Wieder Videobeweis! Kölner Wut nach Last-Second-Drama

Schiedsrichter Benjamin Cortus nahm die Elfmeter-Entscheidung nach dem Videobeweis zurück

Erst Dortmund, dann Frankfurt, nun Stuttgart: Wieder einmal entschied ein Videobeweis gegen den 1. FC Köln.

Zwei Minuten vor Schluss hatte Schiedsrichter Benjamin Cortus beim Stand von 1:1 nach einem Zweikampf zwischen Dennis Aogo vom VfB Stuttgart und Sehrou Guirassy zunächst auf Foulelfmeter entschieden. Diese Entscheidung aber nahm er nach einem fast vierminütigem Videostudium wieder zurück. (TICKER: Das Spiel im Re-Live)

Schmadtke wütet nach Videobeweis

Kölns Sportdirektor Jörg Schmadtke brachte die Entscheidung auf die Palme. "Es gibt einen Kontakt, und der Schiedsrichter hat eine Entscheidung getroffen. Das ist keine klare Fehlentscheidung", wütete Schmadtke bei Eurosport unmittelbar nach dem Spiel: "Dann frage ich mich, warum die sich in Köln einmischen? Das muss mir irgendwann einer erklären. Ich werde die nächsten drei Tage von allen möglichen Experten erklärt bekommen, warum das kein Elfmeter ist."

Über die Situation rund um den Videobeweis war Trainer Peter Stöger sichtlich angefressen, biss sich allerdings auf die Zunge: "Ich habe keine Lust mehr, darüber zu reden. Tut mir leid", meinte er in der Pressekonferenz.

Zum Spiel sagte Stöger: "Wir müssen schauen, dass wir das Spiel nach dem 1:1 nach Hause bringen. So ist es bitter, weil wir für den Aufwand mit null Punkten nach Hause fahren." (DATEN: Die Tabelle) 

Am Ende dieser turbulenten Schlussphase kassierten die Gäste in der Nachspielzeit durch Chadrac Akolo auch noch das das entscheidende Gegentor zum 1:2 (90.+4). (DATEN: Ergebnisse und Spielplan)


Stögers Mannschaft rutschte mit der Niederlage beim eigentlichen Lieblingsgegner noch tiefer in die Krise und bleibt auch nach acht Spielen mit nur einem mageren Punkt Tabellenletzter. Kein Team legte jemals in der Bundesliga-Geschichte einen so schlechten Start hin. 

Von Problemen mit dem Trainer will Schmadtke nichts wissen. "Es gibt keine innere Spannung. Im Moment wird vermehrt kolportiert, dass Peter und ich im völligen Dissens sind. Das ist einfach falsch", sagte er bei Eurosport.

Abwehrspieler Dominique Heintz wollte sich nicht direkt zum Videobeweis äußern. Über die bitter Pleite sagte er: "Das war ein Schlag ins Gesicht. Das passt momentan alles zu unserer Situation. Wir müssen weiter an uns glauben und zusammenhalten."

Selbst Stuttgarts Holger Badstuber hatte Mitleid mit den Kölnern: "Das ist brutal, das entscheidet über Sieg und Niederlage. Die Kölner können einem leid tun, die erwischt es dieses Jahr bitterböse."

Stuttgart beendet Negativserie

Für den VfB war es der erste Bundesliga-Heimsieg gegen Köln seit 21 (!) Jahren. Beim 4:0 am 8. September 1996 war Joachim Löw, der am Freitagabend zu den 58.716 Zuschauern gehörte, noch VfB-Trainer gewesen. Danach hatte es in elf Spielen sieben Niederlagen gesetzt. 

Das Ende der schwarzen Serie leitete Anastasios Donis mit seinem 1:0 in der 38. Minute ein, Heintz hatte den Ausgleichstreffer per sehenswertem Schuss in den Winkel erzielt (77.).


Die Kölner machten zunächst deutlich, dass sie die Wende einleiten wollten. Sie pressten früh und aggressiv, ließen den VfB so überhaupt nicht ins Spiel kommen. Einziges Manko wie schon im bisherigen Saisonverlauf: Die Rheinländer gingen mit ihren zahlreichen Möglichkeiten leichtfertig um. So vergaben Yuya Osako (5. und 17.), Milos Joijc (12.) und Simon Zoller (25.), der den verletzten Jhon Cordoba vertrat, in aussichtsreicher Position. Der VfB musste immer wieder in höchster Not klären.

Nach vorne brachten die Schwaben kaum etwas zustande. Ein Schuss des agilen Donis (11.) über das Tor - das war es erst einmal. Die Gäste bestimmten klar das Geschehen.

Donis bringt Stuttgart in Führung

Erst nach gut einer halben Stunde konnte sich der VfB befreien und übernahm seinerseits die Initiative. Donis vergab zweimal freistehend (32. und 36.), wobei FC-Keeper Timo Horn bei der zweiten Möglichkeit glänzend reagierte. Beim anschließenden Treffer des Griechen, der von Simon Terodde mit einem tollen Pass bedient wurde, war Horn aber machtlos. Die Halbzeitführung der Schwaben war angesichts der Kölner Anfangsoffensive äußerst glücklich.

Nach dem Seitenwechsel verstärkte Stöger seine Offensive und brachte den 39 Jahre alten Neuzugang Claudio Pizarro für Salih Özcan. Trotz des zweiten Einsatzes des peruanischen Hoffnungsträgers kam Köln aber nervös aus der Kabine und fand keinen Zugriff aufs Spiel. Stuttgart stand nun defensiv besser, ließ aber aussichtsreiche Konterchancen fahrlässig liegen.

Mit der Hereinnahme des Stürmers Sehrou Guirassy als fünfte reine Offensivkraft ging Stöger nach 66 Minuten volles Risiko, das sich letztendlich nicht mehr auszahlte. Für Köln geht es am Donnerstag in der Europa League bei BATE Borissow weiter, in der Liga wartet am Sonntag Bremen. Heintz sprach von einem "richtigen Endspiel. Da brauchen wir dringend drei Punkte."