Lateinamerikas älteste Guerilla stellt sich als Partei neu auf

Das neue Parteilogo der Farc

Als revolutionäre Volkspartei mit Rosen-Logo geht die frühere kolumbianische Guerillagruppe Farc auf Stimmenfang. Die Partei wollte ihren neuen Namen und ihr neues Emblem am Freitag bei einer Zeremonie in der Hauptstadt Bogotá vorstellen. Damit zieht die älteste Guerilla Lateinamerikas einen Schlussstrich unter gut ein halbes Jahrhundert des bewaffneten Kampfes.

Bei einem Gründungskongress in Bogotá stimmte eine Mehrheit der Delegierten am Donnerstag (Ortszeit) für den neuen Namen "Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes" (Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común), wie der Vorsitzende Rodrigo Londoño alias Timochenko auf Twitter mitteilte. Bisher nannte sich die Guerilla "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia).

Die Abkürzung "Farc", die an mehr als 50 Jahre des blutigen Kampfes gegen Regierung und Paramilitärs erinnert, bleibt damit bestehen. Ein Teil der 1200 Delegierten war für den neutraleren Namen "Neues Kolumbien" (Nueva Colombia), konnte sich mit diesem Vorschlag aber nicht durchsetzen.

Bri dem Gründungstreffen wurde auch das neue Logo der linksgerichteten Partei enthüllt: Eine stilisierte rote Rose mit Stern als Blütenstempel, darunter in grünen Großbuchstaben die Abkürzung "FARC". Das Emblem ist an das der Sozialistischen Internationalen angelehnt - eine rote Rose in einer weißen Faust. Bei der Parlamentswahl im kommenden Jahr will die Farc erstmals antreten.

Der Kolumbien-Beauftragte der Bundesregierung, Tom Koenigs, wertete die Parteigründung als Chance für die Demokratie in dem Land, das jahrzehntelang unter dem Bürgerkrieg mit geschätzten 260.000 Toten und 60.000 Vermissten litt. Bei den vierjährigen Friedensverhandlungen mit der Guerilla sei deutlich geworden, "dass es den Willen zum Frieden von beiden Seiten" gebe, sagte Koenigs dem Radiosender Bayern 2.

Die Farc habe sich als Partei auf die Fahnen geschrieben, "die Stimme der auf dem Lande Lebenden, Zurückgebliebenen und Entrechteten" zu sein. Ob sie damit viele Wähler gewinnen könne, sei aber noch unklar, betonte der Grünen-Politiker. Womöglich gelinge es der kolumbianischen Gesellschaft erst einmal nicht, "eine linke Formation im Parlament und in den Institutionen zu ertragen".

Laut Umfragen haben mehr als 80 Prozent der kolumbianischen Bevölkerung ein negatives Bild von der Farc. Die linksgerichteten Rebellen hatten im vergangenen Jahr ein historisches Friedensabkommen mit der Regierung vereinbart. Mitte August beendete die Farc wie vorgesehen ihre Entwaffnung, Staatschef Juan Manuel Santos erklärte den Konflikt daraufhin offiziell für beendet. Während Santos für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis erhielt, gingen Farc-Vertreter leer aus.

Die Guerilla hatte sich 1964 gegründet und sich dem Kampf gegen Großgrundbesitzer und die Regierung verschrieben. Durch den Konflikt zwischen der Armee, ultrarechten Paramilitärs sowie der Farc-Guerilla und anderen linken Rebellen wurden rund sieben Millionen Menschen in die Flucht getrieben.