierten Corona-Impfung. (Bild: ZDF)
Die Omikron-Variante ist auf dem Vormarsch: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnete im "heute-journal" mit einer vierten Corona-Impfung. (Bild: ZDF)

Die Booster-Kampagne ist in vollem Gange, doch Omikron macht wohl auch eine vierte Impfung nötig. Davon geht Karl Lauterbach im "heute-journal" aus. Der Gesundheitsminister trat auch Kritik an vermeintlich zu zögerlichen Beschlüssen der Ampel-Koalition entgegen.

Aktuell läuft die Booster-Impfkampagne in Deutschland auf Hochtouren und soll zum Schutz vor der neuen Virusvariante Omikron schnellstmöglich noch ausgeweitet werden. In Israel, wo man deutlich früher mit dem Impfen und Boostern begonnen hatte, wird nun bereits die vierte Spritze für Menschen über 60 und medizinisches Personal vorbereitet. Im ZDF-"heute-journal" am Mittwochabend wollte Marietta Slomka von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wissen, ob auch in Deutschland ein viertes Mal geimpft wird. "Wir werden eine vierte Impfung brauchen", gab der SPD-Politiker eine klare Antwort.

Dies sei jetzt schon absehbar, da eine spezifische Impfung gegen Omikron vonnöten sei. "Das ist mein derzeitiger Kenntnisstand von der Lesart der wissenschaftlichen Daten, die wir haben", erläuterte Lauterbach. So habe man bereits 80 Millionen Dosen des dann an die Variante angepassten Impfstoffs bei BionTech bestellt, auch von Moderna und womöglich anderen Herstellern werde man entsprechende Kontingente beschaffen. Unklar ist, ob wie in Israel auch mit den jetzt schon zugelassenen Vakzinen ein viertes Mal geimpft werden soll. "Ich bin ganz sicher, dass die Stiko die wissenschaftlichen Daten aus Israel sehr früh auswerten wird", erklärte der Gesundheitsminister.

Gegenüber Marietta Slomka erklärte Karl Lauterbach, auch in Regierungsverantwortung weiter als Mahner auftreten zu wollen. (Bild: ZDF)
Gegenüber Marietta Slomka erklärte Karl Lauterbach, auch in Regierungsverantwortung weiter als Mahner auftreten zu wollen. (Bild: ZDF)

"Die Länder können früher agieren. Und die Länder sind ja auch in der Pflicht."

Ebenfalls angesprochen wurde die Frage, ob die Ampelkoalition auf die prognostizierte Omikron-Welle nicht zu zögerlich reagiere. RKI-Chef Lothar Wieler hatte jüngst gewarnt, die Omikron-Variante könnte zu Weihnachten hierzulande bereits dominant sein. Laut Lauterbach müsse man befürchten, dass sich Omikron schnell verbreitet. Dabei betonte der SPD-Politiker, die Länder müssten die Beschlüsse zwar bis 28. Dezember umsetzen, könnten aber schon früher aktiv werden. "Die Länder können früher agieren. Und die Länder sind ja auch in der Pflicht."

Am Wichtigsten sei nun, wie die Menschen das Weihnachtsfest verbrächten. Karl Lauterbach riet zum Testen - falls nötig mehrmals -, wenn Reisen zum Fest angetreten werden. "Das ist die sicherste Maßnahme, die wir haben." Auch die Booster-Impfkampagne gehe "ja jeden Tag weiter." Lauterbach unterstrich: "Wir haben ja viele Beschlüsse, die gelten. Wir fangen ja nicht bei Null an."

"Ich werde weiterhin der Mahner und der Warner bleiben"

Der SPD-Politiker erkennt in den politischen Beschlüssen keinen Widerspruch zu Empfehlungen des Expertenrats, der "sehr gute Vorschläge" gemacht habe. So befinde er sich in ständigen Austausch, auch mit Kolleginnen und Kollegen im Ausland. "Bei mir im Haus wird es keine Zensur von wissenschaftlichen Arbeiten geben", entgegnete Lauterbach auf kolportierte Unstimmigkeiten mit RKI-Chef Wieler angesprochen. Aber: "Experten müssen entscheiden, was die Situation ist, und die Politik muss dann entscheiden, was gemacht wird."

Sein vermeintlich zögerliches Handeln als Mitglied der neuen Regierung brachte Karl Lauterbach, sonst als mahnende Stimme der Pandemie bekannt, viel Kritik auf Social Media ein. Ob dieser Karl Lauterbach "irgendwie in der Kabinettsdisziplin versunken" sei, hakte Marietta Slomka etwas provokant nach. "Nein, ich werde weiterhin der Mahner und der Warner bleiben, wo es angemessen ist", versicherte er. Allerdings müsse er nun als verantwortlicher Minister auch die Probleme lösen und könne nicht nur vor ihnen warnen.

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