Weg für Verkürzung der Quarantänezeiten ist frei

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Karl Lauterbach (AFP/HANNIBAL HANSCHKE) (HANNIBAL HANSCHKE)

Der Weg für die Verkürzung von Quarantäne und Isolation in der Corona-Pandemie ist frei: Der Bundesrat billigte am Freitag die Ausnahmen-Verordnung, die die Voraussetzungen für entsprechende Maßnahmen der Länder schafft. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht trotz der vielfach berichteten milderen Verläufen einer Omikron-Erkrankung keinen Grund zur Entwarnung. Die Variante macht nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bereits 73 Prozent aller Infektionen aus und könnte die Delta-Variante bald verdrängen.

In der Verordnung, die am Samstag in Kraft treten soll, wird definiert, welche grundsätzlichen Ausnahmen es von Quarantäne und Isolation wegen Impfung oder Genesung gibt. Umgesetzt werden müssen die neuen Regeln, die Bund und Länder am 7. Januar vereinbart hatten, durch Länderverordnungen. Kontaktpersonen, die geboostert sind, sollen demnach künftig nicht mehr in Quarantäne gehen müssen.

Für alle anderen sollen die Isolation wegen einer Infektion und die Quarantäne für Kontaktpersonen in der Regel nach zehn Tagen enden. Im Falle einer Infektion oder als Kontaktperson soll das "Freitesten" nach sieben Tagen durch einen PCR- oder zertifizierten Antigen-Schnelltest möglich

Lauterbach lobte in seiner ersten Rede vor dem Bundesrat die Zusammenarbeit von Bund und Ländern in der Pandemie. Die Umsetzung der gemeinsamen Beschlüsse habe im "Großen und Ganzen" gut funktioniert.

Auf einer Pressekonferenz in Berlin sagte der Minister, Erkenntnisse über die Gefährlichkeit der Omikron-Variante seien nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar, weil hierzulande die Quote von Ungeimpften unter den Älteren "besonders hoch" sei. Zudem könne in Deutschland eine Durchseuchung nicht akzeptiert werden. Die Zahl der Opfer wäre dann "sicherlich zu hoch".

Lauterbach zeigte sich zugleich erfreut darüber, dass die Verdopplungszeit bei Omikron in Deutschland länger sei als in anderen Ländern und sich hier sogar etwas verlangsame. Habe sie vor einigen Wochen noch viereinhalb Tage betragen, bewege sie sich jetzt auf eine Woche zu. Als Grund nannte er die reduzierten Kontakte.

Die derzeitigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie bezeichnete Lauterbach als "maßvoll". Sollte sich die Lager etwa auf den Intensivstationen verschärfen, müsse mit weiteren Schritten gegengesteuert werden. "Aber an dem Punkt sind wir zum jetzigen Zeitpunkt nach meiner Einschätzung nicht."

Lauterbach hat nach eigenen Angaben veranlasst, dass die Freitestungen der Mitarbeiter aus dem medizinischen Bereich mit einem PCR-Test in den Laboren priorisiert werden. Damit solle sichergestellt werden, dass diese Beschäftigten den PCR-Test bekommen, "wenn Kapazitäten ausgereizt oder überlastet sind".

RKI-Chef Lothar Wieler sagte mit Blick die Omikron-Welle: "Sie türmt sich weiter auf und das mit einer Dynamik, wie wir sie in dieser Pandemie bislang noch nicht gesehen haben." Laut RKI macht Omikron bereits 73 Prozent aller Infektionen aus. "Wir gehen davon aus dass es Delta in den nächsten Tagen auch vollständig verdrängen wird."

Vorsichtig optimistisch über die künftige Entwicklung äußerte sich auf der Pressekonferenz der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten. Bis Ende des Jahres könne eine endemische Lage tatsächlich erreicht sein - "oder wir sind praktisch da". Gegen Ostern werde es wärmer und im Sommer werde "ein ganz offenes gesellschaftliches Leben" möglich sein. Auch die Booster-Kampagne werde zu einer geringeren Verbreitung beitragen.

jp/cha

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